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Politik

Konferenz in Santa Marta – „Der Anfang vom Ende der fossilen Energieträger“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerMai 1, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Stand: 30.04.2026 • 15:25 Uhr

Fast 60 Staaten haben sich auf der ersten Konferenz zur Abkehr von fossiler Energie in Kolumbien getroffen. Forschende erklären, welches Potenzial darin für den internationalen Klimaschutz steckt.

Jenny Barke

Janina Schreiber

Eine Konferenz zur Klimaerwärmung vor tropischer Kulisse – am Strand von Santa Marta. Der Ort gilt als einer von Kolumbiens touristischen Traumdestinationen und ist gleichzeitig der größte Steinkohlehafen des Landes. Der Kontrast, vor dem die Teilnehmenden über den Ausstieg aus fossiler Energie verhandelt haben, war gewollt: Kolumbien leidet unter dem Abbau der Kohle – und profitiert gleichzeitig davon.

Wann und wie raus aus Kohle, Gas und Öl

Der Export geht auch nach Deutschland, sagte Wirtschaftsingenieur und Kohleexperte Pao-Yu Oei von der Europa-Universität in Flensburg auf der Konferenz mit dem Titel „Transitioning away from Fossil Fuels“, kurz TAFF. Deutschland habe mit der Kohlekommission einen Kompromiss geschlossen, wie es insbesondere aus der Kohle aussteigt und gleichzeitig den vom Bergbau lebenden Menschen in Deutschland hilft, in der Lausitz und im Rheinland.

Doch Deutschland habe dabei ignoriert, dass es immer noch Kohle aus Kolumbien nutzt und irgendwann auch diese Kohle nicht mehr importieren wird. „Das bedeutet, es ist auch unsere Pflicht, den Leuten hier im Strukturwandel zu helfen, genauso wie wir den Leuten in der Lausitz geholfen haben“, so Oei.

Es sind diese Themen, die bei der TAFF im Mittelpunkt standen: Ein gerechter Wandel, den globalen Süden mitnehmen, die Chancen der Erneuerbaren Energien nutzen. Und: nicht diskutieren, ob man aus Kohle, Gas und Öl aussteigt, sondern wann und wie.

UN-Klimaverhandlungen zuletzt ohne Abkehr von Fossilen

Auf Ebene der UN-Klimaverhandlungen war dieser Ausstieg aus fossilen Energien zuletzt nicht mehr gelungen. Für Klimaforschende ein untragbarer Zustand. „Es ist so frustrierend, dass es 30 Klimakonferenzen gab, die nicht mal die Gründe diskutiert haben, warum wir in der Klimakrise stecken“, sagt Johan Rockström, Direktor des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Zwar hatte sich die Weltgemeinschaft auf der UN-Klimakonferenz COP28 in Dubai auf eine Abkehr von Fossilen Energieträgern geeinigt, im Jahr 2023, doch die Beschlüsse der vergangenen Weltklimakonferenzen in Aserbaidschan und zuletzt in Brasilien konnten das Bekenntnis nicht mehr bestätigen. Zumal sich der zweitgrößte Emittent weltweit, die USA, unter Donald Trump aus dem Pariser Klimaabkommen verabschiedet hat.

Initiative als Schlüsselmoment

Die gastgebenden Länder, Kolumbien und die Niederlande, wollten mit der Konferenz in Santa Marta ein „Jetzt erst recht“ etablieren. „Ich würde dazu aufrufen, dass wir uns nicht von den Abwesenden ablenken lassen, sondern uns auf die Anwesenden konzentrieren“, sagte die kolumbianische Umweltministerin Irene Vélez Torres. Dieses Versprechen habe das Treffen mit rund 1.500 Forschenden, Menschen aus der Zivilgesellschaft, indigenen Völkern und Gewerkschaften, Unternehmen und Politikerinnen und Politikern halten können, sagt Klimaexpertin und Mitgründerin des Earth Resilience Institutes, Sissi Knispel. „Das ist der Anfang vom Ende der fossilen Energieträger.“

Einbeziehung der Wissenschaft

Ein Erfolg dabei: die Einbeziehung der Wissenschaft, sagt Waldökologe Friedrich Bohn vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Er war selbst vor Ort. Im Vorfeld hatte er gemeinsam mit mehr als 20 anderen international Forschenden konkrete Ideen entwickelt, wie der Weg raus aus Kohle, Öl und Gas gelingen kann: Die Länder könnten zum Beispiel Subventionen für fossile Energien abschaffen – sowohl für die Produktion als auch den Verbrauch, keine neue fossile Infrastruktur bauen. Oder: Werbung für klimaschädliche Flüge und Kreuzfahrten verbieten.

