Nach zwei Jahren Pause wird in Island wieder Jagd auf Finnwale gemacht. Gegner versuchten, die Walfänger daran zu hindern. Die Küstenwache stürmte das Schiff der Aktivisten. Nach tagelanger Festsetzung werden sie nun ausgewiesen.
Es sind Bilder wie aus einem Action-Film: Mit kugelsicheren Westen, Masken und Maschinengewehren klettern Mitglieder einer Spezialeinheit der isländischen Küstenwache am vergangenen Donnerstag über die Reling der „Bandero“.
Die Aktivisten an Bord strecken die Hände in die Höhe – sie hatten versucht, eines der beiden letzten aktiven Walfang-Schiffe Islands an der Jagd zu hindern, erzählt Florian Lohoff im ARD-Interview. Der Deutsche ist als Kameramann mit an Bord, um eine Dokumentation über die Mission der Walfang-Gegner zu drehen.
„Also als die Küstenwache die Brücke gestürmt hat, das war schon kurzzeitig erschreckend, weil man gar nicht so richtig wusste, was jetzt eigentlich passiert“, berichtet Lohoff. Als die Männer erstmal an Bord waren, sei es aber friedlicher zugegangen, sagt der 37-Jährige. „Die Küstenwache, die uns geboardet hat, die waren super freundlich.“ Es sei klar geworden, dass die Crew keine Gefahr für die Küstenwache sei und die Situation habe sich entspannt.
„Unsere Leute mussten das Schiff stürmen“
Die Erstürmung eines Anti-Walfang-Boots – für die isländische Küstenwache ist das alles andere als alltäglich. Ihn habe die Operation gegen das ausländische Schiff an einen James-Bond-Film erinnert, so der Direktor der Behörde, Georg Larusson, im isländischen Rundfunk.
Aus seiner Sicht war die heftige Maßnahme aber gerechtfertigt. „Sie haben sich geweigert, Anweisungen zu befolgen.“ Der Kapitän sei mehrfach aufgefordert worden, das Schiff zu stoppen. „Aber sie sind weiter in vollem Tempo gefahren, also mussten unsere Leute das Schiff stürmen“, erklärt Larusson.
Walfang-Pause in Island beendet
Die Hintergründe der Ereignisse: Die „Bandero“ gehört zu der „Captain Paul Watson Foundation“ – eine Organisation des bekannten kanadisch-US-amerikanischen Aktivisten Paul Watson. Das Ziel der internationalen Schiffscrew ist es, den isländischen Walfang zu dokumentieren und die Jagd möglichst zu verhindern. Nach einer zweijährigen Fangpause wurde in dem nordeuropäischen Land der Walfang im Juni wieder aufgenommen.
Mehr als 30 Tötungen von Finnwalen hat die Crew der „Bandero“ bisher dokumentiert, sagt Kameramann Florian Lohoff. „Es werden Tierschutzrechte verletzt bei jedem Abschuss eines Wals.“ Die Wale würden mit mehreren Harpunen beschossen. Sie seien „streckenweise mehr als eine halbe Stunde am Sterben und versuchen zu fliehen.“
Wenig Unterstützung der Isländer
Bis zu 150 Finnwale dürften laut Fangquote bis zum Saisonende im September erlegt werden. Laut Umfragen unterstützt nur noch eine Minderheit der Isländer den Walfang. Für andere ist die Jagd weiter Tradition – vor allem für Kristján Loftsson, der die letzten beiden Walfang-Schiffe auf Island betreibt.
Die Aktivisten auf der „Bandero“ werden ihn wohl nicht mehr von der Jagd abhalten. Ihr Schiff liegt seit der Erstürmung durch die Küstenwache am Pier in Reykjavik. Die 21 Besatzungsmitglieder durften es über Tage nicht verlassen. Sie kritisieren, dass sie ihre Handys abgeben mussten und ihnen Dokumente nur auf Isländisch vorgelegt wurden.
Besatzungsmitglieder werden ausgewiesen
Der stellvertretende Polizeichef von Reykjavik, Ásgeir Þór Ásgeirsson, wirft ihnen mangelnde Kooperation vor. „Im Gespräch waren die Menschen ganz in Ordnung, aber während der Ermittlungen waren sie uns gegenüber nicht besonders entgegenkommend.“
Inzwischen teilte die Polizei mit, allen Besatzungsmitgliedern sei die Entscheidung der Behörden über ihre Ausweisung überreicht worden. Gegen alle sei zudem ein mindestens zweijähriges Wiedereinreiseverbot verhängt worden. Bis zur Vollstreckung durften sie auch nach eigenen Angaben das Schiff verlassen, müssen sich aber jeden Tag bei der Polizei melden.

