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Startseite»Nachrichten»„Gewaltiger Schritt nach vorne“: Experten bewerten Erfolg bei Hautkrebs-Impfung als Meilenstein
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„Gewaltiger Schritt nach vorne“: Experten bewerten Erfolg bei Hautkrebs-Impfung als Meilenstein

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 20, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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„Gewaltiger Schritt nach vorne“Experten bewerten Erfolg bei Hautkrebs-Impfung als Meilenstein

Ein Melanom ist potenziell lebensgefährlich und gilt als die bösartigste Form von Hautkrebs. (Foto: picture-alliance / OKAPIA KG, Germany)

Erstmals kann ein mRNA-Impfstoff gegen Krebs in einer Studie die hohen Erwartungen erfüllen: Die Rückkehr von schwarzem Hautkrebs wird laut Hersteller reduziert. Die Fachwelt zeigt sich angetan – und hofft auf Erfolge auch bei anderen Krebsarten.

Angesichts der steigenden Zahl von Hautkrebs-Fällen sorgt eine erfolgreiche Studie zu einem Melanom-Impfstoff für Aufsehen. Die von den Herstellern Moderna und Merck & Co bekannt gegebenen Ergebnisse zur Behandlung von schwarzem Hautkrebs sehen Experten als Meilenstein, der weit über diese eine Krebsart hinausreicht. „Das ist ein gewaltiger Schritt nach vorn“, sagte Julie Gralow, Chefmedizinerin der amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie (ASCO).

Der personalisierte Krebsimpfstoff Intismeran Autogene reduziert den Angaben zufolge kombiniert mit dem Krebsmedikament Keytruda von Merck & Co das Wiederauftreten von Melanomen. Für moderne, mRNA-basierte Therapien wäre das ein wichtiger Meilenstein. Erstmals hat damit den Unternehmen zufolge eine personalisierte, mRNA-basierte Krebstherapie eine entscheidende Phase-3-Studie erfolgreich abgeschlossen. In Kombination mit Mercks Immuntherapie Keytruda habe der Impfstoff das primäre Studienziel bei Patienten mit fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs erreicht.

Die Technologie war einer breiten Öffentlichkeit durch die Corona-Impfstoffe von Biontech und Moderna bekannt geworden. Die Boten-RNA (mRNA) liefert den menschlichen Zellen die Bauanleitung für bestimmte Proteine und ermöglicht es so, gezielt eine Immunreaktion auszulösen. Im Gegensatz zur klassischen Chemotherapie trainieren die neuen Vakzine das Immunsystem bei der Krebstherapie gezielt darauf, Mutationen des jeweiligen Tumors zu erkennen und zu bekämpfen.

Die Ergebnisse bestätigten das Potenzial der mRNA-Technologie für die Krebstherapie. „Mit dieser positiven Studie gibt es die Hoffnung, dass diese Ansätze die Art und Weise, wie wir Krebs behandeln, umfassender verändern könnten“, erklärte Ryan Sullivan, Direktor des Melanom-Zentrums am Mass General Brigham Cancer Institute.

Tests auch an anderen Krebsarten

Die Daten sorgten auch an der Börse für Euphorie und trieben die Moderna-Aktie in der Spitze um mehr als 150 Prozent in die Höhe. Für beide Konzerne steht viel auf dem Spiel: Moderna ist dringend auf neue Erfolge angewiesen. Vom einstigen Milliardengeschäft mit dem Corona-Impfstoff – dem ersten marktreifen Produkt des Unternehmens – ist wegen der massiv eingebrochenen Nachfrage nur noch ein Bruchteil übrig. Merck & Co wiederum bereitet sich auf den drohenden Patentverlust für Keytruda zum Ende des Jahrzehnts vor. Das Medikament gehört zu den umsatzstärksten Arzneien der Welt.

Analysten der Bank Barclays trauen der neuen Kombinationstherapie allein bei Hautkrebs bis 2035 einen Jahresumsatz von rund drei Milliarden Dollar zu. Bei einer raschen Zulassung könnten erste Patienten bereits im kommenden Jahr profitieren.

Die Entwicklung beschränkt sich längst nicht auf Hautkrebs. Moderna und Merck & Co testen ihren Ansatz bereits in fortgeschrittenen Studien bei Lungenkrebs sowie in früheren Phasen bei Blasen-, Nieren-, Bauchspeicheldrüsen- und Magenkrebs. Auch die Konkurrenz treibt die Forschung voran: Das Mainzer Unternehmen Biontech und der Schweizer Pharmakonzern Roche erproben derzeit eine ähnliche Therapie bei Patienten mit Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Biontech befindet sich dabei in einer ähnlichen Situation wie Moderna: Nach dem Ende des Corona-Booms konzentrieren sich die Mainzer wieder voll auf ihre Krebs-Pipeline. Die Produktion seines Covid-Impfstoffs in Deutschland will Biontech sogar komplett einstellen und die Herstellung an den US-Partner Pfizer übergeben.

„Enormer Aufschwung“ erwartet

Dass die Wahl für die ersten großen Tests auf das Melanom fiel, ist kein Zufall: Diese Tumorart weist besonders viele Mutationen auf und ist für das Immunsystem daher leichter zu erkennen. Ein weiterer Pluspunkt der neuen Therapie: Während Keytruda allein teils starke Nebenwirkungen auslösen kann, traten durch die Zugabe des Impfstoffs laut den Unternehmen keine neuen schweren Begleiterscheinungen auf. Die Reaktionen ähnelten eher denen einer Grippe- oder Corona-Impfung. Dies dürfte die Risikoabwägung für Ärzte und Patienten künftig verändern.

Die Onkologin Elizabeth Buchbinder vom Mass General Brigham Cancer Institute rechnet mit einer rasanten Entwicklung, da auch viele andere Krebsarten zahlreiche Mutationen aufweisen: „Wir werden sehen, aber es ist definitiv ein Bereich, der einen enormen Aufschwung erleben wird – besonders jetzt, da diese Ergebnisse vorliegen.“

In deutschen Krankenhäusern wurden zuletzt fast doppelt so viele Menschen mit Hautkrebs behandelt wie noch vor 20 Jahren. 2024 waren es 120.100 stationär mit Hautkrebs behandelte Patienten und damit 95 Prozent mehr als 2004, wie das Statistische Bundesamt im Mai berichtete. Ein Grund ist die alternde Bevölkerung: Das Hautkrebsrisiko steigt mit dem Alter deutlich an.

Quelle: ntv.de, kst/rts/dpa

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