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„Ich kaufe dir das Flugticket!“: Feuriger Vance ist auf Kurs Bewerbungsrede – und biegt ab

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 11, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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„Ich kaufe dir das Flugticket!“Feuriger Vance ist auf Kurs Bewerbungsrede – und biegt ab

11.09.2026, 07:23 Uhr

Von Roland Peters, Dallas

Wenn jemand aus Trumps direktem Umfeld als möglicher Nachfolger infrage kommt, ist es JD Vance. Bei seiner Rede beim Endspurtauftakt zum Kongresswahlkampf zeigt der Vizepräsident, warum.

Derzeit ist US-Vizepräsident JD Vance fast überall im Einsatz. Er macht Wahlkampf für republikanische Kongresskandidaten. Er tritt als Hauptredner bei Veranstaltungen von Trumps Wahlkampforganisation MAGA Inc. und bei Spendengala-Abendessen auf. Er tritt vor die Presse im Weißen Haus und beantwortet Fragen. Und am zweiten und letzten Abend der Trumpapalooza alias Republican Convention in Texas befeuert er mit einer Rede die Spekulationen, ob er als derzeitiger Kronprinz von Donald Trumps MAGA-Bewegung im Jahr 2028 nach dem Weißen Haus greifen wird.

„Ein Land unter Gott“, steht neben Vance‘ Vize-Siegel, das über der Bühne erscheint. Ein Land, das nach Wunsch der Republikaner bei den Kongresswahlen im November die konservativen Mehrheiten in beiden Kammern mindestens bestätigen soll.

Hinter dem Rednerpult fährt ein Vorhang hoch, wie am Vorabend beim Präsidenten selbst kommt eine voll besetzte Tribüne zum Vorschein, die Vance in seinen 50 Minuten in der Halle mehrmals unterbrechen wird, als könnten die Jubelnden gar nicht an sich halten. Vance nimmt die Einladungen gerne an. „Ich würde gerne wissen, was ihr getrunken habt, denn wenn ich fertig bin, nehme ich zwei davon“, witzelt er an einer Stelle.

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Donald Trump löst JD Vance nach dessen Rede ab. (Foto: REUTERS)

Immer wieder Charlie Kirk

Vance beginnt äußerst persönlich. „Ich war nervös“, blickt er auf eine Nominierungsrede vor zwei Jahren zurück. „Als ich das Land auf der größten Bühne meines Lebens in der ersten Reihe ansprach, lächelte mein lieber Freund Charlie Kirk, feuerte mich an und erinnerte mich daran, dass ich dort einen guten Freund hatte.“ Das Publikum antwortet mit „Charlie, Charlie“-Rufen. Seit seiner Ermordung vor genau einem Jahr wird der Influencer von Rechten posthum als Ikone der MAGA-Bewegung inszeniert. Kirks erster Todestag fällt mit dem zweiten Veranstaltungstag zusammen.

Vance ist nicht der einzige, der in seiner Rede einen Bezug auf den „guten Freund“ nimmt. Aber der Vizepräsident baut sich daraus über eine direkte Ansprache an Kirks Kinder und seinen Glauben eine Treppe zu Apostel Paulus, Gott, und die Bedeutung der Vereinigten Staaten in dessen Königreich, als das Land Gottes. „Wir haben das Recht, etwas direkt von Gott dem Vater zu erben.“ Das wirkt ausgefeilt, und es wirkt. Vance redet ruhig, er argumentiert, artikuliert deutlich. Sobald er das Tempo anzieht und die Stimme hebt, tobt die Halle.

Der Vizepräsident fängt sehr persönlich an, redet über seine Familie und Glaubenssätze, über seine Vergangenheit – seine Motivation dafür, warum er Politik macht. Doch bevor jemand sagen könnte, er habe eine Bewerbungsrede gehalten, biegt er ab – und attackiert die Demokraten als „Partei des Hasses“, die Amerika zerstören wolle. Die „Radikalen“ sollen sich „verdammt nochmal von unseren Kindern fernhalten“. Auch dafür wird er laut bejubelt.

