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Gedenken an Flutkatastrophe: Steinmeier: „Schmerz und Leid sind nicht vergessen“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 14, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Gedenken an FlutkatastropheSteinmeier: „Schmerz und Leid sind nicht vergessen“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Gespräch mit Betroffenen der verheerenden Flut. (Foto: picture alliance/dpa)

Mehr als 180 Menschen verloren ihr Leben, etliche mehr standen vor den Trümmern ihrer Existenz: Die Flutkatastrophe von 2021 hinterlässt Spuren bis in die Gegenwart. Bundespräsident Steinmeier gedenkt der Opfer und spricht eine Mahnung aus.

Trauer, Schmerz, aber auch Zuversicht: Fünf Jahre nach der verheerenden Flut in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben Menschen an zahlreichen Orten der Opfer der Katastrophe gedacht. Im damals besonders heftig getroffenen Ahrtal sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Dieser Tag ist auch ein Auftrag an uns alle, mit unseren Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass Hochwasserkatastrophen mit den Folgen, wie wir sie hier erlebt haben, sich möglichst nicht wiederholen.“

„Ein solcher Jahrestag ist kein einfacher Tag“, sagte Steinmeier bei der Eröffnung der Fotoausstellung „We Ahr Strong. Fünf Jahre, ein neuer Blick“ in Altenahr im Kreis Ahrweiler. „Man möchte nach vorne schauen, aber gleichzeitig spürt man den Schmerz noch.“ In der Kapelle des Friedhofs in Ahrweiler legte Steinmeier einen Kranz nieder.

Die Ausstellung zeigt Porträts von Menschen aus der Region und erzählt unter anderem, was ihnen in der schweren Zeit geholfen hat, worauf sie stolz sind oder welche Zukunftsvisionen sie haben. Der Bundespräsident unterhielt sich mit einigen der Porträtierten und hörte sich ihre Geschichte an.

„Manche Verluste sind unersetzlich“

Einer ist der 89-jährige Eberhard aus Ahrweiler. „Alles, was ich geliebt habe, ging in dieser einen schrecklichen Nacht verloren“, erzählte er. Seine Frau sei ihm in einer Flutwelle aus den Armen gerissen worden. Mittlerweile blickt er mit Zuversicht in die Zukunft. „Mir ist das Leben noch mal geschenkt worden, nach fünf Jahren nach dieser Flut.“

Laura war 13 Jahre alt, als die Flut sie in der Nacht überraschte. Es sei „sehr schlimm“ gewesen, berichtete sie. Erst in den frühen Morgenstunden, als das Wasser zurückging, konnte sie kurz die Augen schließen, wie sie erzählte. Dann, am nächsten Tag, hieß es: helfen, anpacken, unterstützen.

„Fünf Jahre später ist der Schmerz und das Leid nicht vergessen“, sagte Steinmeier bei seinem nach eigener Aussage fünften Besuch in dem Tal. „Aber wenn wir hier sind, dann erinnern wir nicht nur an den Ort einer Katastrophe, sondern auch an einen Ort, der ein beeindruckendes Maß an Solidarität erfahren hat.“

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder betonte, hinter jeder Opferzahl stehe das Schicksal eines Menschen und einer Familie. Das Gedenken und Erinnern sei wichtig, um dem Schmerz Raum zu geben. Auch die parteilose Landrätin des Kreises Ahrweiler, Cornelia Weigand, hat die Flut miterlebt. Damals war sie noch Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr. Die Ausstellung zeige, dass von der Flut mehr geblieben sei als Zerstörung, sagte sie. Und doch: „Manche Verluste sind unersetzlich.“

„Egal, wie viel Schutz wir hier bauen und wie viel Raum wir der Ahr flussaufwärts geben: Es wird nicht reichen, um hier die Investitionen, die Anstrengungen der Menschen (…), ausreichend vor einem neuen hundertjährlichen Hochwasser schützen zu können“, sagte Weigand. Sie bitte den Bund um Öffnung der Aufbauhilfefonds für Hochwasserrückhaltebecken. Für Steinmeier muss diese Debatte vor Ort und im Land geführt werden.

