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Startseite»Nachrichten»„Man muss extrem präzise fahren“: Vom Kart in die DTM – in nur sechs Jahren
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„Man muss extrem präzise fahren“: Vom Kart in die DTM – in nur sechs Jahren

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 24, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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„Man muss extrem präzise fahren“

Vom Kart in die DTM – in nur sechs Jahren

23.07.2026 | 15:36 Uhr

Zwei Podestplätze, die Führung in der Rookie-Wertung und konstant starke Leistungen: Finn Wiebelhaus hat in seiner ersten DTM-Saison bereits ein deutliches Ausrufezeichen gesetzt. Vor dem Rennwochenende in Oschersleben (24. bis 26. Juli) spricht der 20-jährige Ford-Pilot über seinen ungewöhnlich schnellen Weg in die DTM, den Moment, in dem er sich endgültig angekommen fühlte, und seine Ziele für die zweite Saisonhälfte. 

Herr Wiebelhaus, mit Oschersleben startet die DTM in die zweite Saisonhälfte. Was macht die Strecke für Sie besonders? 

Finn Wiebelhaus: Oschersleben ist für mich eine echte Oldschool-Strecke. Es gibt kaum Diskussionen über Tracklimits, weil neben der Strecke direkt Gras oder Kies wartet. Man fährt ans Limit heran und merkt sofort, wenn man es überschritten hat. Die Strecke ist eng, technisch und hat einen schönen Rhythmus. Ob sie unserem Ford Mustang GT3 liegt, werden wir sehen. Trotzdem freue ich mich sehr auf das Wochenende, weil ich die Strecke wirklich gern mag. 

Nach der ersten Saisonhälfte führen Sie die Rookie-Wertung an und standen bereits zweimal auf dem Podium. Wie fällt Ihr persönliches Zwischenfazit aus? 

Ich hätte vor der Saison nicht erwartet, dass die erste Hälfte so gut läuft. Gerade die vielen Termine wie Presserunden oder Autogrammstunden haben mich an den Wochenenden anfangs noch Energie gekostet. Mittlerweile habe ich mich gut eingelebt. Als Schulnote würde ich mir eine Zwei geben. Man kann immer etwas besser machen, aber ich denke, dass ich bisher wenige Fehler gemacht habe. 

Gab es in den vergangenen Monaten einen Moment, in dem Sie gespürt haben: Jetzt bin ich wirklich in der DTM angekommen? 

Das Podium auf dem Lausitzring war für mich extrem wichtig. Zuvor war ich zweimal unverschuldet ausgefallen und konnte nicht wirklich zeigen, was ich kann. Irgendwann fragt man sich dann schon, warum es einfach nicht läuft. Am Sonntag auf dem Lausitzring hat aber alles zusammengepasst. Dieses Ergebnis hat mir viel Selbstvertrauen gegeben, gerade für das Wochenende danach auf dem Norisring. Dort muss man sehr nah an die Mauern heranfahren und braucht volles Vertrauen ins Auto. Nach dem Podium und den vielen Glückwünschen hatte ich das Gefühl, endgültig angekommen zu sein. 

Sie erleben die DTM erstmals als Stammfahrer. Was hat Sie an der Serie bislang am meisten überrascht oder beeindruckt? 

Vor allem die vielen Fans! Am Norisring war unglaublich viel los. Teilweise kam ich kaum durch das Fahrerlager, weil ich immer wieder für ein Foto oder ein Autogramm angehalten wurde. Selbst ein kurzer Weg kann dann ziemlich lange dauern. Wenn man dringend zu einem Termin muss, kann das natürlich etwas stressig werden. Trotzdem versuche ich, mir möglichst viel Zeit zu nehmen. Die Fans sind für unseren Sport enorm wichtig. 

Sie sind erst 2020 in den Motorsport eingestiegen und fahren heute bereits in der DTM. Wie erklären Sie sich diesen außergewöhnlich schnellen Aufstieg? 

Als Kind habe ich mit meinem Vater viel Formel 1 geschaut und war ein riesiger Sebastian-Vettel-Fan. Ansonsten hat Motorsport in meiner Familie aber keine große Rolle gespielt. Meine ersten virtuellen Runden bin ich mit dem Formel-1-Spiel von 2016 und einem Lenkrad für 40 Euro gefahren. 2020 sind wir dann zur Kartmesse nach Offenbach gefahren und haben dort spontan ein gebrauchtes Kart gekauft. Meine Mutter war davon anfangs nicht so begeistert. Danach kam alles ziemlich schnell ins Rollen und sechs Jahre später fahre ich in der DTM. Manchmal fühlt sich das noch etwas surreal an. 

Mit der „Road to DTM“ hat Sie der ADAC auf Ihrem Weg begleitet. Welche Bedeutung hatte dieses Nachwuchsprogramm für Ihre Karriere? 

Eine sehr wichtige, vor allem dank der ADAC Stiftung Sport. Mit der „Road to DTM“ hat der ADAC ein Nachwuchsprogramm geschaffen, das vom Kartsport bis in die DTM führt. Bei mir im Zimmer stehen die Pokale aus dem ADAC Kart Masters, dem ADAC GT Masters und von meinem ersten DTM-Podium. Daran kann man meinen Weg gut erkennen. Nach meinem Erfolg im ADAC Kart Masters habe ich die Chance bekommen, in den Formelsport einzusteigen. Später habe ich mich für den GT-Sport entschieden und konnte mich über das ADAC GT Masters mit dem Titel und als „Road to DTM“-Sieger für die DTM empfehlen. Ich bin stolz, den jungen Fahrern auf den Kartstrecken zeigen zu können, wohin der Weg führen kann. 

Wer hat Sie auf Ihrem Weg zum Rennfahrer besonders geprägt – und welche Vorbilder hatten Sie als Kind? 

Sebastian Vettel war während seiner Zeit bei Red Bull mein großes Idol. In der DTM habe ich vor allem René Rast verfolgt. Er hat damals viele Onboard-Aufnahmen auf YouTube hochgeladen und erklärt, was er im Auto macht. Das fand ich extrem interessant. Heute selbst gegen Fahrer wie Timo Glock anzutreten, ist natürlich besonders. Wir verstehen uns gut und er hat immer einen lustigen Spruch auf Lager. Als Timo in der Formel 1 unterwegs war, bin ich noch nicht einmal Kart gefahren.  

Mit welchen Erwartungen und Zielen gehen Sie in die zweite Saisonhälfte? 

Mein größtes Ziel ist, die Rookie-Wertung zu gewinnen. Ein oder zwei weitere Podestplätze wären natürlich auch schön. Die DTM ist aber ein hartes Pflaster. Es kann auch einmal zwei oder drei schwierige Wochenenden geben. Das gehört dazu. Vor allem freue ich mich auf den Nürburgring. Für mein Team HRT ist es das Heimspiel. Ich mag die Strecke und war dort in der Vergangenheit meistens schnell. Auf den Sachsenring bin ich ebenfalls gespannt, weil ich dort noch nie gefahren bin. 

Verwendete Quelle: ntv.de

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