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Startseite»Politik»Förderung der Filmbranche: Was kann der „Filmbooster“ bewirken?
Politik

Förderung der Filmbranche: Was kann der „Filmbooster“ bewirken?

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 21, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Stand: 21.07.2026 • 08:01 Uhr

Deutsche Filme sind wieder weltweit erfolgreich, doch der Produktionsstandort Deutschland hat schwere Zeiten hinter sich. Die Regierung will die Branche jetzt gesetzlich stärken. Wie wirkungsvoll ist der „Filmbooster“?

Anke Hahn (RBB)

Die Stimmung ist gut im Tipi am Kanzleramt, einem Veranstaltungsort in bester Lage. Die Allianz Deutscher Produzentinnen und Produzenten hat an einem Berliner Juliabend zum Sommerfest geladen. Und nicht einmal Sturmböen und Regen können die deutsche Filmprominenz davon abhalten, hier Präsenz zu zeigen.

Denn es geht wieder langsam aufwärts mit der Branche. Nach Corona, extremen Kostensteigerungen und einer Filmflaute, weil in den USA Drehbuchschreiber, Schauspieler und Kameraleute monatelang gestreikt hatten, wird wieder produziert für Kino, Streamingdienste und TV.

Neues Gesetz soll klamme Kassen füllen

Michelle Müntefering, die CEO der Allianz, betont in ihrer Begrüßungsrede, dass auch die Politik einen Anteil an der positiven Entwicklung habe. Die Verdoppelung der Filmförderung in diesem Jahr auf 250 Millionen Euro sei eine gute Sache und längst überfällig. Auch das geplante „Mediendienste-Investitionsverpflichtungs-Gesetz“ der Bundesregierung werde wieder mehr Geld in die Kassen der Produzentinnen und Produzenten spülen, Projekte ermöglichen und Arbeitsplätze sichern.

Das Wortungetüm bringt einige Lacher für ihre Rede, aber die meisten kennen die Regelungen des Gesetzes: Streamingdienste und TV-Sender müssen künftig mindestens acht Prozent ihres Jahresumsatzes hierzulande in den Filmstandort Deutschland investieren. Ansonsten wird ihnen der Zugang zum deutschen Markt verwehrt.

Investitionsverpflichtung für Streaminganbieter

Für die heimischen TV-Sender ist das kein Problem, sie produzieren sowieso das meiste im Inland. Doch die großen globalen Streamingdienste – wie Netflix, Amazon Prime, Wow, Disney+ oder Apple TV – müssen sich umstellen. Sie erzielen auf dem deutschen Markt Gewinne, die sie hierzulande nicht versteuern und auch kaum reinvestieren. Meist produzieren sie da, wo es am billigsten ist oder wo es die höchste staatliche Förderung gibt. Nun müssen sie hier drehen, schneiden und vertonen statt etwa in Tschechien oder Ungarn.

Zwar ist das Gesetz noch nicht vom Bundestag verabschiedet, doch der zuständige Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ist optimistisch, dass es 2027 in Kraft treten kann. Er nennt es einen „Filmbooster“ und geht davon aus, dass bereits in diesem Jahr Investitionen fließen werden, „da die Mediendiensteanbieter die Verpflichtung des kommenden Jahres 2027 ausnahmsweise auch mit Investitionen, die bereits in diesem Jahr getätigt wurden, erfüllen können“. Ziel sei es „Filmhits ‚made in Germany‘ in Serie zu produzieren“, so Weimer.

Studio Babelsberg – ein gefragter Produktionsstandort

Produktionsstandorte wie das traditionsreiche Studio Babelsberg in Potsdam erleben bereits seit ein paar Monaten einen fühlbaren Aufschwung. Noch vor drei Jahren gelang das Überleben des Unternehmens nur mit Kurzarbeit, heute werden hier wieder etwa 200 Menschen allein in den Werkstätten beschäftigt. In den vergangenen Monaten wurden drei große internationale Serienproduktionen für Streamer gedreht, unter anderem die von Medienboard Berlin-Brandenburg geförderte Serie „The Boys from Brazil“ für Netflix und die von Studio Babelsberg koproduzierte Serie „Berlin Noir“ für Apple TV.

Allerdings ist dieser Aufschwung noch kein Effekt des geplanten Gesetzes. Das Studio hat kräftig investiert und bietet beste Arbeitsbedingungen. Natürlich begrüßt es die Investitionsverpflichtung grundsätzlich. Es nütze dem Produktionsstandort Babelsberg. Andererseits aber hält man die Reform der Filmförderung hier nicht für den großen Wurf, wie es der Kulturstaatsminister für sich in Anspruch nimmt. Zum einen ist die Verpflichtung, acht Prozent des Umsatzes zu investieren, im internationalen Vergleich eher gering. Frankreich etwa fordert 20 Prozent und bietet zusätzlich deutlich höhere staatliche Förderung für Produktionen.

