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Startseite»Nachrichten»Kauft der Bund Anteile zurück?: Finanzministerium nennt Commerzbank-Übernahme „inakzeptabel“
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Kauft der Bund Anteile zurück?: Finanzministerium nennt Commerzbank-Übernahme „inakzeptabel“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 6, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Kauft der Bund Anteile zurück?Finanzministerium nennt Commerzbank-Übernahme „inakzeptabel“

06.05.2026, 18:23 Uhr Von Lukas Wessling
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26 Prozent der Anteile an der Commerzbank hält die italienische Unicredit bereits. (Foto: picture alliance / W2Art / Thorsten Wagner)

Unbeabsichtigt öffnete die deutsche Bundesregierung der italienischen Großbank Unicredit einst die Tür zur Übernahme der Commerzbank. Anderthalb Jahre später überlegt der Bund anscheinend, diese Tür wieder zuzudrücken – unter enormem finanziellem Aufwand.

In der Bundesregierung scheint die Bereitschaft zu steigen, Anteile an der Commerzbank aufzukaufen, um so einer Übernahme durch die italienische Unicredit zuvorzukommen. Zwei Insider sagten, der Bund denke darüber nach, die Staatsbank KfW zu nutzen, um sein Aktienpaket von gut zwölf Prozent wieder aufzustocken. Erst im September 2024 hatte die Ampel-Regierung 4,5 Prozent ihrer Anteile an der Commerzbank verkauft.

Auf die Frage, ob man einen Rückkauf von Commerzbank-Aktien erwäge, sagte das Bundesfinanzministerium ntv.de: Die Position der Bundesregierung sei bekannt. „Eine feindliche, aggressive Übernahme wäre nicht akzeptabel“, so eine Sprecherin. Die Bank sei systemrelevant, ein wichtiger Arbeitgeber und zentral für die Finanzierung des deutschen Mittelstands sowie für den Standort Frankfurt.

Um eine Sperrminorität zu erlangen und eine Commerzbank-Übernahme zu verhindern, müsste der deutsche Staat fast fünf Milliarden aufwenden. Zum Vergleich: Der Verkauf der Anteile im Jahr 2024 brachte ihm gut 700 Millionen Euro ein.

Manche Betrachter sprechen sich trotz der enormen Kosten für ein Einsteigen des Bundes aus. Sie sehen darin eine potenziell lohnende Investition. Ökonom Marcel Fratzscher widerspricht scharf. Der Präsident des Deutschen Instituts der Wirtschaft sagte ntv.de: Ein Eingreifen des Staates wäre aus seiner Sicht „ein schwerwiegender Fehler“. Sollte der Bund Aktien ankaufen, würde er damit in den Augen des Experten zudem gegen europäische Regeln verstoßen.

Schon im Oktober 2024 hatte Fratzscher argumentiert, der Übernahmeversuch durch die Unicredit sei kein ungewöhnlicher Vorgang, die Sorge um das deutsche Finanzsystem unbegründet. Fratzscher hatte zur Begründung auf die Hypovereinsbank verwiesen. Sie gehört seit 2005 zu Unicredit. Er sah dort keinen Schaden für deutsche Kunden. Im Gegenteil: Die deutsche Wirtschaft könne vom Know-how, Kapital und dem Marktzugang ausländischer Investoren profitieren.

„Erheblicher Teil der Einsparungen dürfte Commerzbank treffen“

Die Gewerkschaft Verdi zeigt sich weniger begeistert. Sie lehnt die Übernahme ab, weil sie um Arbeitsplätze bei der Commerzbank und der Hypovereinsbank fürchtet. Verdi warnt vor dem Abbau von Filialen und vor Einschnitten bei der Mitbestimmung. Eine eigenständige Commerzbank sei die beste Grundlage für sichere Jobs und eine starke Zukunft beider Häuser, sagt Jan Duscheck, Bankenexperte bei Verdi.

Ganz unbegründet ist diese Sorge wohl nicht. Die Unicredit warb am Dienstag mit einem „Wertschöpfungspotenzial“ in Milliardenhöhe, sollte es zu einem Zusammenschluss beider Banken kommen. „Ein erheblicher Teil der Einsparungen dürfte die Commerzbank treffen“, schätzt Ökonom Fratzscher. Praktisch bedeute das: „Doppelstrukturen, Jobs, Standorte und Systeme werden vor allem beim übernommenen Institut infrage gestellt.“

Unicredit gibt gleichzeitig an, es nicht unbedingt auf eine schnelle Übernahme abgesehen zu haben. Auch eine enge Zusammenarbeit mit der Commerzbank bringe schon Vorteile, hieß es am Dienstag. Der Weg zu einer Kontrollmehrheit von mehr als 50 Prozent ist noch weit. Die 30-Prozent-Schwelle sieht Unicredit hingegen in Reichweite.

Darum geht es der Bank jetzt: Unicredit hält bereits rund 26 Prozent der Commerzbank-Anteile. Vier Prozent mehr und die Unicredit hätte freie Hand für weitere Aktienkäufe – spätestens ab Anfang des kommenden Jahres. Um diese Schwelle zu erreichen, hat Unicredit am Dienstag ein Angebot vorgelegt. Den Anteilseignern der Commerzbank bot sie einen Tausch an: 0,485 Unicredit-Aktien für jede Commerzbank-Aktie.

Nach Rechnung der Commerzbank entsprach das einem Angebot von rund 31,07 Euro je Commerzbank-Aktie. Da die Commerzbank-Aktien im Moment deutlich wertvoller sind, ist das Angebot eher unattraktiv. Gemessen am Schlusskurs der Commerzbank-Aktie am Dienstag bedeutet es einen Wertverlust von rund 8,7 Prozent.

Warum bietet Unicredit das an? Experte Fratzscher sagt: „UniCredit will offenbar keinen Übernahmepreis zahlen, der die künftigen Chancen der Commerzbank abbildet.“ Die Italiener hofften wohl, „über Druck, Zeit und den bereits hohen Anteil eine Transaktion günstiger durchzubekommen“.

Commerzbank-Kunde setzt auf Bundesregierung

Dass sie überhaupt ein Angebot machen, hängt wohl mit dem deutschen Gesetz zusammen. Das verpflichtet Investoren, beim Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle allen Aktionären ein Angebot zu machen, zu dem diese ihre Anteile abtreten können. In diesem Fall an Unicredit. Die kam dieser Pflicht mit ihrem sparsamen Angebot zuvor und scheint nun darauf zu setzen, dass die Zeit für sie arbeitet.

Armand Zorn, stellvertretender SPD-Fraktionschef im Bundestag, schließt vor diesem Hintergrund nicht aus, dass der Bund wieder einsteigt. Ein solcher Schritt wäre allerdings „sehr ungewöhnlich“, sagte er. Er müsse als „‚ultima ratio‘ betrachtet werden, wenn alle anderen Optionen scheitern“, so Zorn.

Die Commerzbank will am Freitag eigene Pläne vorstellen, wie sie ohne einen Verkauf an Unicredit noch profitabler werden könnte. Auch viele Commerzbank-Kunden wenden sich offen gegen einen Verkauf an UniCredit. Michael Wisser, Chef der Frankfurter Gebäudereinigungs- und Dienstleistungs-Gruppe Wisag, sieht den Staat dabei in einer Schlüsselrolle: „Ich glaube fest daran, dass es keinen Deal geben wird, wenn sich die Bundesregierung sehr deutlich positioniert. Dann wird auch nichts passieren.“

Quelle: ntv.de, mit rts

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