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Politik

Linken-Kandidatin zur Berlin-Wahl: Wie Elif Eralp um das Rote Rathaus kämpft

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 15, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Porträt

Stand: 15.09.2026 • 15:49 Uhr

Die Linke liefert sich in Umfragen zur Berliner Abgeordnetenhauswahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der CDU. Ihre Spitzenkandidatin kämpft vor allem gegen hohe Mieten und polarisiert im Wahlkampf stark.

Von Boris Hermel und Mirja Fiedler, RBB

Elif Eralp lacht viel – auch an diesem Nachmittag im August in einem Hinterhof in Berlin-Kreuzberg. Ihre Parteifreunde haben einen hölzernen Marktstand mit Markise in eine Kiezkantine verwandelt. Die Spitzenkandidatin der Linken steht mit Kelle und Plastikschüsseln dahinter und verteilt Essen – Kartoffelbrei, Ofengemüse, Brötchen und eine Banane für drei Euro. „Das wollen wir später, wenn ich Regierende Bürgermeisterin bin, in ganz Berlin einführen“, sagt die 45-Jährige in ihrer roten Schürze mit dem Slogan „Eat the rich“.

Linke Spitzenkandidatin polarisiert im Wahlkampf

„Cool!“, findet das eine Grafikerin aus einem Animationsstudio nebenan, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen zum Mittagessen vorbeikommt. „Wo kriegt man heute noch Essen für drei Euro? Ich glaube, sogar Einkaufen wäre teurer.“ Trotzdem sind es nicht nur Wohlfühlgespräche für die Spitzenkandidatin. Das Kreuzberger Urgestein und Kopf der Punk-Künstlergruppe „Die Tödliche Doris“, Wolfgang Müller, nimmt den Drei-Euro-Teller gerne, will von Elif Eralp aber auch wissen, was er seinem Freund sagen soll. Der habe vor 25 Jahren die PDS gewählt und glaube der Linken jetzt kein Wort mehr, weil sie damals dem Verkauf der größten landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft in Berlin zugestimmt hatte.

Elif Eralp räumt Fehler ihrer Partei ein

„Das war ein großer Fehler“, räumt die Linken-Politikerin unumwunden ein, auch wenn der Spardruck auf den Haushalt und aus der SPD damals riesig gewesen sei. Heute würde die Linke einem solchen Verkauf niemals wieder zustimmen, sagt die studierte Juristin lachend. „Da haben wir die letzten 25 Jahre dazugelernt.“ Heute will Elif Eralp die Wohnungen von großen privaten Konzernen wieder in öffentliches Eigentum zurückholen, also gegen Entschädigung vergesellschaften und damit den erfolgreichen Volksentscheid von 2021 in Berlin umsetzen.

Es ist das wohl heißeste Eisen im Wahlkampf in der Hauptstadt. Die schwarz-rote Bundesregierung plant inzwischen ein Gesetz, das Vergesellschaftung verbieten soll. Außerdem hat der Berliner SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach das Thema zum Ausschlusskriterium für eine mögliche rot-grün-rote Koalition erklärt.

Juristin will große private Wohnungsbestände vergesellschaften

Die gebürtige Münchnerin Eralp sieht überhaupt keinen Grund, von der Forderung abzurücken. „Letztendlich muss der Volksentscheid von allen demokratischen Parteien ernst genommen werden“, sagt die Tochter türkischer Einwanderer. „Das war kein Auftrag, der speziell an die Linken ging.“ Ihre Eltern flohen als Sozialisten und Gewerkschafter aus der Türkei. Elif Eralp war schon als Kind oft auf Demonstrationen. Heute steht auf den Plakaten der Linken „Mietabzocke stoppen“. Eilf Eralp selbst trägt eine goldene Kette mit dem Schriftzug „Mietendeckel“ um den Hals. Auch den fordern die Linken für die landeseigenen Gesellschaften, ebenso wie ein Amt gegen Mietwucher und ein kommunales Sozialwohnungsbauprogramm.

Unternehmer zeigen sich alarmiert

Viele Bauunternehmer kritisieren die Pläne der Linken scharf. „Das ist ein echtes Problem, weil letztendlich lösen wir nicht die Wohnungsfrage damit, dass wir Mieten deckeln“, argumentiert Thomas Doll. „Wir wollen Berlin bezahlbar machen und dass die Menschen hier alle ein gutes Leben haben können – unabhängig von Einkommen, von Herkunft“, kontert Elif Eralp in seinem Baustellenbüro.

