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Politik

Flüsse erreichen neue Tiefststände durch Niedrigwasser

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 4, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 04.08.2026 • 14:00 Uhr

Die Wasserstände der Flüsse sinken weiter, teils auf neue Tiefstände. Die Lage droht, sich weiter zu verschlechtern. Langfristig könnte weniger Wasserabfluss Entlastung bringen. Vor allem für die Landwirtschaft hätte das Folgen.

Anhaltende Hitze und kaum Regen – es ist eine extreme Lage für Deutschlands Flüsse. Vielerorts steht das Wasser niedrig, fast täglich werden neue Tiefstände gemessen. Vom Rhein wurden am Pegel Kaub (zwischen Mainz und Koblenz) nur noch 24 Zentimeter gemessen, womit der bisher niedrigste bekannte Wasserstand im Jahr 2018 noch um einen Zentimeter unterschritten wurde, wie aus den von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes veröffentlichten Pegelwerten hervorging.

Auch in Köln und Duisburg lagen die Rhein-Pegel am Morgen unter den bisherigen Tiefstmarken. In Düsseldorf erreichte der Pegel das Niveau des bisherigen Tiefstpunktes von 2018. Den Vorhersagen zufolge könnten die Pegel am Rhein in den kommenden Tagen wegen ausbleibender Niederschläge noch weiter sinken.

Neue Tiefstwerte auch an Elbe und Donau

Angespannt ist die Lage auch in Magdeburg. Am Pegel Magdeburg-Strombrücke ist der Wasserstand der Elbe auf den bisherigen Tiefstwert von 45 Zentimetern gesunken. Schätzungen zufolge könnte der Wasserstand am Freitag auf bis zu 40 Zentimeter sinken.

Teils neue Tiefstände wurden ebenso von der Donau gemeldet. Für Pfelling im Kreis Straubing-Bogen gab die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung am Morgen einen Pegel von 216 Zentimetern an, das waren fünf Zentimeter unter dem bislang niedrigsten bekannten Wasserstand.

Nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde wurden die Niedrigwassermarken in vielen Gewässerabschnitten in diesem Jahr „ungewöhnlich früh“ unterschritten.

Hydrologie-Experte: „Müssen Wasser in der Landschaft halten“

Es müsse grundsätzlich umgedacht werden beim Umgang mit Wasser, fordert Klaus Röttcher, ein Experte für Wasserkreislauf und Wasserwirtschaft. „In der Vergangenheit haben wir dafür gesorgt, dass das Wasser möglichst schnell abfließt in Richtung der Meere“, erläuterte der Professor der Ostfalia Hochschule bei tagesschau24. Um sich vor Niedrigwasser infolge des Klimawandels zu schützen, müsse versucht werden, „diesen Trend umzudrehen“, so Röttcher.

Gelinge das, „dann würden auch wieder die Abflüsse in den Gewässern steigen, die Grundwasserspiegel steigen und wir hätten einen Teil der Probleme, die wir jetzt im Moment sehen, nicht mehr“. Als mögliche Ansatzpunkte nannte Röttcher den Rückbau von Drainagen oder Gräben, etwa in der Landwirtschaft, die weitaus mehr Fläche in Anspruch nehme als Versiegelung in Städten. „Dadurch, dass wir das Wasser langsamer machen, kann eben mehr Wasser in den Untergrund eindringen, in tiefere Schichten versickern und dann zur Neubildung des Grundwassers beitragen“, so der Experte.

Der Wissenschaftler stellte jedoch auch klar, „das wird auch über Generationen dauern, bis wir das System wieder resilienter gemacht haben, sodass es Wasser besser aufnimmt und besser zurückhält, als es im Moment ist“.

Sorgen vor wirtschaftlichen Folgen

Die niedrigen Wasserstände werden zunehmend ein Problem für die Schifffahrt. Zwar sind die Fahrrinnen deutlich tiefer als der jeweilige Pegelstand am Ufer und Schiffe können weiter fahren, allerdings mit weniger Ladung. Der Nullpunkt der Skala an den meist jahrzehntealten und teilweise aus dem 18. Jahrhundert stammenden Pegeln „liegt nicht dort, wo der niedrigste Punkt des Gewässers ist“, hieß es von der Bundesanstalt für Gewässerkunde.

Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt weist angesichts der niedrigen Wasserstände am Rhein und an der Donau auf erheblichen Mehraufwand und Mehrkosten hin. „Je nach Ladung und Fahrtgebiet sind Schiffe mit weniger als einem Viertel der sonst üblichen Zuladung unterwegs.“

Die Güter müssten auf mehr Schiffe verteilt werden, denn andere Verkehrsmittel sind insbesondere bei Massenguttransporten oft keine wirtschaftliche Option. Neben den Frachtschiffen machen die außergewöhnlich niedrigen Wasserstände auf dem Rhein auch dem Tourismus und der Fahrgastschifffahrt zu schaffen.

Wegen des Niedrigwassers lädt der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger am Donnerstag Experten zu einer Fachkonferenz in Bonn ein. Dabei werde es sowohl um kurz- als auch langfristige Maßnahmen gehen, sagte der CDU-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters.

Rhein wird neu vermessen

In einer Aktion des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein soll der Fluss an mehreren Orten neu vermessen werden. Bei der gleichzeitigen Fahrt stromabwärts werde der Wasserspiegel des Rheins über die gesamte Flussstrecke erfasst, sagte ein Sprecher. Das helfe, Berechnungsmodelle für Wasserstände und Strömungsverhältnisse zu überprüfen.

Bei einem Vergleich mit früheren Messungen könnten auch Veränderungen der Flusssohle durch Erosion oder Ablagerung erkannt werden. Die Daten lieferten wichtige Informationen für die Ermittlung der Fahrrinnentiefen für die Schifffahrt, erläuterte Axt.

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Dr. Heinrich Krämer
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