Außerdem Thema im Dokument ist das Klimagas Methan: „Kürzungen und Einsparungen im Methan-Bereich sind super-effizient und können uns kurzfristig helfen“, so Bohn.

Globale Unterschiede bei Finanzen mitdenken

Wichtig beim fossilen Ausstieg: Die unterschiedlichen finanziellen Herausforderungen für Länder aus dem globalen Norden und Süden mitzudenken, sagt Madeleine Wörner, Klimaexpertin von Misereor. Länder des globalen Südens hätten oft deutlich kleinere finanzielle Spielräume, während sie gleichzeitig mit einer hohen Schuldenlast kämpfen und dringend Unterstützung benötigen, um den Übergang zu einer nachhaltigen Energieversorgung zu bewältigen. Diese Unterschiede auszugleichen, sei offen thematisiert worden, so Wörner. „Ich bin total begeistert, dass sowas überhaupt möglich ist in unserer aktuellen weltpolitischen Lage.“

Einen konkreten Schritt präsentierte außerdem Frankreich: Das Land nannte bei dem TAFF-Treffen eine klare Frist für einen vollständigen Ausstieg aus Gas, Kohle und Öl: Das Jahr 2050. Laut Experten ein wichtiges Signal einer großen Volkswirtschaft und einer der Bereiche, in dem die teilnehmenden Länder künftig enger zusammenarbeiten wollen.

Deutschland durch Umwelt-Staatssekretär vertreten

Der deutsche Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth lobte das Treffen am Mittwoch als „wichtigen Prozess“ und „Meilenstein“, der durch die gegenwärtige globale Energiekrise einen Schub bekomme. Umweltverbände aus Deutschland mahnen allerdings: „Während Deutschland in Santa Marta in der Allianz der Willigen am Fahrplan für eine Zukunft ohne Kohle, Öl und Gas arbeitet, kettet Wirtschaftsministerin Katherina Reiche das Land durch neue Gesetze weiter an Öl und Gas. Bundeskanzler Merz muss diesen Widerspruch im Sinne des Klimaschutzes auflösen“, fordert Martin Kaiser von Greenpeace.

Ergänzung zu Internationalen Klimaverhandlungen auf UN-Ebene

Zwar ging die Konferenz in Santa Marta – anders als die UN-Klimaverhandlungen – ohne ein Abschlussdokument zu Ende. Allerdings sollen die diskutierten Themen in einen Abschlussbericht einfließen, der in den kommenden Wochen veröffentlicht werde und auch bei der kommenden COP31 in Antalya in der Türkei zumindest beachtet werden könnte.

Friedrich Bohn sagt: „Die Richtung stimmt, der Impuls stimmt. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an.“ Dafür brauche es eine gewisse kritische Masse auch an großen Ländern, die sich abwenden von fossilen Energien, sagt PIK-Direktor Johan Rockström. „Dann kann das Druck erzeugen. Einmal, weil diese Staaten dann voran gehen und andere Länder mithalten möchten. Und auch, weil dabei deutlich wird, dass sich der Ausstieg aus fossilen lohnt: sozial, ökologisch und auch wirtschaftlich.“

Im besten Fall, sagt Waldökologe Bohn, könnte sich die „Transitioning away from Fossil Fuels-Konferenz“ zu einer Art „Elektromotor der Klimaverhandlungen“ entwickeln, als ergänzendes Format. Und dieses geht in die zweite Runde: Der Pazifik-Staat Tuvalu und Irland haben bekanntgegeben, die nächste TAFF-Konferenz im kommenden Jahr auszurichten.

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