Die Bundesregierung hat in Berlin an den Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft erinnert. Anlass ist der heutige Jahrestag des Attentats auf Hitler. Ein Kranz der AfD sorgte vor dem Gedenken für ein Handgemenge.
Vor der Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des gescheiterten Stauffenberg-Attentats auf Adolf Hitler ist es im Berliner Bendlerblock zu einem Zwischenfall gekommen.
Der Großneffe des NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, Tobias Korenke, versuchte, einen Kranz der AfD zu entfernen. Sicherheitsmitarbeiter gingen dazwischen. Bei dem Handgemenge wurde der Kranz beschädigt.
Korenke nannte die Tatsache, dass die AfD an dem Ort einen Kranz niederlegt, gegenüber der ARD eine „ungeheure Geschmacklosigkeit“. Eine in Teilen gesichert rechtsextreme Partei, habe aus seiner Sicht nichts bei einer Veranstaltung zu suchen, bei der Menschen geehrt würden, die ihr Leben im Einsatz für den Rechtsstaat und den Erhalt der Menschenwürde verloren hätten.
AfD spricht von „unwürdiger Störung“
Ein Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion bestätigte, dass diese einen Kranz für die Gedenkstunde bereitgestellt hatte. Der Parlamentarische Geschäftsführer Götz Frömming sprach gegenüber dem ARD-Hauptstadtstudio von einer „unwürdigen Störung des Gedenkens“ und erklärte, die Partei lade „den Herrn zu einem Gespräch über Programm und Ziele der AfD“ ein.
Der 20. Juli erinnert an das gescheiterte Attentat von Claus Schenk Graf von Stauffenberg und anderen Widerstandskämpfern auf Adolf Hitler an diesem Datum im Jahr 1944. Nach dem Umsturzversuch wurden Stauffenberg und weitere Beteiligte im Bendlerblock, einem Gebäudekomplex im Berliner Ortsteil Tiergarten, erschossen.
Prien: Aus Haltung wurde mutige Tat
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) hob in ihrer Rede hervor, der Bendlerblock sei ein Ort, an dem aus Haltung eine mutige Tat wurde. „Ob unsere Generation oder nachfolgende Generationen je vor einer vergleichbaren Entscheidung stehen werden – wir wissen es nicht.“ Erinnerung müsse lebendig bleiben und auch Menschen erreichen, die keinen persönlichen Bezug zur NS-Zeit mehr haben.
Aus dem Widerstand, den Stauffenberg und andere geleistet haben, zieht Prien folgende Lehre: „Eine Demokratie bleibt nur dann stark, wenn genügend Menschen den Mut haben, sich einzubringen – lange, bevor außergewöhnlicher Mut erforderlich wird.“
Für Prien ist Widerstand auch Teil ihrer eigenen Familiengeschichte. Ihr jüdischer Großvater habe die Verfolgung durch die Nationalsozialisten mit viel Glück und dank der Hilfe so genannter „Stiller Heldinnen und Helden“ überlebt.
Mit Informationen von Isabell Kallas, ARD Berlin