Unter anderem im ehemaligen Arbeiterviertel Berlin-Friedrichshain hat Bauunternehmer Jürgen Leibfried ein ganzes Quartier gebaut – inklusive Sozialwohnungen und Kindertagesstätte – gegen Widerstände der Linken. Mehr als 24.000 Wohnungen hat sein Unternehmen in Berlin bereits geschaffen. „Wenn sie so agiert, wie sie es gerade hier ankündigt, dann blicke ich da eher sehr skeptisch auf die Vorhaben“, meint Jürgen Leibfried über Elif Eralp. „Das ist schade“, entgegnet ihm die linke Spitzenkandidatin.

Mieten laut infratest dimap wichtigstes Thema für Wähler

Die Politikerin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Vor neun Jahren ist sie in Die Linke eingetreten, engagierte sich vor allem gegen Rassismus und Diskriminierung. Seit fünf Jahren sitzt Elif Eralp im Berliner Abgeordnetenhaus, ist stellvertretende Landesvorsitzende. 2023 war sie maßgeblich am Parteiausschlussverfahren gegen Sahra Wagenknecht beteiligt und hat den Kurs der damaligen Bundesspitze um Jan van Aken und Ines Schwerdtner, vor allem auf das Thema Wohnen zu setzen, voll mitgetragen.

Zumindest in den Umfragen zahlt sich das aus. Im BerlinTrend von infratest dimap wird Wohnen und Mieten als das mit Abstand wichtigste Wahlthema gesehen. In der Umfrage Mitte Juli lagen die Linken mit 22 Prozent vorne.

CDU kritisiert Haltung der Linken zu Antisemitismus

Die regierende CDU hat die Linke zum Hauptgegner im Wahlkampf erkoren. Sie wirft der Partei zum Beispiel vor, Antisemitismus in ihren Reihen zu dulden. Elif Eralp verweist dazu auf ihren Fünf-Punkte-Plan gegen Judenhass. „Wir stehen für den Schutz und die Sicherheit jüdischen Lebens, genauso wie für den Schutz muslimischen und palästinensischen Lebens“, sagt sie. „Mit mir im Roten Rathaus werden wir den Kampf gegen Antisemitismus stärken.“

Linke präsentiert sich als Kümmerer

In Berlin-Lichtenberg steht auf einem Plakat mit der Spitzenkandidatin vor einem Supermarkt „Hol Dir Dein Stück vom Kuchen“. Mit Zupfkuchen am Informationsstand kämpft Elif Eralp dort um Stimmen. Die zweifache Mutter, deren Eltern 1980 kurz vor ihrer Geburt die Türkei verließen, will wirken wie eine, die die Sorgen der Menschen mit wenig Geld aus eigenem Erleben kennt. Sie sagt, sie verkörpere mit ihrer eigenen Geschichte das Programm der Linken. Denn die Partei sei jünger, größer, vor allem diverser und migrantischer geworden.

In Lichtenberg hört sich die linke Spitzenkandidatin die Sorgen einer Mieterbeirätin an. Monika Pastille befürchtet, dass mit einem geplanten Hochhausneubau die Mieten im Kiez weiter steigen werden. Die Mieterbeirätin ist überzeugt, dass dem aktuellen Senat der Osten weniger wichtig ist als der Westen. „Wir wissen, dass die Menschen hier auch wichtige Anliegen haben und dass die Region Ost-Berlin nicht ausreichend berücksichtigt wird“, gibt Elif Eralp zu.

Ukraine-Krieg umstritten im Wahlkampf

Aber der Ton beim vermeintlichen Heimspiel in Ost-Berlin ändert sich, als die linke Spitzenkandidatin mit der Haltung ihrer Partei zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine konfrontiert wird. Eine Rentnerin fordert ein Ende der Waffenlieferungen an Kiew und Verhandlungen mit Russlands Präsident Wladimir Putin. „Dann muss Putin auch bereit sein, die Souveränität der Ukraine zu akzeptieren“, entgegnet ihr Elif Eralp. Die Ukraine könne schließlich keine Gebiete abtreten. „Ihr müsst ihm entgegenkommen“, hält die Rentnerin lautstark dagegen. „Die Ukraine geht uns einen Scheißdreck an. Wir wollen Frieden.“ Die linke Spitzenkandidatin beendet die Diskussion: „Da gibt`s verschiedene Perspektiven drauf.“

Einig sind sich die Linken über ihr Ziel für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September in Berlin. „Das Rote Rathaus muss endlich wirklich rot werden“, erklärt Elif Eralp.

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Dr. Heinrich Krämer
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