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Film über Elizabeth Holmes: Doku-Hype „You Can See Everything“ kommt nach Deutschland

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerOktober 21, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Film über Elizabeth HolmesDoku-Hype „You Can See Everything“ kommt nach Deutschland

Der Film erzählt ihre Geschichte: Elizabeth Holmes. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Es ist eine Dokumentation, kein Spielfilm. Das Budget ist mini, nicht maxi. Und es geht um eine betrügerische Unternehmerin und keinen exaltierten Promi. Trotzdem bricht der Streifen „You Can See Everything“ über Elizabeth Holmes Rekorde – und soll nun auch Deutschland erobern.

„You Can See Everything“ kommt nach Deutschland: Die gehypte Dokumentation über die verurteilte Unternehmerin Elizabeth Holmes hat einen internationalen Verleih gefunden. Sony Pictures hat sich laut dem US-Portal „Deadline“ die Rechte für Deutschland und Österreich sowie zahlreiche weitere Märkte gesichert.

In den USA läuft der Film seit dem 16. Oktober und hat sich innerhalb weniger Tage zu einem der meistdiskutierten Kinostarts des Jahres entwickelt. Die Dokumentation von Nathan Fielder und Lance Oppenheim verbindet einen ungewöhnlich direkten Zugang zu Holmes mit einer Erzählweise, die klassische Grenzen zwischen Dokumentation, Inszenierung und Manipulation verschwimmen lässt. Das Ergebnis begeistert Kritikerinnen und Kritiker – und könnte auch bei den kommenden Oscars eine Rolle spielen.

Im Mittelpunkt steht Elizabeth Holmes, die Gründerin des einst hoch gehandelten Bluttest-Unternehmens Theranos. Sie versprach, mit wenigen Tropfen Blut zahlreiche medizinische Untersuchungen durchführen zu können. Das Unternehmen sammelte dafür Milliarden US-Dollar an Investitionen ein, bevor sich herausstellte, dass die Technologie nicht wie behauptet funktionierte. 2023 wurde Holmes wegen Betrugs verurteilt und zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.

Trailer ging viral

Die Filmemacher begleiteten Holmes über einen Zeitraum von drei Jahren. Ausgangspunkt sind die 34 Tage vor ihrem Haftantritt im Mai 2023. Holmes gewährte dem Team ungewöhnlich umfassende Einblicke in ihr Privatleben mit ihrem Partner Billy Evans und ihren beiden Kindern. Der Film zeigt dabei nicht nur die Unternehmerin in ihrem familiären Umfeld, sondern wirft auch Fragen nach ihrer Selbstwahrnehmung und ihrem Umgang mit der Wahrheit auf.

Die knapp drei Stunden lange Dokumentation setzt dabei auf eine ungewöhnliche Mischung aus Beobachtung, psychologischem Porträt und filmischer Selbstreflexion. Der Film stellt auch die Frage, wie viel Vertrauen ein Publikum einer Person entgegenbringen kann, die wegen Betrugs verurteilt wurde – und wie sich Wahrheit und Inszenierung in einer solchen Geschichte voneinander trennen lassen.

Schon bei seiner Premiere beim Telluride Film Festival im September sorgte „You Can See Everything“ für Aufsehen. Der Film war zunächst als geheime Vorführung angekündigt worden. Anschließend ging der Trailer mit mehr als 18 Millionen Aufrufen viral. Nach dem Kinostart in Nordamerika folgte ein außergewöhnliches Ergebnis: Am ersten Wochenende spielte die Dokumentation, die gerade mal etwa 7 Millionen Dollar gekostet haben soll, rund 15 Millionen Dollar ein – und das auf lediglich 855 Leinwänden.

Großartige Kritiken

Damit gelang ihr der erfolgreichste Start einer nicht-musikalischen Dokumentation in Nordamerika seit mehr als 20 Jahren. Zuletzt hatte Michael Moores „Fahrenheit 9/11“ im Jahr 2004 ein höheres Eröffnungswochenende erreicht. Zudem verzeichnete „You Can See Everything“ laut Produktionsstudio A24 mehr als 2000 ausverkaufte Vorstellungen. Über 70 Prozent des Publikums waren jünger als 35 Jahre.

Auch die Kritiken fallen außergewöhnlich positiv aus. Auf der Bewertungsplattform Rotten Tomatoes liegt der Film bei rund 98 Prozent positiven Kritiken. Bei Metacritic erreichte er zwischenzeitlich 99 von 100 Punkten – ein außergewöhnlich hoher Wert, der auch in der Filmgeschichte Seltenheitswert hat. Auf Letterboxd wird die Dokumentation ebenfalls mit einer Spitzenwertung von rund 4,7 von 5 Punkten bewertet.

Chancen bei den Oscars?

Angesichts der Kritiken und des Publikumserfolgs wird bereits über die Chancen bei den kommenden Academy Awards spekuliert. Die „Los Angeles Times“ sieht den Film als ernst zu nehmenden Kandidaten, den die Oscar-Jury nicht ignorieren könne. Das Produktionsstudio A24 bewirbt „You Can See Everything“ in seiner Oscar-Kampagne unter anderem für den besten Film und den besten Dokumentarfilm sowie in mehreren weiteren Kategorien.

Ob daraus tatsächlich Nominierungen werden, ist noch offen. Die Oscar-Saison hat gerade erst begonnen, und eine starke Kritikerresonanz ist keine Garantie für einen Preis. Der außergewöhnliche Kinostart, die Aufmerksamkeit in sozialen Medien und die Diskussionen über die Grenzen des Dokumentarfilms verschaffen der Produktion jedoch eine Ausgangslage, die für eine Dokumentation ungewöhnlich stark ist.

Für das deutsche Publikum heißt es vorerst warten. Mit Sony steht zwar nun ein Rechteinhaber für den hiesigen Markt fest. Wann „You Can See Everything“ hierzulande ins Kino kommt, ist aber bislang nicht bekannt.

Quelle: ntv.de, vpr/spot

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