Aktuell kursieren auf Facebook, X und in Messengerdiensten Beiträge, die eine Yale-Studie als Beleg für angeblich impfbedingtes AIDS darstellen. Verbreitet wird die Behauptung mit Screenshots, Videos und weitergeleiteten Nachrichten.
Die zentrale Aussage stimmt nicht. Yale hat nicht bestätigt, dass COVID-19-Impfstoffe „V-AIDS“, „VAIDS“, „SIDA“ oder AIDS verursachen. Die zitierte Studie untersucht mögliche anhaltende Beschwerden nach Impfungen, belegt aber keine AIDS-artige Immunschwäche.
Die Studie ist echt
Die Beiträge wirken glaubwürdig, weil sie echte Namen und eine echte Universität nennen. Bornali Bhattacharjee und Akiko Iwasaki forschen tatsächlich an der Yale University. Auch die erwähnte Studie gibt es: Es handelt sich um einen Yale-Preprint aus dem Jahr 2025 zu möglichen chronischen Beschwerden nach COVID-19-Impfungen: Immunological and Antigenic Signatures Associated with Chronic Illnesses after COVID-19 Vaccination
Untersucht wurden 42 Personen, die nach einer COVID-19-Impfung anhaltende Beschwerden berichteten, sowie 22 geimpfte Kontrollpersonen ohne solche Beschwerden. Die Forschenden fanden bei einigen Personen mit anhaltenden Beschwerden Spike-Protein im Blut. Ein solcher Nachweis bedeutet aber nicht automatisch, dass der Körper dauerhaft neues Spike-Protein produziert. Er zeigt auch nicht, dass die Menge mit der Zeit zunimmt.
Das ist der reale Kern. Falsch ist die Behauptung, diese Befunde würden „V-AIDS“ oder impfbedingtes AIDS beweisen.
Was daraus falsch gemacht wird
Die viralen Beiträge verdrehen mehrere Punkte zugleich. Aus einer kleinen Studie mit frühen Beobachtungen wird eine angebliche Bestätigung durch Yale. Aus Unterschieden bei Immunzellen wird eine schwere Immunschwäche. Aus einem Spike-Nachweis wird eine angeblich dauerhafte Produktion von Spike-Protein.
Das steht so nicht in der Studie.
Die Yale-Arbeit zeigt nicht, dass die untersuchten Personen AIDS haben. Sie führt auch kein Krankheitsbild „V-AIDS“ oder „VAIDS“ ein. Sie zeigt zudem nicht, dass Impfstoffe die beobachteten Unterschiede verursacht haben.
Studienautorin Akiko Iwasaki hat die AIDS-Deutung ausdrücklich zurückgewiesen. Gegenüber AAP FactCheck erklärte sie, die beobachteten T-Zell-Veränderungen seien keine T-Zell-Depletion und kein Hinweis auf AIDS. Die Zellzahlen der untersuchten Personen hätten im normalen Bereich gelegen. AIDS ist das fortgeschrittene Stadium einer HIV-Infektion. Veränderungen oder niedrigere Werte bestimmter T-Zell-Populationen sind deshalb nicht automatisch ein Nachweis für AIDS. Die Yale-Studie diagnostizierte bei den untersuchten Personen weder HIV noch AIDS.
„SIDA“: AIDS in anderer Sprache
In manchen deutschsprachigen Varianten taucht der Begriff „SIDA“ auf. Das ist kein neuer medizinischer Befund. „SIDA“ ist in mehreren romanischen Sprachen die Abkürzung für AIDS, etwa im Spanischen, Französischen oder Portugiesischen. Auch „VIH“ ist kein neuer Begriff aus der Yale-Studie, sondern die spanische und französische Abkürzung für HIV. Die deutschsprachigen Beiträge vermischen offenbar Begriffe aus anderssprachigen Postings.
Für die Bewertung ist das entscheidend: Ob „V-AIDS“, „VAIDS“, „SIDA“ oder AIDS geschrieben wird, gemeint ist dieselbe falsche Behauptung. Die Yale-Studie belegt keine durch COVID-Impfstoffe verursachte AIDS-Erkrankung.
