Nach seiner Reise auf der „Hondius“ traten bei einem Mann Krankheitssymptome auf. Ein Infizierung mit dem Hantavirus? Um das zu prüfen, mussten Mediziner einen ungewöhnlichen Arbeitsweg zum ziemlich abgelegenen Wohnort des Patienten einschlagen.
Einen Passagier der „Hondius“ erreichte Hilfe nach dem Ausbruch des Hantavirus an Bord des Schiffes auf ziemlich ungewöhnlichem Weg – nämlich per Fallschirm. Der Mann befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits wieder in seiner Heimat – auf der Insel Tristan da Cunha im Südatlantik. Da er nach Verlassen des Schiffes Krankheitssymptome entwickelte, wurde er von britischen Behörden als Verdachtsfall einer möglichen Infektion eingestuft.
Die Insel Tristan da Cunha ist das entlegenste britische Überseegebiet und kann gewöhnlich nur per Schiff erreicht werden. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, leben dort gerade einmal etwa 220 Menschen. Und die Insel war einer der Stopps auf der Route der „Hondius“ über den Atlantik. Diesen Stopp soll der betroffene Passagier genutzt haben, um an Land zu gehen.
Per Flugzeug zum Patienten
Um schnellstmöglich medizinische Hilfe auf die Insel zu entsenden, starteten die britischen Behörden einen Einsatz, wie es ihn zuvor laut Verteidigungsministerium in dieser Form noch nie gegeben hat. Eine Gruppe, bestehend aus sechs Fallschirmjägern und zwei Militärmedizinern, brach mit dem Flugzeug zu der Insel auf. Zunächst legte die Maschine fast 6.800 Kilometer von einem Militärflughafen nahe Oxford bis zur Insel Ascension zurück, die mitten im Atlantik liegt und gemeinsam mit Tristan da Cunha und St. Helena ein britisches Überseegebiet bildet. Danach folgten nochmals mehr als 3.000 Kilometer bis zum Ziel Tristan da Cunha. Um die Strecke zu bewältigen, begleitete ein Flugzeug vom Typ Voyager die Maschine für einen Tankvorgang in der Luft.
Über der Insel sprangen die Helfer schließlich per Fallschirm ab, zudem wurde medizinisches Material aus dem Flugzeug abgeworfen. Dieser Einsatz sei der einzige Weg gewesen, um den Patienten auf Tristan da Cunha rechtzeitig zu versorgen, betonte die britische Außenministerin Yvette Cooper.
Ob sich der Mann wirklich mit dem Hantavirus infiziert hat, ist bislang nicht nachgewiesen. Laut Weltgesundheitsbehörde wurden unter den etwa 150 Menschen an Bord der „Hondius“ sechs Infektionen nachweislich bestätigt, hinzu kommen demnach zwei weitere Verdachtsfälle. Drei der Passagiere, die sich angesteckt hatten, starben infolge der Infektion. Die „Hondius“ hatte am Sonntagmorgen die Insel Teneriffa erreicht, wo sämtliche nach an Bord befindlichen Passagiere und ein Teil der Crew das Schiff verlassen und anschließend in ihre Heimatländer gebracht werden sollten.
