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Politik

Marktbericht: Tech-Ausverkauf schickt Börsen auf Talfahrt

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 17, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Marktbericht

Stand: 17.07.2026 • 07:29 Uhr

Ein globaler Absturz bei Tech-Aktien belastet die Börsen rund um den Globus. Daran konnten auch die am Abend veröffentlichten Quartalszahlen des Streaming-Giganten Netflix nichts ändern.

Die Thriller-Serie „I Will Find You“ und der Animationsfilm „Swapped“ locken viele Millionen vor die Bildschirme – und verhelfen Netflix zu mehr Umsatz und Gewinn. Der Umsatz stieg im vergangenen Quartal im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 12,56 Milliarden Dollar. Unter dem Strich wuchs der Gewinn um 8,8 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar, wie der Konzern mitteilte.

Auch für das laufende Vierteljahr stellte Netflix ein Umsatzplus von knapp zwölf Prozent auf 12,86 Milliarden Dollar und einen Überschuss von 0,82 Dollar je Aktie in Aussicht. Zugleich will der Videostreaming-Marktführer künftig nur noch jährlich statt zwei Mal pro Jahr Angaben zur Popularität seiner Filme und Serien vorlegen. Bei Anlegern kam das nicht gut an: Die Aktie fiel in einer ersten Reaktion im nachbörslichen US-Handel um mehr als acht Prozent.

Die Netflix-Aktie hatte in den vergangenen Monaten bereits mehr als 40 Prozent verloren. Ein Auslöser waren Sorgen nach einigen Marktforscher-Daten, die den Eindruck erweckten, dass Zuschauerzahlen ab der zweiten Staffel auch populärer Netflix-Serien sinken. Das Unternehmen setzt deshalb zunehmend auf Werbeerlöse und Videospiele als weitere Einnahmequellen neben den Abo-Gebühren.

Der Gesamtmarkt in New York stand am Donnerstag ebenfalls unter Druck: So brockte ein Ausverkauf bei Chip-Aktien der Wall Street Verluste ein. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,2 Prozent tiefer auf 52.553 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab 0,5 Prozent auf 7.534 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,5 Prozent auf 25.882 Punkte.

Besonders Halbleiterwerte gerieten unter die Räder. Der Branchenindex brach um 4,3 Prozent ein. Selbst ein Gewinnsprung von 77 Prozent beim Branchenprimus TSMC konnte die Anleger nicht überzeugen. Die in den USA notierten Aktien des Unternehmens fielen um 2,3 Prozent.

Der weltweite Ausverkauf bei Chip-Werten hat am Morgen auch die asiatischen Aktienmärkte auf Talfahrt geschickt. Der japanische Leitindex Nikkei stürzte um 3,6 Prozent auf 64.443 Punkte ab, während der breiter gefasste Topix um 2,0 Prozent auf 3.950 Zähler nachgab.

„Der Markt scheint von den hohen Gewinnerwartungen für halbleiterbezogene Unternehmen hin- und hergerissen zu sein“, erklärten die Analysten der Sony Financial Group. Zu den größten Verlierern im Nikkei zählten Kioxia Holdings mit einem Minus von 16,1 Prozent sowie Taiyo Yuden und Screen Holdings, die 15,5 beziehungsweise 11,5 Prozent einbüßten.

Bereits am Abend hatten die fallenden Technologieaktien auch den DAX unter Druck gesetzt: Der deutsche Leitindex notierte zum Handelsschluss 0,3 Prozent tiefer bei 24.915 Punkten. „Am Aktienmarkt lassen sich zunehmend Ermüdungserscheinungen feststellen und zumindest die positive Dynamik des ersten Halbjahres geht erst einmal raus“, kommentierte Andreas Lipkow, Chefanalyst beim Broker CMC Markets.

„Die Frage der Fortsetzung des Halbleiterzyklus bleibt unbeantwortet und die Nervosität entsprechend hoch.“ Auch heute dürften die Sorgen am deutschen Aktienmarkt überwiegen: Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex zur Stunde mit minus 0,6 Prozent bei 24.770 Punkten.

Besonders wichtig für die weitere Entwicklung am Markt seien daher die in den kommenden Tagen anstehenden Quartalszahlen der Technologieunternehmen. Im Fokus steht die Frage, wann sich die Investitionen der Unternehmen in Künstliche Intelligenz (KI) auszahlen werden.

„Einfach nur die Erwartungen zu erfüllen, scheint zu wenig. Nur ein sehr positiver Soll-Ist-Abgleich zählt – aber auch nur, wenn die Anleger auch im Ausblick kein sprichwörtliches Haar in der Suppe finden“, sagte Jochen Stanzl, Chefanalyst der Consorsbank. Wer die Erwartungen verfehlt, werde hingegen besonders hart abgestraft. „Wir erleben eine Börse, in der Anleger bereits das Optimum eingepreist haben – Raum für Fehlschläge besteht dabei kaum.“

Und auch die Lage im Nahen Osten beschäftigt die Anleger weiterhin: Die eskalierenden Spannungen trieben die Ölpreise zuletzt auf den höchsten Wochengewinn seit drei Monaten. Auslöser waren neue Angriffe der USA auf iranische Ziele, die Befürchtungen über mögliche Zerstörungen der Ölinfrastruktur weckten.

Am Rohstoffmarkt verteuerte sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 0,8 Prozent auf 84,86 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notierte 0,9 Prozent fester bei 79,65 Dollar. Auf Wochensicht steuern beide Sorten damit auf ein Plus von mehr als elf Prozent zu.

Der Hersteller von Wechselrichtern SMA Solar wird nach einem erfolgreichen Quartal noch zuversichtlicher für das laufende Jahr. 2026 dürfte der Umsatz bei 1,625 bis 1,725 Milliarden Euro liegen, teilte das Unternehmen am späten Donnerstagabend mit. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll nun bei 180 bis 230 Millionen Euro liegen, nach oberes Drittel von 50 bis 180 Millionen Euro zuvor. Die neuen Prognosen liegen über den bisherigen Erwartungen von Experten.

Der US-Zahlungsabwickler PayPal hält das 53 Milliarden Dollar schwere Übernahmeangebot des Konkurrenten Stripe und des Finanzinvestors Advent Insidern zufolge für zu niedrig. Der Verwaltungsrat sei der Ansicht, dass die Offerte von 60,50 Dollar je Aktie den Wert des Unternehmens unterschätze und zudem auf regulatorische sowie finanzielle Hürden stoßen könnte, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag (Ortszeit).

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