Marktbericht
Die Berichtssaison in den USA ist in vollem Gange. Anleger schauen genau darauf, ob sich die hohen KI-Investitionen auszahlen. Doch nicht alle Tech-Giganten legen überzeugende Zahlen vor.
Milliarden geben die großen Tech-Konzerne für künstliche Intelligenz aus – doch nicht überall zahlen sich die Investitionen aus: Tesla hat erstmals seit mehr als zwei Jahren mit hohen Ausgaben für KI und Robotik Geld verbrannt. Das Unternehmen verzeichnete im zweiten Quartal einen negativen Cashflow, also einen Mittelabfluss, von 1,1 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn lag bei 33 Cent pro Aktie, wie der US-Konzern am Mittwoch nach US-Börsenschluss bekanntgab.
Der Hauptgrund: Konzernchef Elon Musk hatte den Fokus zuletzt verstärkt von der Autoproduktion auf KI-Projekte wie selbstfahrende Taxis und humanoide Roboter verlagert, doch die Entwicklung von Technologien für autonomes Fahren verläuft langsamer als von Experten erwartet. Zudem verfehlte Musk mehrfach selbstgesteckte Ziele. Trotzdem sollen die Investitionen in diesem Bereich in diesem Jahr auf 25 Milliarden Dollar steigen. Unter Anlegern werden zunehmend Fragen laut, wann sich diese massiven Ausgaben auszahlen werden.
Auch bei anderen Konzernen, die eigentlich Profiteure des KI-Booms sein sollten, läuft nicht alles rund: Das IT-Unternehmen IBM hat nach dem enttäuschend verlaufenen Quartal die Umsatzprognose für das laufende Jahr leicht gesenkt. Firmenchef Arvind Krishna kündigte am Mittwoch nach US-Börsenschluss an, die Kosten noch stärker drücken zu wollen.
Deutlich besser ist die Stimmung bei Alphabet: Die milliardenschweren Investitionen in neue Rechenzentren zahlen sich für Alphabet aus. Die Umsätze von Google Cloud stiegen den Angaben zufolge um 82 Prozent auf 24,8 Milliarden Dollar. Der Konzernumsatz von Alphabet stieg im Berichtszeitraum währungsbereinigt um 23 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar. Gleichzeitig vervierfachte sich der Gewinn je Aktie auf 9,11 Dollar. Diese Kennziffern übertrafen die Markterwartungen ebenfalls.
Ein überraschend starkes Quartalsergebnis legte auch Texas Instruments vor: Der Umsatz sei um 23 Prozent auf 5,46 Milliarden Dollar gestiegen, teilte Haviv Ilan, der Chef des Halbleiterherstellers, am Mittwoch mit. Der Gewinn je Aktie habe sich sogar um 52 Prozent auf 2,14 Dollar erhöht. Diese Ergebnisse übertrafen die Markterwartungen teilweise. Die TI-Aktie fiel dennoch im nachbörslichen Handel an der Wall Street um 2,5 Prozent.
„Die Anleger sind viel anspruchsvoller und wählerischer geworden, wo sie im KI-Bereich investieren“, sagte Kevin Gordon, Stratege bei Charles Schwab. Auch Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets betont: „Nach der KI-Euphorie der vergangenen Monate zählt jetzt nicht mehr die Fantasie, sondern die Realität“, sagte er. „Die Börse will steigende Umsätze, kräftige Gewinne und vor allem einen optimistischen Ausblick sehen. Wer liefert, wird belohnt. Wer enttäuscht, wird abgestraft.“
Vor den nachbörslichen Quartalsbilanzen haben sich die Anleger an den US-Börsen am Mittwoch zurückgehalten. Der von großen Tech-Konzernen dominierte Nasdaq 100 verlor 0,5 Prozent auf 28.998 Punkte. Der überwiegend mit Standardwerten bestückte Wall-Street-Index Dow Jones Industrial schloss nahezu unverändert bei 52.218 Zählern. Der marktbreite S&P 500 gab um 0,1 Prozent auf 7.498 Punkte nach.
Die Aussicht auf ein boomendes Chipgeschäft hat den asiatischen Börsen am Donnerstag Auftrieb gegeben. Für Fantasie sorgten hohe Investitionspläne von US-Technologiekonzernen wie Alphabet, die der Halbleiterbranche in der Region zugutekommen dürften. Der japanische Nikkei-Index legte um ein Prozent zu, der südkoreanische Kospi gewann sogar mehr als drei Prozent. „Wir werden einen eher vorsichtigen Handelstag erleben, da die guten Nachrichten von den Bilanzen mit dem eskalierenden Konflikt im Nahen Osten konkurrieren“, sagte Nick Twidale, Marktstratege bei ATFX Global.
Denn erneut dämpften Sorgen vor einer Eskalation im Nahen Osten die Stimmung: Der iranische Chefunterhändler Mohammed Bagher Kalibaf warnt vor den Folgen einer Zerstörung der iranischen Infrastruktur. Wenn die Sicherheit Teherans nicht gewährleistet sei, sei keine Infrastruktur sicher, erklärt er auf der Kurznachrichtenplattform X. Die Sicherheit der Straße von Hormus hänge vom Fernbleiben der US-Streitkräfte ab. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor angekündigt, jedes Mal eine iranische Brücke oder ein Kraftwerk zu zerstören, wenn Iran auf ein Schiff in der Straße von Hormus schieße.
Zudem kam es in der Nacht zu Angriffen auf Öltanker: Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen greifen nach eigenen Angaben zwei saudische Öltanker an. Die Schiffe mit den Namen ENCELA und LAYLIA hätten eine von der Gruppe verhängte Seeblockade verletzt, heißt es zur Begründung. Angesichts der Eskalation der Konflikte im Nahen Osten ist der Ölpreis am Donnerstag auf den höchsten Stand seit mehr als sechs Wochen gestiegen. Ein Fass der Nordseesorte Brent verteuerte sich um zwei Prozent auf 96 Dollar.
Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets betont, dass die kriegerischen Auseinandersetzungen in Nahost trotz weiter deutlich steigender Ölpreise an den Börsen derzeit „erstaunlich entspannt“ beobachtet würden. So hat sich der DAX am Mittwoch weiter nach oben gearbeitet. Zum Handelsschluss stand das Börsenbarometer 0,6 Prozent höher bei 25.155 Punkten. Heute zeichnet sich ein verhaltener Start ab.
Der Nutzfahrzeug-Hersteller Daimler Truck hat dank Fortschritten in den Vereinigten Staaten die Prognose erhöht. Demnach soll der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) im laufenden Jahr zwischen 3,6 und 4,1 Milliarden Euro liegen. Damit wurde die Spanne um jeweils 400 Millionen erhöht. Beim operativen Gewinn liegt das Mittel der neuen Zielspanne über der durchschnittlichen Prognose der Analysten.
Die Deutsche Börse hat im zweiten Quartal dank guter Geschäfte rund um Finanzmarkt-Produkte erneut kräftig zugelegt. Die Nettoerlöse ohne das zinsabhängige sogenannte Treasury-Ergebnis stiegen in den drei Monaten bis Ende Juni um neun Prozent auf 1,41 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um zehn Prozent auf 980 Millionen Euro nach oben. Nach dem starken zweiten Quartal hebt die Deutsche Börse außerdem ihren Ausblick für das Gesamtjahr an.
