Marokkos Regierung hat sich erstmals zu den Ereignissen in Ceuta geäußert. Sie macht Falschinformationen für die plötzliche Migration Zehntausender Menschen verantwortlich. Die Zahl der Todesopfer weicht von der spanischen Darstellung ab.
Die marokkanische Regierung macht Falschinformationen in sozialen Medien dafür verantwortlich, dass in den vergangenen Tagen Zehntausende Menschen versuchten, aus Marokko in die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta zu gelangen. Zudem sei die Entscheidung eines spanischen Gerichts, das die sofortige Rückführung von auf See abgefangenen Migranten verbiete, falsch interpretiert worden, teilte das marokkanische Innenministerium mit. Es war die erste offizielle Stellungnahme des nordafrikanischen Landes.
Ähnliche Gründe hatte zuvor auch die spanische Regierung angegeben. In der marokkanischen Erklärung wurde bekräftigt, dass das Land sich der Bekämpfung der illegalen Migration verpflichtet fühle. Gleichzeitig wurde eine Lastenteilung bei der Steuerung der Migration gefordert.
Marokko spricht von elf Toten
Die marokkanischen Behörden bezifferten die Zahl der Ceuta-Migranten auf etwa 40.000. Spanien hatte von mehr als 50.000 gesprochen. Noch deutlicher unterscheiden sich die Angaben zu den Toten. Marokko nennt in der Erklärung elf gestorbene Migranten. Die meisten von ihnen seien ertrunken. Berichte über Todesfälle von der anderen Seite der Grenze würden derzeit auf ihre Richtigkeit überprüft.
Die spanische Polizei spricht hingegen von mehr als 70 Toten. Einige Migranten ertranken demnach, andere wurden erdrückt, als sie versuchten, eine Wellenbrecheranlage und den Grenzzaun zu überklettern. Mehr als 1000 Menschen wurden nach Behördenangaben in Ceuta medizinisch versorgt. Nahezu alle Menschen, die am Donnerstag nach Ceuta gelangten, sind nach spanischen Angaben inzwischen wieder in Marokko.
Die Exklaven Ceuta und Melilla
Das nordafrikanische Ceuta, auf einer Halbinsel an der Meerenge von Gibraltar gelegen, wurde 1415 von den Portugiesen erobert. Die Spanier übernahmen 1580 mit der Annexion Portugals die Herrschaft über die Stadt. Ceuta blieb spanisch, als Portugal 1640 die Unabhängigkeit zurückerlangte. Gleiches gilt für Melilla im Nordosten Marokkos. Seit 1956 ist Marokko von Frankreich und Spanien unabhängig, doch die Exklaven blieben spanisch.
Beide Küstenstädte haben seit 1995 ein Autonomiestatut und sind auch Militärstützpunkte. Ihr jeweils kleines Territorium wird vom Mittelmeer und von Marokko eingeschlossen. Ceuta misst rund 18,5 Quadratkilometer und hat etwa 84.000 Einwohner.
In der Nähe beider Gebiete warten oft Tausende Menschen – vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara – auf eine Gelegenheit, in das zur EU, aber nicht zum Schengenraum, gehörende Gebiet zu kommen.
Barriere im Wasser installiert
Im Wasser vor Ceuta treibt inzwischen eine rund 500 Meter lange aufblasbare Barriere. Die schwimmende Sperre, die je nach Wellengang etwa 30 bis 70 Zentimeter aus dem Wasser ragt und bis zu einem Meter in die Tiefe reicht, soll verhindern, dass Migranten schwimmend in die spanische Stadt gelangen.
Eine Barriere im Wasser soll verhindern, dass erneut Menschen Ceuta schwimmend erreichen können. Das Hindernis ragt einen Meter tief.
In der spanischen Exklave kehrt allmählich wieder Alltag ein. Geschäfte, Cafés und Restaurants öffneten wieder. Auf den Straßen waren viele Bewohner mit Einkaufstaschen unterwegs, an den Stränden spielten Familien mit Kindern, wie der staatliche TV-Sender RTVE berichtete. Es sollen sich noch einige hundert neu angekommene Migranten in Ceuta aufhalten. Die Lage sei aber entspannt, berichtete eine Reporterin.
Regionalpräsident Juan Jesús Vivas zeichnete ein anderes Bild. Er bestritt, dass die Normalität zurückgekehrt sei. Seinen Angaben nach sind „Tausende“ Migranten in Ceuta geblieben. Vivas gehört der konservativen Volkspartei PP von Oppositionsführer Alberto Nuñez Feijóo an. Die PP gibt der linken Regierung die alleinige Schuld an dem Ansturm gibt.