Der häufig so sachlich auftretende Vance ist für seine Verhältnisse geradezu feurig. An einer Stelle stört jemand Vance aus dem Publikum, wedelt eine mexikanische Landesflagge, dann eine palästinensische. Die Person wird hinaus eskortiert, Vance ruft: „Wenn du Mexiko so magst, dann geht halt da rüber, ich kaufe dir das Flugticket!“ Das Publikum jubelt klirrend laut. Es wirkt fast, als experimentiere er für die Zukunft, wie eine solche Dynamik funktioniert.

„Erst mal das Notwendige erledigen“

In Umfragen über eine Präsidentschaftskandidatur der Republikaner liegen Vance und Außenminister Marco Rubio in hypothetischen Duellen gegen verschiedene Demokraten nahezu praktisch gleichauf. Der Vizepräsident wäre ein Kandidat, der als Teil der MAGA-Bewegung aus dem Rostgürtel des Landes aufstieg und exzellente Verbindungen in die Tech-Branche hat. Rubio ist zwar einer der wichtigsten Ressortchefs in Trumps Kabinett, hat aber womöglich weniger Unterstützung von der Basis. Rubio sagte, er denke derzeit nicht über eine Bewerbung nach. Und Vance? Als manche ihm „20-28“ entgegenrufen reagiert Vance: „Wir müssen diesen November erst mal das Notwendige erledigen, dann können wir uns Gedanken darüber machen, was als Nächstes kommt.“

Damit meint er zweifellos die Kongresswahl. Die Mehrheiten in beiden Kongresskammern stehen auf dem Spiel und damit die Pläne der Republikaner. Insbesondere die von Trump so vehement geforderte Wahlreform wird frenetisch bejubelt. Aber bereits jetzt, so Vance, habe die Regierung „viel erreicht“. Sie könne noch mehr erreichen. Und dann redet der Vizepräsident indirekt über den Iran-Krieg – eine Gratwanderung, um Trump nicht in den Rücken zu fallen. Er spricht „junge Männer“ an, die nicht in der Halle sind, die noch unentschlossen sind, unzufrieden.

Nun erzählt er, wie Charlie Kirk den Präsidenten „geliebt“ habe, grundsätzlich gegen Kriege gewesen sei, aber trotzdem Teil der Bewegung und aktiv geblieben sei. „Überlasst das Land nicht einer Horde Verrückter, nur weil ihr in dieser politischen Frage zufällig anderer Meinung seid als wir“, fordert Vance. „Ich verlange von niemandem, dass er mit jeder einzelnen politischen Maßnahme der Regierung einverstanden ist. Was ich von euch verlange, ist, den Unterschied zu den Radikalen zu erkennen und die Erfolge der letzten 18 Monate anzuerkennen.“ Damit übernimmt Vance die Rolle des umsichtigen Wahlkämpfers, der das Problem direkt beim Namen nennt: Diejenigen an die Urnen zu bekommen, die womöglich zuhause bleiben wollen.

Trump in Höchstform

Aktuell ist Vance weiterhin nur das Vorspiel für den großen Mann, der einmal mehr von dem Sänger Lee Greenwood auf die Bühne gerufen wird. Vance bekommt von Trump einen Händedruck und ein paar Worte zur Ablösung. „Ich habe alle Wahlversprechen erfüllt“, behauptet Trump schlichtweg: „Wir haben das dunkle Zeitalter in Amerika in ein goldenes verwandelt.“ Für ihn und sein Umfeld mag das stimmen, laut US-Medien hatte kein US-Präsident vor ihm während seiner Amtszeit finanziell so profitiert wie Trump und seine Familie.

Als Unterhalter ist Trump in absoluter Höchstform, witzelt ausgiebig, baut auf Scherze des Vortags auf, lobt sich im Handumdrehen zum besten Präsidenten aller Zeiten, nimmt dem Publikum sogar einen komödiantischen Schwur darauf ab, mit Freunden und Familie wählen zu gehen. „Ihr wisst, was passiert, wenn ihr jetzt nicht zur Wahl geht?“, fragt er. „Ihr fahrt zur Hölle!“ Dann öffnen sich die Haltenetze unter der Decke von Dallas, Trump hört mit zufriedenem Lächeln dem „präsidentiellen Tenor“ zu, der neben ihm „America the beautiful“ singt. Das Publikum vergnügt sich im Bad aus Luftballons in rot, weiß, blau – und gold.

Quelle: ntv.de

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