Seit dem 1. August gilt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Erstklässler. Viele Kommunen investieren dafür Millionen in neue Räume und Personal. Was der Ausbau in der Praxis bedeutet, zeigt das Beispiel Pirmasens.
Drei Tage vor Schulbeginn wird in der Grundschule Wittelsbach in Pirmasens in der Pfalz noch im Akkord geschraubt: Gerade ist eine Lieferung mit Tischen und Stühlen für den neuen Speisesaal in der Grundschule angekommen. Ab kommendem Dienstag sollen hier täglich 150 Kinder ihr Mittagessen bekommen. Die Küche ist noch nicht fertig, deshalb wird das Essen zunächst angeliefert – das soll sich aber bis Ende des Jahres noch ändern.
„Die Grundschule hier ist von 1908“, sagt Alexander Kölsch, Leiter des Gebäudemanagements der Stadt Pirmasens. „Wenn man da irgendwo was aufmacht, ist das oft ein Überraschungsei.“ So auch bei diesem Projekt: dem Einbau einer neuen Küche und eines Speisesaals für alle Schüler. Der findet jetzt in einem ehemaligen Werkraum Platz.
Dass es Verzögerungen beim Umbau gab, lag aber nicht nur am alten Gebäude: „Wir mussten 20 Gewerke öffentlich ausschreiben. Und es war gar nicht so leicht, für jedes Gewerk überhaupt einen Bieter zu finden. Außerdem machen auch viele Handwerker in den Schulferien Urlaub.“ Dafür sind sie in Pirmasens schon sehr zufrieden mit dem Baufortschritt.
Finanzierung auch über Schulden
Insgesamt 2,75 Millionen Euro kostet der Ausbau der Grundschulen, um sie fit für den Ganztag zu machen. 70 Prozent davon übernimmt der Bund, den Rest muss die Stadt selber finanzieren und bleibt am Ende auf den Kosten sitzen – nicht nur bei den Investitionen, sondern auch bei den laufenden Kosten.
Aus Sicht von Oberbürgermeister Markus Zwick von der CDU ist das problematisch: „Wir finanzieren das teilweise durch neue Schulden – wir sind als Stadt finanziell schlecht ausgestattet, unser Haushalt ist defizitär und das wirkt sich auf die laufende finanzielle Situation aus.“
Dennoch sieht er in der Ganztagsbetreuung für die Kinder in der Stadt auch eine Chance: „Wir machen das gerne, weil es gut ist für die Familien und die Kinder. Wir haben viele Kinder, bei denen es gut ist, wenn sie eine sinnvolle Beschäftigung haben.“ Das Personal für die Ganztagsbetreuung zu finden, sei in Pirmasens zum Glück kein Problem gewesen.
Anspruch tritt jahrgangsweise in Kraft
Ob die Kommunen den Anspruch auf Ganztagsbetreuung innerhalb der Schule erfüllen oder über Angebote von Horten oder Kooperationen mit der Kinder- und Jugendhilfe, das bleibt ihnen überlassen. Der Anspruch tritt jahrgangsweise in Kraft – im Schuljahr 2026/2027 geht es mit den Schülerinnen und Schülern los, die gerade eingeschult worden sind.
Ab dann erweitert sich der Anspruch auf die jeweils neuen Erstklässler, bis im Schuljahr 2029/2030 alle Kinder an Grundschulen ganztags betreut werden müssen.
Großes Interesse
Für die Schulleiterin der Pirmasenser Wittelsbach-Grundschule, Antje Fuhrmann, bedeutete der Umbau der Schule zwar viel Arbeit – sie sieht aber die Vorteile, die das Konzept für die Schülerinnen und Schüler mitbringt. „Wir haben hier Kinder, die mittags gar nicht nach Hause gehen wollen, weil sie sagen, dass dort niemand ist.“
In der Ganztagsschule bekämen diese Kinder dann ein umfassendes Angebot: „Wir haben die Unterrichtszeit am Vormittag, haben dann eine gemeinsame Mahlzeit und können viel an Werten vermitteln, was sonst nicht vermittelt wird. Dann schließt sich die Lernzeit an, das heißt, die Bildungsgerechtigkeit wird erhöht.“
Und Freizeit soll auch nicht zu kurz kommen, sagt die Lehrerin: „Viele Kinder können gar nicht mehr richtig spielen. Das dürfen die bei uns dann. Wir haben auch schon einen Rasensprenger gekauft. Wenn es so warm bleibt, können die Kinder nächste Woche da durchlaufen und sich mal abkühlen.“
Das Angebot stößt auf großes Interesse: Bisher war die Grundschule in jedem Jahrgang dreizügig – ab dem kommenden Schuljahr gibt es aber vier Parallelklassen im ersten Jahrgang.

