FIFA dementiert Bericht
Infantino soll Marokko WM-Finale 2030 versprochen haben
05.08.2026 | 19:57 Uhr
FIFA-Präsident Gianni Infantino kämpft um seine Macht und packt dabei offenbar einen Zug des Paten Don Corleone aus. Er soll Marokko ein Angebot gemacht haben, das man nicht ablehnen kann – im Gegenzug für treue Unterstützung. Die FIFA dementiert.
Der angeschlagene FIFA-Boss Gianni Infantino hat Co-Gastgeber Marokko laut eines Berichts der „Times“ zugesagt, das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 auszurichten, wenn das Land ihn im Machtkampf um das Präsidentenamt unterstützt. Die britische Zeitung beruft sich auf anonyme Quellen.
Auf Anfrage der dpa dementierte die FIFA den Bericht. „Es ist falsch und irreführend zu behaupten, der FIFA-Präsident habe irgendein Versprechen bezüglich der Austragung des Finales der FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 2030 abgegeben. Eine Entscheidung wird von der FIFA zu gegebener Zeit getroffen“, teilte der Weltverband mit.
Infantino hatte zuvor im Laufe des Tages im FIFA-Afrika-Büro in Salé vor den Toren der marokkanischen Hauptstadt Rabat eine Krisensitzung mit hochrangigen Mitarbeitern abgehalten. Er steht nach dem Scheitern seines Plans, WM-Anteile an private Investoren zu verkaufen, unter erheblichem Druck, von seinem Posten zurückzutreten und sucht internationale Rückendeckung.
Wie die UEFA Gianni Infantino loswerden will
Die UEFA, der asiatische Dachverband AFC und der für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige CONCACAF wollen den 56-jährigen Schweizer aus dem Amt drängen. Als sicher gilt bislang, dass Afrika Infantino unterstützt. Mit einem WM-Finale auf afrikanischem Boden könnte der FIFA-Boss die Stimmen der Verbände Afrikas für seine angestrebte Wiederwahl absichern. Infantino will sich im Frühjahr 2027 für eine letzte Amtszeit wiederwählen lassen, bisher gibt es noch keinen Herausforderer. Das dürfte sich nach dem Investoren-Debakel ändern. Der FIFA-Kongress, bei dem die 211 FIFA-Mitglieder ihren Präsidenten wählen, findet am 18. März statt – auf Wunsch von Infantino in Rabat, Marokko.
Stade Hassan II statt Bernabeu?
Marokko trägt gemeinsam mit Spanien und Portugal die WM in vier Jahren aus, drei Spiele werden in Südamerika stattfinden. Bisher wurde das legendäre Bernabeu-Stadion in Madrid als Schauplatz für das Endspiel 2030 als gesetzt angesehen. Rafael Louzán, Präsident des spanischen Fußball-Verbandes, hatte im Januar noch gesagt: „Spanien wird die führende Nation der WM 2030 sein, und das Finale dieser Weltmeisterschaft wird hier stattfinden.“
Marokko ist seit Infantinos Wahl zum FIFA-Boss treuer Unterstützer des Schweizers. Als Gegenleistung erhielt das nordafrikanische Land die Rolle als WM-Gastgeber. Marokko drängt laut „Times“ darauf, dass das WM-Finale in Casablanca stattfindet. Infantino soll Marokko nun tatsächlich versprochen haben, dass Casablanca den Zuschlag erhält.
In der marokkanischen Metropole entsteht für das Turnier das Stade Hassan II, das mit einer Kapazität von 115.000 Plätzen das größte Fußball-Stadion der Welt werden soll. Gegner Infantinos betonen allerdings, dass eine solche Handstreich-Entscheidung rechtlich nicht bindend sei und von einem möglichen Nachfolger Infantinos wieder einkassiert werden könnte.
Verwendete Quellen: ntv.de, mar
