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Startseite»Nachrichten»„Frage-Verhör-Spiel“ beim Lunch: Söder-Tochter spricht über schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater
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„Frage-Verhör-Spiel“ beim Lunch: Söder-Tochter spricht über schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 24, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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„Frage-Verhör-Spiel“ beim LunchSöder-Tochter spricht über schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater

Gloria-Sophie Burkandt tritt häufig öffentlich an der Seite ihres Vaters auf. (Foto: picture alliance/dpa)

Markus Söder kennt man vor allem als Politiker – und als einst eifrigen Social-Media-Nutzer. In der TV-Show „Born Famous“ tritt er nun an der Seite seiner Tochter Gloria-Sophie Burkandt auf. Statt Harmonie steht dabei ihr schwieriges Verhältnis im Mittelpunkt.

Markus Söder war schon Gandalf, Marilyn Monroe und Shrek bei der Fastnacht in Franken, Food-Influencer und Wiesn-Sänger auf Instagram, Baum-Umarmer und Grünen-Hasser auf dem politischen Parkett. Jetzt aber zeigt Bayerns Ministerpräsident sich in einer Rolle, in der man ihn wohl noch nie gesehen hat: als Papa.

In der Doku-Serie „Born Famous – Fluch oder Segen“ auf ProSieben über die Kinder berühmter Eltern tritt er gemeinsam mit seiner ältesten Tochter Gloria-Sophie Burkandt auf – und gibt einen bemerkenswerten Einblick in eine wohl nicht ganz unkomplizierte Vater-Tochter-Beziehung.

Ein „Frage-Verhör-Spiel“ nennt die 27-Jährige die „Lunch“-Treffen mit ihrem Vater in München beispielsweise. Denn Söder fragt nicht nur, ob es denn inzwischen „den“ Freund im Leben seiner Ältesten gebe, er macht auch klar, dass er den angestrebten Karriereweg seiner Tochter nicht ganz nachvollziehen kann.

Dass sie ihre Doktorarbeit auf Eis gelegt hat, gefällt ihm ganz offensichtlich nicht – ebenso wenig die Grundidee ihres Buches, das sie auf den Markt bringen will. Darin soll es unter anderem darum gehen, wie junge Leute heute kommunizieren. „Die Energie ist komisch“, diesen Satz verstünden Menschen wie ihr Vater zwar nicht, junge Leute aber schon, sagt Burkandt. Söder schaut skeptisch.

Burkandt erzählt von Mobbing

Der Karrierepolitiker lässt durchblicken, dass etwas distanziert wirkende Treffen wie dieses wohl eher die Ausnahme als die Regel sind. Söder, der noch drei weitere Kinder mit seiner Ehefrau hat, spricht von „quality time“. Burkandt, die aus einer früheren Beziehung ihres Vaters stammt, äußert in der Serie dagegen immer wieder, dass sie sich mehr Zeit mit ihm wünscht.

Sie spricht auch von heftigem Mobbing in der Schule, berichtet davon, dass sie sich mit Schienbeinschonern vor den Schlägen ihrer Mitschüler geschützt habe, von Magersucht. „Du musst mal was essen, Du bist so dünn geworden“, sagt Söder beim gemeinsamen Kloß-Verzehr in München. „Das ganze Jahr muss sie so vegan modelmäßig leben und bei mir gibt es dann was Gscheits zu essen.“

Sie sei ein „Papa-Kind“, sagt Burkandt. Viel Zeit habe sie mit ihrem Politiker-Vater allerdings nicht und auch nie gehabt. „Es gibt auch öfter Momente, wo ich mir denke, ich möchte mit meinem Vater mehr Zeit verbringen“, sagt sie. „Das bin ich gewöhnt.“ Und: „Wenn Du so einen Vater hast, wie ich ihn habe, dann bist Du es gewohnt, dass Du nicht der Mittelpunkt bist.“ Termine mit ihrem Vater, so schildert es die 27-Jährige, mache sie mit seinem Assistenten aus.