Spike-Nachweis bedeutet nicht Dauerproduktion
Ein weiterer Teil der Behauptung lautet, mRNA-Impfstoffe würden langfristig immer mehr „S2-Stachelprotein“ produzieren. Auch das zeigt die Studie nicht.
Die Forschenden fanden bei einigen untersuchten Personen Spike-Antigen im Blut. Ein solcher Nachweis bedeutet aber nicht automatisch, dass der Körper dauerhaft neues Spike-Protein produziert. Er zeigt auch nicht, dass die Menge mit der Zeit zunimmt.
Die Untersuchung war querschnittlich angelegt. Sie zeigt daher keine Entwicklung derselben Personen über Monate hinweg. Eine langfristig zunehmende Produktion von Spike-Protein wurde mit dieser Studie nicht nachgewiesen.
Long COVID wird falsch gleichgesetzt
Manche Beiträge behaupten zusätzlich, Menschen mit Long COVID hätten in Wahrheit „V-AIDS“ durch die Impfung. Auch das ist nicht haltbar.

Long COVID wurde bereits 2020 beschrieben, also bevor COVID-19-Impfstoffe breit verfügbar waren. Die Yale-Studie untersucht zudem nicht Long COVID, sondern Personen, die nach einer COVID-19-Impfung anhaltende Beschwerden berichteten. Die Forschenden verwenden dafür den Begriff „Post-Vaccination Syndrome“ (PVS). Die Studie sagt nicht, dass Long COVID eine Impfkrankheit oder eine Form von AIDS sei.
Forschung ist keine Bestätigung
Berichte über anhaltende Beschwerden nach Impfungen sollten wissenschaftlich untersucht werden. Genau das macht die Yale-Studie. Daraus folgt aber nicht, dass jede virale Diagnose stimmt.
Die Studie liefert frühe Hinweise, die weiter geprüft werden müssen. Sie bestätigt kein „V-AIDS“, kein „VAIDS“, kein „SIDA“ und kein AIDS durch COVID-19-Impfstoffe.
Bewertung: Falsch. Die Beiträge nutzen eine reale Yale-Studie, ziehen daraus aber eine Schlussfolgerung, die dort nicht steht.
FAQ zum Thema Yale, COVID-Impfung und „V-AIDS“
Hat Yale bestätigt, dass COVID-Impfstoffe AIDS verursachen?
Nein. Yale hat kein AIDS durch COVID-Impfstoffe bestätigt. Die Studie untersucht mögliche Beschwerden nach Impfungen, aber keine AIDS-Erkrankung.
Was bedeutet „V-AIDS“?
In den Beiträgen wird „V-AIDS“ offenbar als „Vaccine-AIDS“ verstanden, also als angeblich durch Impfungen verursachtes AIDS. Die Yale-Studie verwendet diesen Begriff nicht als Diagnose.
Was bedeutet „SIDA“?
„SIDA“ ist in mehreren Sprachen die Abkürzung für AIDS. In den deutschsprachigen Beiträgen ist das kein neuer medizinischer Begriff, sondern Teil einer übernommenen oder übersetzten Behauptung.
Hat die Yale-Studie Immunzell-Veränderungen gefunden?
Ja. Die Forschenden beobachteten Unterschiede bei bestimmten Immunzell-Populationen zwischen den untersuchten Gruppen. Das ist jedoch kein Nachweis für AIDS. Studienautorin Akiko Iwasaki erklärte ausdrücklich, die beobachteten T-Zell-Veränderungen seien keine T-Zell-Depletion und kein Hinweis auf AIDS.
Beweist die Studie eine dauerhafte Spike-Produktion?
Nein. Die Studie fand bei einigen Personen Spike-Antigen, aber keine langfristig zunehmende Produktion von S2-Spike-Protein.
medRxiv | Bornali Bhattacharjee et al.
25. Februar 2025
Yale University
19. Februar 2025
AAP FactCheck
25. März 2025
Centers for Disease Control and Prevention (CDC)
14. Januar 2025
World Health Organization (WHO)
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