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Kritiker beißen auf Granit: Provokateur Xhaka führt Schweiz aus vergifteten Gewässern

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 19, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Kritiker beißen auf Granit

Provokateur Xhaka führt Schweiz aus vergifteten Gewässern

Die Schweizer Fußball-Wunden sind geheilt. Vielleicht noch nicht vollständig, aber dem WM-Patienten geht es wieder gut. Kapitän Granit Xhaka spricht nach dem Sieg gegen Bosnien-Herzegowina über schwierige Tage.

Granit Xhaka redet in diesen Tagen sehr viel. Er tut das nicht, um des Redens willen. Der Schweizer Anführer ist in Sorge. Um seine Nati. Eigentlich will das Team eine historische Weltmeisterschaft spielen. Doch nach einem schwachen Testspiel und dem Remis-Schock zum Turnier-Beginn gegen Katar platzte es aus Xhaka heraus. Er stellte die Leistung und Mentalität des Teams an den Pranger. Was ihn ehrt: Er nahm sich nicht aus. Das Team, das sind eben er und die anderen. Die Worte des Kapitäns halten gewaltig nach. Das setzte Xhaka mächtig zu.

Aber die Worte, sie verfehlten ihre Wirkung nicht. Gegen Bosnien-Herzegowina spielte die Nati sich frei, auch wenn die Tore zum 4:1-Sieg erst spät fielen. Johan Manzambi, gerade eingewechselt, brachte in der 74. Minute die Erlösung. Ruben Vargas (84.), erneut Manzambi (90.) und Xhaka (90.+7) bauten den Sieg zum Statement aus. Für Bosnien-Herzegowina verkürzte Ermin Mahmic (90.+3) zwischenzeitlich zum 1:3.

Granit Xhaka zeigt vielsagende Geste nach seinem Tor

Der Sieg der Schweizer war eine deutliche Botschaft. Besonders aber das letzte Tor von Xhaka. Nicht, weil er es per Elfmeter erzielte. Sondern, weil die Mannschaft, weil er, sportlich zurückgeschlagen hatten. Nach den äußerst turbulenten Tagen, die kein gutes Licht auf den Chef geworfen hatten. Und darüber wollte der Anführer nochmal ausführlicher reden. „Ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Aber nach 148 Spielen für diese Farben, für das Land, da kann man vielleicht auch mal stolz sein, so einen Spieler in den Reihen zu haben“, grantelte er.

„Vielleicht brauche ich diese Provokationen“

Eine Botschaft steckte auch in der Jubelgeste nach dem Tor. Xhaka streckte die rechte Hand aus und machte sie immer wieder auf und zu. Ihm wurde zu viel geredet. Zu viele Sachen vorgeworfen. „Es gibt Menschen, die nicht mit Kritik umgehen können. Ich kritisiere mich aber selbst ganz am Anfang. Vielleicht brauche ich das auch ein bisschen, diese Provokationen, diese Meinungen von außen“, sagte Xhaka. „Für mich zählt, dass die Mannschaft hinter mir steht, der Trainer hinter mir steht, und dieses Gefühl hatte ich vom ersten Tag an bis heute. Alles andere ist nicht meine Sache.“ Große Aufregung hatte der Bericht der Boulevardzeitung „Blick“ ausgelöst, sie sprach von einer „toxischen Richtung“, in die die Stimmung kippe. Einige Spieler sollen sich nach den scharfen Ansagen des Chefs verunsichert und unwohl fühlen.

Öffentlich äußerte sich bis zum Duell mit Bosnien-Herzegowina kein Teamkollege dazu. „Wir besprechen solche Sachen intern, aber das ist eben das Ding: Solche Sachen sollten auch intern bleiben und ich hoffe, das ist in Zukunft auch der Fall“, sagte Manuel Akanji der Deutschen Presse-Agentur auf die Frage, inwiefern Xhakas Aussagen Thema in der Mannschaft waren.

Gegen Bosnien kippte dann tatsächlich die Stimmung. Zum Guten. „Wenn es Lob geben muss, dann gibt es das auch von meiner Seite. Wenn es schlecht ist, kritisiere ich auch. Wir haben eine starke Schweiz gesehen“, befand Xhaka. „Wir waren eine Einheit, mit dem Ball, ohne Ball. Wir haben auch dreckige Läufe gemacht und wichtige Zweikämpfe gewonnen. Wir haben über 90 Minuten ein sehr gutes Spiel gemacht. Die Einwechselspieler haben heute den Unterschied gebracht.“ Kein Showboating, keine Egoismus. So will der 33-Jährige seine Nati sehen. Für ihn ist es vermutlich die letzte Chance, auf der WM-Bühne große Spuren zu hinterlassen. Der maximale Erfolg treibt ihn an. All seine Vereine kennen das.

Schweizer Kapitän rechnet mit seinen Kritikern ab

Video poster

Obwohl er eine Mann der scharfen Worte ist, prallt die Kritik an ihm nicht ab. „Ich würde lügen, wenn es da rein und da raus geht“, sagte er im SRF-Interview, aus dem der „Blick“ zitiert. „Es tut weh, weil es Sachen gibt, die ich nicht verstehe. Es wurde viel geschrieben. Es gab den großen Artikel, der nicht an einem vorbeigeht. Für mich ist aber wichtig, was ich auf dem Platz beeinflussen kann – alles andere kann ich nicht beeinflussen.“

„Gibt immer viel Unruhe über mich“

Xhaka bewegt die Schweiz. Immer. Das weiß er .“Es gibt immer viel Unruhe über mich, es wird viel geschrieben – das wird von meiner Seite auch ein bisschen provoziert.“ Aber er kann auch anders emotionalisieren. Auf dem Platz gilt Xhaka als kompromisslos. Doch wenn er an seine schwierige Kindheit denkt, wird er ganz weich. „Man vergisst nie, woher man kommt“, sagte der 33-Jährige vor wenigen Monaten in einem TV-Interview und wischt sich Tränen aus dem Gesicht. Es ist eine Geschichte von Herkunft, Haltung, Härte. Und es ist eine Geschichte mit Happy End. Eine Geschichte, die seinen Charakter geformt hat.

Leiser wird Xhaka durch die Kritik aber nicht. Er bleibt weiter der laute Anführer, der Motivator und wenn nötig, natürlich wieder Mahner: Über Manzambi, der sein Team aufgeweckt hatte, sagte er beispielsweise: „Wenn er bereit ist, wenn er klar im Kopf ist, dann kann er helfen. Das hat er im ersten Spiel nicht getan, heute hat er es getan.“ Darüber nachgedacht, dem Man of the Match den Elfmeter schießen zu lassen, um ihm bei der WM einen Hattrick zu ermöglichen, habe er aber trotzdem nicht, sagte Xhaka. „Er ist jung, er hat eine große Zukunft vor sich. Lass die erfahrenen Spieler die Elfmeter schießen.“ Auch, um ein Zeichen zu setzen.

Verwendete Quellen: ntv.de, tno

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