Die Festnahme ist gut dokumentiert
Der Fall, der derzeit auf Instagram und anderen sozialen Netzwerken verbreitet wird, beruht auf einem realen Ereignis.
Nach Recherchen der Lokalmedien InForum und WDAY/WDAY+ wurde Angela Lipps am 14. Juli 2025 von US-Marshals in ihrem Wohnort in Tennessee festgenommen. Grundlage war ein Haftbefehl der Polizei von Fargo im US-Bundesstaat North Dakota.
Die Ermittler suchten nach einer Person, die mit einem gefälschten Militärausweis Geld von einer Bank in Fargo abgehoben haben soll. Eine Gesichtserkennungssoftware identifizierte Lipps als mögliche Tatverdächtige – obwohl sie zum Tatzeitpunkt nachweislich in Tennessee lebte.
Am 24. Dezember 2025 wurden sämtliche Anklagen fallengelassen. Lipps kam noch am selben Tag frei.
KI spielte eine entscheidende Rolle
Die Polizei von Fargo räumte später selbst ein, dass eine KI-gestützte Gesichtserkennung bei den Ermittlungen eingesetzt wurde.
Auf Pressekonferenzen im März 2026 erklärte der damalige Polizeichef Dave Zibolski jedoch, die Anklage sei nicht ausschließlich auf dem KI-Treffer basiert. Neben der Gesichtserkennung habe es weitere Beweise gegeben.
Welche Beweise das gewesen sein sollen, hat die Polizei allerdings bis heute nicht öffentlich erläutert.
Die Verteidigung widerspricht
Angela Lipps‘ Strafverteidiger Jay Greenwood widerspricht dieser Darstellung.

Nach seinen Angaben existierte außer dem fehlerhaften KI-Treffer kein belastbarer Beweis gegen seine Mandantin. Er legte den Ermittlern bereits Anfang Dezember 2025 Bankunterlagen vor, aus denen hervorging, dass Lipps sich während der Tat nachweislich in Tennessee aufgehalten hatte.
Der Streitpunkt besteht daher nicht darin, ob die KI sie falsch identifizierte, sondern ob es tatsächlich weitere belastende Hinweise gab. Dafür gibt es bislang keine öffentliche Dokumentation.
War sie wirklich sechs Monate in Haft?
In den viralen Beiträgen ist von „sechs Monaten Gefängnis“ die Rede.
Zeitlich ist diese Angabe im Wesentlichen korrekt. Zwischen ihrer Festnahme Mitte Juli 2025 und ihrer Freilassung am 24. Dezember 2025 vergingen gut fünf Monate. Da sie während dieser gesamten Zeit in Haft war und zunächst gegen ihre Auslieferung kämpfte, wird die Dauer in vielen Berichten auf rund sechs Monate gerundet.
Berichte, wonach sie infolge der Inhaftierung ihr Haus, ihr Auto und ihren Hund verlor, stammen aus Interviews sowie einer später eingerichteten GoFundMe-Spendenkampagne. Diese persönlichen Folgen sind jedoch nicht Bestandteil des Strafverfahrens selbst.
Was am Fall unstrittig ist
Die wesentlichen Fakten gelten als belegt:
- Angela Lipps wurde festgenommen und mehrere Monate inhaftiert.
- Eine KI-gestützte Gesichtserkennung identifizierte sie fälschlicherweise als Tatverdächtige.
- Die Anklage wurde später vollständig fallen gelassen.
- Die Polizei hält daran fest, dass neben der KI weitere Beweise vorgelegen hätten, nennt diese aber bis heute nicht.
Damit ist die virale Behauptung im Kern richtig. Offen bleibt lediglich, welchen tatsächlichen Stellenwert die Gesichtserkennung innerhalb der Ermittlungen hatte.
Bewertung: Wahr. Angela Lipps wurde aufgrund einer fehlerhaften KI-Gesichtserkennung als Verdächtige geführt und verbrachte mehrere Monate in Haft, bevor die Anklage eingestellt wurde. Ungeklärt bleibt, welche weiteren Beweise die Polizei nach eigenen Angaben gehabt haben will.
Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
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