Wiederaufbau ist noch nicht abgeschlossen

Die Flut in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen war eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der jüngeren deutschen Geschichte. Nach tagelangem Starkregen verwandelte sich vor allem die Ahr in ihrem engen Tal in eine verheerende Sturzflut. Mindestens 136 Menschen kamen in Rheinland-Pfalz ums Leben, 49 in Nordrhein-Westfalen. Mehrere hundert wurden verletzt. Eine Person aus der Ahr-Region wird bis heute vermisst. Viele Überlebende kämpfen noch immer mit psychischen Folgen.

Die Flut riss Autos, Häuser und Leben mit sich, zerstörte die Infrastruktur weitgehend. Fünf Jahre später ist der Wiederaufbau noch nicht abgeschlossen. Bei Brücken, Schulen, Krankenhäusern und kommunaler Infrastruktur laufen noch zahlreiche Projekte. Die Bahn fährt seit einigen Monaten wieder regulär auf allen Strecken.

Die tödliche Flut hat Reformen im Katastrophenschutz angestoßen, darunter ein Sirenen-Förderprogramm und die Einführung von Cell Broadcast als Warnsystem. Damit können Warnmeldungen direkt an alle Mobiltelefone gesendet werden, die zu einem Zeitpunkt in einem bestimmten Gebiet im Netz sind. In Rheinland-Pfalz entstand in der Folge unter anderem auch ein neues Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz.

Für den früheren Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer, der zum Zeitpunkt der Flut Arbeits- und Sozialminister war und heute den Vorsitz der SPD-Landtagsfraktion innehat, geht es nicht nur darum, Häuser, Straßen und Brücken wiederaufzubauen. Es gehe auch darum, dem Tal eine sichere und lebenswerte Zukunft zu geben. „Wer heute im Ahrtal unterwegs ist, sieht die vielen positiven Veränderungen. Sie machen Mut.“

Steinmeier: Flutkatastrophe war „unmissverständliche“ Warnung

Bei der Gedenkstunde im nordrhein-westfälischen Landtag sagte Steinmeier, er sehe die Katastrophe auch als Mahnung zum Handeln. „Die Flut von 2021 war eine Warnung, eine unmissverständliche.“ Und weiter: „Wir schulden den Menschen, die in jener Nacht alles verloren haben, den ernsthaften, konsequenten Willen, dafür zu sorgen, dass wir auf solche Katastrophen besser vorbereitet sind und dass wir das uns Mögliche tun gegen den fortschreitenden Klimawandel.“ Der Klimaschutz dürfe im Industrieland Deutschland nicht aus den Augen verloren werden.

Deutschland müsse sich „besser schützen – mit Warnsystemen, die jeden erreichen, mit einem Hochwasserschutz, der auf diese Verhältnisse eingestellt ist, mit Kommunen, die vorbereitet sind“, sagte der Bundespräsident. Weder beim Kampf gegen die Ursachen solcher Katastrophen noch beim Bemühen, widerstandsfähiger gegen Hitze, Dürre und Extremwetter zu werden, sei Deutschland bereits „da, wo wir eigentlich sein müssten“.

Steinmeier lobte bei dem Gedenken auch die „Solidarität in ungeahntem Ausmaß“ der Menschen untereinander nach der Katastrophe. Aus dem ganzen Land seien Menschen gekommen, mit Schaufeln, Eimern, Werkzeug und Kuchen und hätten angepackt, „auch als die Fernsehkameras längst wieder abgezogen waren“, sagte Steinmeier. „In der Stunde der Not sind wir ein starkes, solidarisches Land.“ Der Präsident dankte zudem den Einsatzkräften von Feuerwehr, Polizei und Rotem Kreuz sowie der Bundeswehr und etlichen Hilfsorganisationen.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa/AFP

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