Das ist in der Serie auch beim Wiesn-Anstich so, bei dem der Ministerpräsident und CSU-Chef die erste Maß Bier vom Münchner Oberbürgermeister bekommt. Burkandt ist dabei, aber nur im Hintergrund: „Ich hab‘ zugeschaut und gelächelt, aber mein Vater hat mich nicht gesehen.“

„Durch meinen Vater kam gar nichts“

Zwar seien öffentliche Auftritte auch an der Seite ihres Vaters sehr wichtig für sie und die eigene Karriere. Eigentlich aber wolle sie aus dem Schatten ihres Vaters treten, denn: „Mir hat niemand irgendwo geholfen“, sagt Burkandt. „Durch meinen Vater kam wirklich gar nichts.“

Ob das nun alles so stimmt oder nicht: Dass sich ein deutscher Spitzenpolitiker in dieser Form, im Reality-Fernsehen, in seiner Elternrolle zeigt, ist durchaus ungewöhnlich. Ihm sei kein ähnlicher Fall bekannt, sagt Borwin Bandelow, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen, der das Buch „Celebrities. Vom schwierigen Glück, berühmt zu sein“ geschrieben hat.

Seiner Meinung nach fällt der Apfel nicht weit vom Stamm. „Generell kann man sagen, dass die Persönlichkeiten von Politikern einerseits und Fernsehstars, Influencern oder Models sehr ähnlich sind“, sagt Bandelow. „Es geht um Ehrgeiz, Narzissmus und Geltungsdrang. Dahinter steht der Wunsch, von möglichst vielen Menschen geliebt und verehrt zu werden. Solche Persönlichkeitseigenschaften vererben sich auch, sodass es keine Überraschung ist, wenn die Kinder den gleichen Hang zur Öffentlichkeitsdarstellung haben.“

Es geht um „Emotionalisierung“

Warum Söder bei der Show mitmacht, diese Frage lässt die CSU-Pressestelle trotz mehrfacher Nachfrage unbeantwortet. Die Medienwissenschaftlerin Anne Ulrich von der Uni Tübingen sagt dazu: „Letztlich geht es bei solchen Auftritten weder um familiäre Werte noch um politische Inhalte, sondern ausschließlich um die affektgesteuerte Produktion von Prominenz.“ Dabei sei es auch gar nicht schlimm, dass die Beziehung zwischen Söder und seiner Tochter nicht so eng und alltäglich zu sein scheint wie bei den anderen Teilnehmern der Sendung – darunter Verona Pooth und ihr Sohn Diego.

„Bei Reality-TV oder Doku-Soaps wie „Born Famous“ geht es um Dramatisierung und Emotionalisierung, die vorzugsweise durch vermeintlich authentische Bekenntnisse erzielt wird. Es ist in diesem Sinne sogar „besseres“ Fernsehen, wenn die Beziehung zwischen Vater und Tochter nicht uneingeschränkt harmonisch oder liebevoll erscheint“, sagt Ulrich. Manchen Zuschauern könne es zwar unangenehm sein, das distanzierte Verhältnis zu betrachten, anderen aber „mag es angenehm erscheinen, dass auch Landesväter aus angestammten CSU-Territorien nicht mehr das Modell der nuklearen Kernfamilie vorleben“.

Ob unangenehm oder angenehm – in jedem Fall bemerkenswert ist, wie Söder sich zu den Karriereplänen seiner Tochter äußert: „Wenn ich mich jetzt über alles aufrege, was jeden Tag jemand sagt oder denkt oder macht – mei – dann wäre ich schon im Grab. Und deswegen versuche ich, darüber dann hinwegzugehen, aber wenn es was Lebensbedrohliches wäre, wenn sie krank wäre oder so – oder sie wäre bei den Grünen oder bei der Linkspartei, das würde mich schon schocken.“

Söder möchte Opa werden

Er sagt auch: „Bei der Gloria ist alles möglich.“ Viel Positives sei dabei, manchmal stelle er sich aber auch auf einen „Sanitätereinsatz“ ein. Vieles, was sie tue, werde auf ihn projiziert, sie beide seien aber jeweils eigenständige Persönlichkeiten. Eine Forderung stellt er dann doch noch an seine Tochter, die einst Schlagzeilen produzierte, weil sie in „Deutschlands dümmster Promi“ keine ganz glückliche Figur machte und Helmut Kohl nicht erkannte. Söders Maßgabe lautet: „Keine komischen Shows“.

Auch für ihr Privatleben hat der 59 Jahre alte CSU-Chef Wünsche: Er hätte nämlich gern Enkelkinder. „Irgendwann würde ich schon gern Opa werden“, bekennt Söder in der zweiten Folge der Serie. Wie viele Enkel er sich wünscht? „Da ist der Güte Gottes keine Grenze gesetzt“, sagt er. „Ich fänd‘ viele schon toll.“

Und zum Abschied gibt er seiner Tochter mit: „Schatzi, ich wünsch Dir viel, viel Erfolg“. „Bleib anständig“, sagt er ihr noch. Und: „Schreib mir mal, wie’s geht.“

Quelle: ntv.de, Britta Schultejans, dpa

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