Verlässliche Förderung gefragt

Zudem fürchtet man hier wie in der gesamten Branche, dass die 250 Millionen Euro Förderung, die in diesem Jahr fließen sollen, bereits im kommenden Jahr zusammengestrichen werden könnten. Im Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 seien bisher nur 200 Millionen Euro vorgesehen. Jörg Bachmaier, der CEO von Studio Babelsberg, sagt: „Der jetzige Rückschritt ist daher nicht nur enttäuschend, sondern gefährdet Investitionen, Arbeitsplätze und die Zukunft vieler Filmschaffender und Dienstleister. Von einem echten ‚Filmbooster‘ kann keine Rede sein, wenn die Mittel unmittelbar wieder gekürzt werden.“ Die Branche brauche Verlässlichkeit und Berechenbarkeit. Filmproduktionen seien langwierige Prozesse, oft seien viele verschiedene internationale Player eingebunden, da sei so ein Hin und Her bei der Förderung Gift.

Auch andere Bereiche der Filmwirtschaft sind nicht rundum glücklich mit dem sogenannten Filmbooster. Die Kinosparte etwa hat nur mittelbar einen Vorteil von der Investitionsverpflichtung für Streamer, zum Beispiel wenn Produktionsstätten florierten und Fachkräfte ausgebildet würden. Hier ist der Aspekt der Filmförderung wichtiger. Janine Jackowski von der Produktionsfirma Komplizen Film und Sprecherin der Kinosparte bei der Produzentenallianz hätte sich da deutlich mehr gewünscht.

Höhere Planbarkeit in anderen Ländern

Schon die Ampelregierung hatte die Filmförderung neu organisiert und den zu fördernden Anteil der Produktionskosten von 20 auf nominal 30 Prozent erhöht. Da der Topf, aus dem das Geld fließt, aber gedeckelt ist, gilt das Windhundprinzip: Wer zu spät kommt, kriegt nichts mehr. Deshalb war die Erhöhung auf 250 Millionen Euro auf jeden Fall ein Fortschritt, sagt Janine Jackowski. Schließlich stiegen seit Jahren die Kosten für die Produktionen, neben der allgemeinen Inflation würden hohe Tarifabschlüsse zu Buche schlagen.

Und wenn nun gleich wieder gekürzt werde, schrecke das mögliche Investoren ab. Die gingen dann lieber in andere Länder wie Spanien, England oder Ungarn, wo nicht nur mehr Planbarkeit herrsche, sondern auch noch die Förderung mit zum Teil mehr als 40 Prozent der Produktionskosten deutlich höher sei.

Alle wollen ein Steueranreizmodell

Diese Länder finanzieren das über Steueranreizmodelle, die für die Produktionsfirmen deutlich attraktiver sind als staatliche Förderung, die immer neu beantragt werden muss. Die Branche hierzulande hätte auch gern ein solches Steuermodell gehabt. Und tatsächlich hätte es Teil der Reform der Filmförderung in der Ampelregierung sein sollen. Doch die damalige Kulturstaatsministerin Claudia Roth von Bündnis 90/Die Grünen scheiterte an FDP-Finanzminister Christian Lindner, der diese Art von Subvention strikt ablehnte. Dann kam der Regierungswechsel zur Großen Koalition, und da war keine Rede mehr von Steueranreizen.

Auf dem Sommerfest der Allianz Deutscher Produzentinnen und Produzenten im Tipi am Kanzleramt ist auch das Gesprächsthema. Die Filmleute halten das für einen Fehler. Maria Furtwängler, die nicht nur eine begehrte Schauspielerin ist, sondern auch seit Jahren Filme produziert, sagt es klar: „Solange wir kein Steueranreizmodell haben, ist Deutschland als Produktionsstandort nicht konkurrenzfähig. Keiner muss sich wundern, wenn die Produktionen ins Ausland gehen.“

Die Filmbranche als Wirtschaftsfaktor

Und Janine Jackowski betont, Deutschland verliere so bares Geld. Die Steuersubvention für Filmproduktionen würde durch eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts und höhere Einnahmen bei der Einkommenssteuer und der Gewerbesteuer mehr als ausgeglichen. Eine Studie der Bitkom ermittelte bereits 2022, dass jeder Euro, der in eine Steuergutschrift investiert würde, 6,60 Euro gesamtgesellschaftlichen Gewinn generieren und Tausende Arbeitsplätze schaffen würde.

Deshalb sind sich die Feiernden beim Sommerfest einig. Der sogenannte Filmbooster der Bundesregierung mit Investitionsverpflichtung für TV und Streaminganbieter und mehr Geld für die Filmförderung sei schon ein Schritt in die richtige Richtung – aber der Weg hin zu dem Ziel einer erfolgreichen, robusten und international konkurrenzfähigen Filmwirtschaft, der ist noch weit.

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