Tschechien leidet unter der zweiten Hitzewelle des Jahres. Und nach den Waldbränden in Südeuropa wächst auch dort die Sorge vor Feuern. In Prag wurden fast 40 Grad gemessen – doch die Politik tut sich weiterhin schwer, die neue Realität zu akzeptieren.
Donnerstagnachmittag im Zentrum von Prag. Es ist 38 Grad – der heißeste Tag der Woche. Auf dem sonst so pulsierenden Jiří z Poděbrad-Platz im Stadtteil Vinohrady sind nur wenige Menschen unterwegs. Wer doch kommt, sucht Schatten oder kühlt die Füße im Wasser des Brunnens.
Der Platz wurde in den vergangenen zwei Jahren umgebaut. Die Stadt wollte, dass der Kirchenvorplatz auch für Märkte oder Veranstaltungen genutzt werden kann. Die Kirschbäume wurden gefällt und der Vorplatz gepflastert. Anschließend wurden zwar mehr als hundert neue Bäume gepflanzt und ein intelligentes Regenwassersystem installiert. Auch Rasenflächen gibt es weiterhin.
Der Meteorologe Michal Žák kann den Umbau trotzdem nur schwer nachvollziehen: „Es wird noch etwa zehn bis 15 Jahre dauern, bis die Bäume ihre Wirkung entfalten. Aber diese heißen Sommer haben wir bereits jetzt und nicht erst im Jahr 2040. Und daher ist es ein wenig bedauerlich, dass man in manchen Fällen immer noch den klassischen Weg des vergangenen Jahrhunderts beschreitet“, sagt er.
Zu viel Stein in den Gassen – zu wenig Parks
Žák arbeitet an der Karls-Universität und ist Mitarbeiter am Hydrometeorologischen Institut. Die Hitzeprobleme der Stadt kennt er gut – auch in der Prager Altstadt. In einer der vielen engen, von Kopfsteinpflaster gesäumten Gassen, bleibt er stehen. Er zeigt auf die umliegenden Häuser, die meisten haben vier bis fünf Stockwerke: „Diese Stadt – oder zumindest dieser Teil von Prag – besteht einfach nur aus Stein und Gebäuden. Bei sonnigem Wetter heizen die sich tagsüber natürlich ziemlich stark auf und nachts geben sie diese Wärme dann an die Umgebung ab.“
Es fehlen Bäume und kleine Parks, die kühlen könnten. Tropische Nächte mit mehr als 20 Grad waren in Prag in den 1980er-Jahren noch selten. Inzwischen erwartet Žák in diesem Sommer deutlich mehr als 20 solcher Nächte – mit Folgen für die Gesundheit: „Und natürlich leben hier ältere Menschen. Die mit dieser Überhitzung verbundenen Gefahren werden zum Beispiel für sie nach und nach immer größer.“
Mehr Baumpflanzungen und Entsiegelungen
Die Stadt Prag hat das Thema erkannt und eine Klimaanpassungsstrategie entwickelt. Das Hauptziel: die Stadt mehr zu kühlen und die Bevölkerung besser vor extremer Hitze zu schützen. Etwa indem mehr Flächen entsiegelt werden und dafür Bäume gepflanzt werden.
Außerdem hat die Stadt in diesem Sommer eine interaktive Karte gestartet. Sie zeigt Orte zum Abkühlen – von Trinkbrunnen über Sprühnebelsäulen bis zu öffentlichen Wasserstellen. Doch ein zentral koordinierter Hitzeaktionsplan mit verschiedenen Warnstufen und abgestimmten Maßnahmen fehlt – nicht nur in Prag, sondern in ganz Tschechien.
Klimakrise für den Außenminister beendet
Für Klimaforscher Žák liege das auch an der politischen Prioritätensetzung vor Ort, aber auch in der Regierung von Premierminister Andrej Babiš. Dort sind mit der Motoristenpartei und der SPD auch zwei klimaskeptische Kräfte beteiligt. Der Motoristen-Chef und tschechische Außenminister Petr Macinka sagte im Dezember, kurz nach Amtsantritt, noch folgenden Satz: „Die Klimakrise ist beendet“.
Žák widerspricht: „Herr Macinka hat wohl einen etwas anderen Sinn für Ironie, der in der Politik vielleicht nicht ganz angebracht ist. Ich finde also, dass es ein wenig kurzsichtig ist, diese Haltung einzunehmen.“
Nachdem Außenminister Petr Macinka die Klimakrise für beendet erklärt hatte, ließ er gleich mehrere Arbeitsgruppen zur Klimapolitik auflösen.
Furcht vor Waldbränden
Hitzewellen und Waldbrände in Südeuropa bringen das Thema Klimawandel nun aber zurück auf die Tagesordnung und Teile der tschechischen Rechten in Erklärungsnot. Erst kürzlich hatte sich der verheerende Waldbrand in der Böhmischen Schweiz zum vierten Mal gejährt.
Im Mai hat es in der Region erneut gebrannt – wenn auch auf deutlich kleinerer Fläche. Konfrontiert mit dieser Realität schlug Umweltminister Igor Červený, ebenfalls von der Motoristenpartei, einen etwas nüchterneren Ton als sein Parteichef an. „Das Klima verändert sich. Das Klima wird sich noch fünf, zehn, vielleicht sogar 15 Jahre lang verändern. Und wir müssen grundsätzlich damit beginnen, diese Sache auf diese Weise anzugehen.“
Erderwärmung wohl nicht so schnell vorbei
Für Žák steht aber fest: Die Erderwärmung wird so schnell nicht vorbei sein: „Selbst wenn wir als Menschheit die Emissionen deutlich reduzieren würden, müssen wir dennoch mit einer anhaltenden Erwärmung und den damit verbundenen weiteren negativen Auswirkungen rechnen.“
Und Städte wie Prag müssen weiter nach Wegen suchen, um sich an die neuen Temperaturen anzupassen.
