Die Waldbrände in Südeuropa dominieren die Schlagzeilen. Doch auch in Deutschland sind die Folgen des Klimawandels durch Niedrigwasser und Waldbrände spürbar. Die Kritik an der Klimapolitik der Bundesregierung wird wieder lauter.
Hitze, Dürre, Waldbrände und zunehmend auch austrocknende Gewässer haben Europa in diesem Sommer im Griff. Zwar ist die Lage in Deutschland bei Weitem nicht so angespannt wie in Frankreich, Spanien oder Griechenland, wo fast 170.000 Hektar seit Jahresbeginn verbrannt und Hunderttausende Menschen geflüchtet sind. Doch auch hierzulande zeigt sich: Der Klimawandel und seine Folgen werden immer offensichtlicher.
In den vergangenen Tagen kam es beispielsweise in Bayern mehrfach zu Bränden auf ausgetrockneten Feldern oder in Wäldern. Im oberpfälzischen Vohenstrauß fing ein Feld Feuer, nachdem in der Nähe ein Fontänenfeuerwerk gezündet worden war. Bei Aschaffenburg brannten aus ähnlicher Ursache rund 1.500 Quadratmeter Wiese und Gebüsch ab. In den Chiemgauer Alpen wurde laut Bayerischem Rundfunk wegen eines Waldbrandes sogar kurzzeitig der Katastrophenfall ausgerufen.
Sehr hohe Waldbrandgefahr in mehreren Bundesländern
Auch in den Niederlanden, unweit der deutschen Grenze, brennt es derzeit – mit Auswirkungen bis nach Deutschland: Im Naturschutzgebiet Boschhuizerbergen nahe Oostrum sind laut WDR bereits rund 100 Hektar betroffen, das Feuer hat sich zuletzt stark ausgebreitet. Die Leitstelle des Kreises Kleve warnt die Bevölkerung per NINA-Warn-App vor den Rauchschwaden.
Für viele Orte in Deutschland meldet der Deutsche Wetterdienst die höchste Stufe des Waldbrandgefahrenindexes: Besonders betroffen ist unter anderem die Rhein-Main-Neckar-Region.
Viele Kiefern-Monokulturen bei Berlin – wie in Frankreich
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace warnt vor einem hohen Waldbrandrisiko auch im Berliner Umland und zieht Vergleiche zur Gironde in Frankreich, wo es in den vergangenen Tagen verheerende Großfeuer gegeben hatte. Künstlich aufgebaute und industriell genutzte Kiefern-Monokulturen seien in den zunehmenden Hitzeperioden besonders anfällig für Brände. Solche Plantagen fänden sich auch im Berliner Umland, wo Greenpeace „ideale Bedingungen für sich schnell ausbreitende Feuer“ sieht.
Die Hitze und zu wenig Niederschläge erhöhen nicht nur das Waldbrandrisiko, sondern führen auch zu immer neuen Tiefstständen an Rhein, Elbe und Donau. Das hat nicht nur ökologische Folgen, sondern bringt auch wirtschaftliche Probleme mit sich, da etwa Transportschiffe nicht mehr voll beladen werden können.
Dröge: Merz ignoriere die Klimakrise
Angesichts der zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels wirft die Grünen-Politikerin Ricarda Lang der Bundesregierung mangelndes Engagement vor. Lang sagte dem Nachrichtenportal t-online, die Regierung bekämpfe nicht die Klimakrise, sondern den Klimaschutz. „Der ewige Kulturkampf gegen die Wärmepumpe ist Friedrich Merz heiliger als der Schutz der Bevölkerung“, so Lang. Selbst die Hitzetage in diesem Sommer sowie Unwetterwarnungen reichten zum Umdenken nicht aus.
Die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Katharina Dröge, sagte der Nachrichtenagentur AFP, es sei „fahrlässig“, dass Merz die Hitze und die Folgen der Klimakrise „komplett ignoriert“. Sie fordert angesichts der teils extremen Hitze in diesem Sommer und der Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft eine Krisenkoordinierung im Kanzleramt.
Bundesregierung plant „Fachkonferenz“
Von Seiten der Bundesregierung ist bislang eine „Fachkonferenz“ zu den historisch niedrigen Wasserständen geplant. Sie soll am Donnerstag in Bonn stattfinden. Dazu eingeladen hat der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Wer an dem kurzfristig anberaumten Treffen teilnehmen wird, ist allerdings noch unklar.
Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) hatte aus aktuellem Anlass bereits die Einrichtung einer nationalen Taskforce angemahnt, bei der Vertreter von Bundesregierung, Ländern, Kommunen und der Logistikbranche zusammenkommen sollen.
„Fridays for Future“ ruft zu Demo auf
Die Klimaschutzbewegung „Fridays for Future“ hat für Donnerstag zu einer Demonstration in Berlin aufgerufen. Die Bewegung fordert unter anderem einen bundesweiten Hitzeschutzplan, um für künftige Hitzewellen gewappnet zu sein. Das hatte am Wochenende bereits der Staatssekretär im Umweltministerium, Jochen Flasbarth (SPD), gefordert. Es brauche für den Sommer 2027 eine bundesweite Anstrengung, wenn es um die Bewältigung der Hitze und ihrer Folgen gehe.
Auch der Deutsche Städtetag sieht Bund und Länder in der Pflicht. Die Umsetzung kommunaler Klimaschutz- und Klimaanpassungskonzepte müsse dauerhaft mitfinanziert werden, sagte Hauptgeschäftsführer Christian Schuchardt dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.
