Reportage
Sie weisen ortsunkundigen Feuerwehrleuten den Weg oder helfen beim Befüllen der Löschfahrzeuge: In den Waldbrandgebieten rund um Bordeaux ist das Engagement der freiwilligen Helfer groß.
Ein Feuerwehrzug fährt durch das verlassene Örtchen Marcheprime rund 20 Kilometer von Bordeaux entfernt. Es liegt direkt am Brandgebiet und ist bereits evakuiert worden. Journalisten erlaubt die Gendarmerie die Zufahrt. Am Kreisverkehr in der Ortsmitte stehen drei Männer mit gelben Warnwesten.
Einer davon ist Maxime: „Wir regeln den Verkehr, um den Feuerwehrleuten zu helfen, dahin zu kommen, wo sie hin müssen.“ Die Einsatzkräfte kommen aus ganz Frankreich, aus der Bretagne oder aus dem Elsass. Sie kennen sich in der Region nicht aus. Auch jede Menge Lkw und Holztransporter fahren vorbei.
Freiwillige Helfer füllen an einer Kreuzung nahe Marcheprime Wassertanks auf. Der Ort selbst wurde evakuiert.
„Beeindruckend, wie viele Leute hier helfen“
Maxime ist Freiwilliger und kommt aus dem Ort. Er zeigt den Fahrern, wo sie lang müssen: „Es ist beeindruckend, wie viele Leute hier helfen. Sie stehen in der Schlange mit ihren Wasserbehältern fürs Löschen. Das ist etwas Positives im Negativen.“
Er hat die Evakuierung seines Ortes Marcheprime vor ein paar Tagen voll mitgemacht. Facebook-Vorwarnung durch das Rathaus, dann kam der SMS-Alert der Behörden. Jetzt hofft er darauf, dass das Wetter die Flammen nicht wieder antreibt.
Freiwillige füllen Wassertanks auf
Anthony aus dem ebenfalls evakuierten Nachbarort Biganos kommt mit einem Baustellenlaster über den Kreisverkehr gefahren.
Hinten auf der Ladefläche sitzen noch zwei weitere Freiwillige: „Wir versorgen die Feuerwehr mit Wasser. Wir haben eine Zisterne hinten drauf. Mit Motorpumpen füllen wir die Reservoirs der Feuerwehrwagen wieder auf, sobald sie vom Brandherd zurückkommen. So können wir sie direkt vor Ort versorgen, und dann ist das erledigt.“
Viele Straßen in der Region sind gesperrt – so auch die Autobahn A 63, die von Bordeaux Richtung Spanien führt.
Leere Straßen – nur Einsatzfahrzeuge zu sehen
Die Fahrt geht weiter entlang am Brandgebiet. Die Straßen sind völlig leer, nur Einsatzfahrzeuge sind ab und zu sehen. Kurz vor dem Ort Biganos wird der Fahrbahnrand von einem Forstfahrzeug bearbeitet. Schon gefällte Bäume werden gebrochen und geschreddert.
Quentin sitzt im Fahrerhaus. Er arbeitet für eine lokale Firma, die von den Forstbehörden dienstverpflichtet wurde: „Ich zerkleinere das Holz, um einen Feuerschutzstreifen anzulegen. Ich schreddere die Zweige der bereits gefällten Kiefern maximal klein, damit es nicht brennt.“
Schneisen, um das Feuer aufzuhalten
An den endlosen Straßen zwischen den Kiefernwäldern, die noch stehen, werden riesige Schneisen angelegt, um das Feuer aufzuhalten. Nach zwei ruhigeren Tagen sind die Einsatzkräfte wieder voll gefordert.
Immer wieder lodern Feuer auf. Die Temperaturen liegen wieder bei 35 Grad. Der mit Kiefernnadeln übersäte Boden ist völlig ausgetrocknet. Eine leichte Beute für jeden Funken.
Mit schwerem Gerät werden Schneisen in die ausgetrockneten Wälder geschlagen, damit sich die Feuer nicht weiter ausbreiten können.
„Wir hoffen auf Regen. Bleiben wir positiv“
Ankunft am Rand des Beckens von Arcachon, einer Bucht am Meer, südwestlich von Bordeaux: Im Örtchen Le Teich, das noch nicht evakuiert wurde, gibt es einen Aussichtsturm. Régine steht oben und schaut kopfschüttelnd auf die Brandwolken am Horizont: „Das ist eine Katastrophe, sagt sie. Die Region lebe vom Tourismus und das Feuer werde enorme Konsequenzen haben.“
„Es ist schrecklich“, sagte Aurélie, die auch Richtung Rauchsäulen schaut. „Das erinnert mich an die Feuer von 2022“, sagt sie und schiebt gleich hinterher, dass es jetzt alles noch viel schlimmer ist.
Aurélie arbeitet in einem Altersheim der Region, das evakuiert wurde. „Mit der Hitze wird jetzt entscheidend, ob die Feuer wieder anfangen. Es kann Wind geben. Wir hoffen auf Regen. Bleiben wir positiv. Es hat sich schon beruhigt und ist weniger beeindruckend als noch vor ein paar Tagen.“

