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Startseite»Politik»Gericht in Südafrika öffnet Tür zum Handel mit Nashorn-Hörnern
Politik

Gericht in Südafrika öffnet Tür zum Handel mit Nashorn-Hörnern

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 11, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Stand: 11.07.2026 • 15:42 Uhr

In Südafrika sorgt ein Gerichtsurteil für heftige Debatten über den Artenschutz: Ein privater Nashornzüchter darf unter bestimmten Auflagen die Hörner seiner Tiere ins Ausland verkaufen. Naturschützer sind entsetzt.

Stephan Ueberbach

„Der Schutz von Nashörnern ist extrem teuer, wir beschäftigen mehr als 50 Mitarbeiter“, sagt Wicus Diedericks, der die Sache ins Rollen gebracht hat. „Wir haben Ausgaben für Sicherheit, Tierärzte, Futter und vieles mehr. Wir bekommen kein Geld vom Staat. Durch den internationalen Verkauf von Nashornhorn könnten wir Einnahmen erzielen, um unsere Tiere zu schützen.“ Auf Diedericks‘ Farm „Rockwood Conservation“ leben rund 430 Breitmaulnashörner.

Schon lange will der Rhino-Züchter die Hörner seiner Tiere ins Ausland verkaufen. Sein Antrag auf eine Exportgenehmigung war von Südafrikas Regierung allerdings abgelehnt worden – zu Unrecht, wie das Höchste Gericht der Provinz Northern Cape entschieden hat. Im Urteil heißt es, die Ausfuhr von Nashorn-Hörnern sei unter bestimmten Auflagen erlaubt: Nämlich dann, wenn die Tiere auf zertifizierten Höfen leben, die dem Schutz der bedrohten Art dienen und nicht nur dem Geschäft.

Einspruch gegen Urteil abgewiesen

Die Regierung wollte dieses Urteil kippen, ihr Einspruch ist jetzt aber gescheitert. Die privaten Nashornzüchter sprechen von einem Meilenstein – und einer Chance im Kampf gegen die Wilderei: „Im vergangenen Jahr wurden in Südafrika knapp 500 Nashörner gewildert. Das entspricht ungefähr zwei Tonnen Horn“, sagt Diedericks.

Private Rhino-Halter könnten problemlos das Fünf- bis Zehnfache dieser Menge produzieren. „Das würde das Angebot sofort deutlich erhöhen, die Preise senken, den finanziellen Anreiz für Wilderer reduzieren und uns gleichzeitig die notwendigen Mittel verschaffen, um unsere Nashörner noch besser zu schützen.“

Lagerbestände im Milliardenwert

Etwa 70 Prozent des Nashornbestandes in Südafrika sind in privater Hand. Die Züchter sitzen auf großen Reserven. Eingelagert sind aktuell rund 80 Tonnen Rhinozeros-Horn – ein Drittel beim Staat, zwei Drittel bei den Farmern. Auf dem Schwarzmarkt wären die Hörner knapp vier Milliarden Euro wert.

Obwohl die Hörner wie menschliche Fingernägel nur aus Keratin bestehen und es für eine heilende Wirkung keine Belege gibt, gelten sie in der traditionellen asiatischen Medizin als Wundermittel.

Freigabe könnte Problem lösen – oder verschlimmern

„Wie bei der Prohibition und beim Verkauf von verbotenen Drogen hat das Handelsverbot einen großen illegalen Markt geschaffen“, sagt Pelham Jones, der Vorsitzende des Züchterverbands. „Wenn wir diesen Markt öffnen und einen rechtlichen Rahmen für den Handel mit Nashornhorn schaffen, können wir die Nachfrage transparent bedienen.“

Umweltverbände sehen das völlig anders. Die privaten Züchter wollten das seit 50 Jahren geltende internationale Handelsverbot für Nashorn nur deshalb aufweichen, um ihr Geschäftsmodell zu retten, sagt Daniela Freyer von der Organisation Pro Wildlife. Und: Der Versuch, den Schwarzmarkt mit legalen Angeboten auszutrocknen, sei vor 20 Jahren schon einmal gescheitert.

„Gewinnspannen noch höher als beim Elfenbein“

Damals hatte das Washingtoner Artenschutzabkommen den einmaligen Verkauf von Lagerbeständen von Elfenbein nach China und Japan erlaubt. „Und in der Folge ist dann der illegale Handel und natürlich auch die Wilderei auf Elefanten sprunghaft angestiegen“, so Freyer. Der legale Verkauf habe die Nachfrage längst nicht decken können, sondern neue Käufer angelockt und Schmugglern gleichzeitig die perfekte Tarnung geliefert.

„Und beim Nashorn wäre das nicht anders“, befürchtet die Tierschützerin: „Im Gegenteil, die Nachfrage nach Nashorn ist wahrscheinlich noch größer und vor allem sind die Gewinnspannen auch noch mal deutlich höher als beim Elfenbein.“

Regierung erwägt Gang vor Verfasssungsgericht

Die südafrikanische Regierung hat noch die Möglichkeit, das Verfassungsgericht des Landes anzurufen. Ob sie das tun wird, ist aber noch unklar. Auf Anfrage des ARD-Studios Johannesburg hieß es aus dem zuständigen Umweltministerium, man sei gerade dabei, die aktuelle Entwicklung zu bewerten und werde dann über weitere Schritte entscheiden.

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