Besonders die Zusammenarbeit mit Ex-Wirecard-Chef Marsalek machte den Fall zu einem der größten Spionageprozesse Österreichs. Nun ist ein Urteil gefallen: mehr als vier Jahre Haft für Ex-Verfassungsschützer Ott wegen Spionage für Russland.
Im größten Spionageprozess in Österreich seit Jahrzehnten ist ein Urteil gefallen. Egisto Ott, ein ehemaliger hochrangiger österreichischer Geheimdienstmitarbeiter, wurde wegen Spionage für Russland zu vier Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Ein Geschworenengericht am Wiener Landesgericht sprach den 63-Jährigen in einem der größten Geheimdienstskandale des Landes einstimmig schuldig.
Die Geschworenen sahen es als erwiesen an, dass der frühere Beamte des inzwischen aufgelösten Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) zwischen 2015 und 2022 geheime Informationen an den Kreml verraten hat. Er wurde zudem wegen Amtsmissbrauchs, Veruntreuung und Bestechlichkeit verurteilt.
Urteil noch nicht rechtskräftig
Ott soll laut dem Urteil geheime Daten aus Polizeidatenbanken gesammelt und an den flüchtigen Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek sowie an den russischen Geheimdienst FSB übermittelt haben. Zudem soll er im Auftrag Marsaleks einen hochsicheren SINA-Laptop für 20.000 Euro an Russland verkauft und Diensthandys hochrangiger Beamter nach Moskau weitergeleitet haben.
Darüber hinaus soll er nach dem sogenannten Tiergartenmord in Berlin 2019 für den russischen Nachrichtendienst eine Fehleranalyse erstellt haben. Ott hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und argumentiert, er habe in Zusammenarbeit mit einem westlichen Geheimdienst eine geheime Operation ausgeführt. Das Urteil mit einem Strafmaß von vier Jahren und einem Monat ist laut Gericht noch nicht rechtskräftig, da Ott noch im Verhandlungssaal Berufung einlegte.
