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Startseite»Nachrichten»Mit 57 Jahren auf dem Laufsteg: DDR-Model Anja Kossiwakis feiert Comeback – nach GNTM-Aus
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Mit 57 Jahren auf dem Laufsteg: DDR-Model Anja Kossiwakis feiert Comeback – nach GNTM-Aus

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 7, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Mit 57 Jahren auf dem LaufstegDDR-Model Anja Kossiwakis feiert Comeback – nach GNTM-Aus

Anja Kossiwakis in der Innenstadt von Wiesbaden: Die 57-Jährige steht für einen Wandel in der Modebranche. (Foto: picture alliance/dpa)

Anja Kossiwakis modelt einst nebenbei. Nach dem Mauerfall kommt ihre Karriere zum Erliegen. Jahrzehnte später schafft sie überraschend doch den Sprung vom DDR-Model auf den Laufsteg der Pariser Fashion Week – einer Abfuhr von Heidi Klum sei Dank.

Ihr Auftritt bei „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) dauerte nur eine Folge. Doch während viele Kandidatinnen und Kandidaten nach ihrem Ausscheiden wieder aus dem Rampenlicht verschwinden, beginnt für Anja Kossiwakis nach der Castingshow die eigentliche Karriere. Als internationales „Best Ager Model“ steht die 57-Jährige heute für einen Wandel in einer Branche, die ältere Frauen lange Zeit kaum beachtete.

Früher, sagt die gebürtige Dessauerin und heutige Wahl-Wiesbadenerin, wären graue Haare in der Modewelt undenkbar gewesen. „Graue Haare machen alt und lange Haare in Grau, das geht ja gar nicht. Das war ein No-Go.“ Heute ist genau das ihr Markenzeichen – und damit erlebt Kossiwakis bereits ihre zweite Karriere als Model.

Ihre erste Begegnung mit der Modewelt liegt Jahrzehnte zurück – in der späten DDR. Damals arbeitet Kossiwakis bei der Sparkasse in Dessau. In einem Schaufenster entdeckt sie einen Aushang: „Der ‚Verlag für die Frau‘ sucht Fotomodelle“ steht darauf. Sie bewirbt sich, wird in die Kartei aufgenommen und wartet.

Model-Anja-Kossiwakis-portraetiert-in-der-Innenstadt-von-Wiesbaden
„Ich hab‘ gesagt, ach, ich mach‘ das jetzt einfach“, sagt Anja Kossiwakis über ihre Rückkehr in die Modebranche. (Foto: picture alliance/dpa)

Es dauert zwei Jahre, bis sie ihren ersten Modeljob bekommt. Der Fotograf stellt sie ungeschminkt vor die Kamera. „Die haben gesagt: Anja, du bist die natürliche Schönheit. Du brauchst kein Make up“, sagt Kossiwakis. Sie schafft es auf mehrere Cover vom Magazin „Modische Maschen“. Doch Modeln bleibt ein Hobby zwischen Alltag und Bürojob.

Am 9. November 1989 fällt die Mauer. Einen Tag später reist Anja Richtung Westen. „Am 10. habe ich mich in den Zug gesetzt, am 11. November war ich in Wiesbaden.“ Dort findet sie wieder Arbeit bei der Sparkasse. Das Modeln rückt in weite Ferne. Eigentlich habe sie, wie früher in der DDR, nebenbei modeln wollen. Doch das funktionierte im Westen nicht so einfach. „Irgendwann war ich dann zu alt dafür“, sagt sie rückblickend.

Über viele Jahre bleibt das Modeln nur eine Randnotiz. Kossiwakis arbeitet, bekommt Kinder und beschäftigt sich später als Fashionbloggerin wieder intensiver mit Mode. Sie schreibt, fotografiert und besucht die Fashion Week in Paris. Dort knüpft sie Kontakte zu Designern, Fotografen und Models.

Kossiwakis‘ Sprungbrett in die aktive Modelkarriere ist die Castingshow „Germany’s Next Topmodel“. „Ich fand einfach cool, dass plötzlich Diversität angesagt ist“, sagt sie. Die Begeisterung ihrer Kinder hielt sich zunächst in Grenzen. Sie entschied sich trotzdem für das Abenteuer Fernsehen. „Ich hab‘ gesagt, ach, ich mach‘ das jetzt einfach.“

Ihr Auftritt in der Show bleibt kurz, sorgt aber für Aufmerksamkeit. Besonders eine Szene geht viral: Anja fragt Heidi Klum, ob sie sich an sie von einer früheren Fashion Week erinnert, und überreicht ein persönliches Fotobuch. Klum reagiert zurückhaltend. In sozialen Medien wird der Moment diskutiert. Doch genau das wird zum Wendepunkt. Kurz nach der Ausstrahlung berichten Medien über das „DDR-Model“. Videos von ihr verbreiten sich rasant, erreichen Millionen Aufrufe.

Nach dem GNTM-Aus beginnt eine zweite Karriere. Es folgen Laufstegjobs, Kampagnen und internationale Agenturverträge. Anfang 2026 läuft Kossiwakis erstmals bei der Pariser Fashion Week. In der Sommersaison sind bereits weitere internationale Laufstegjobs geplant. Der frühe Rauswurf bei GNTM sei das Beste, was ihr hätte passieren können. „Also ich meine, Heidi, die schmeißt mich raus und ich bin danach in Paris auf dem Laufsteg und ich habe den Modelvertrag bei einer der größten Modelagenturen der Welt unterschrieben“, sagt sie. „Ein größeres Kompliment gibt’s ja gar nicht für mich.“

Heute arbeitet sie international, ist auf verschiedenen Märkten gebucht. Ihr Kalender füllt sich weit über Deutschland hinaus. Wiesbaden bleibt dennoch ihr Fixpunkt. „Paris liebe ich“, sagt sie. „Aber hier ist mein Zuhause.“

Viele Frauen schreiben Kossiwakis, erzählen von Unsicherheit, vom Gefühl, „zu alt“ für Neues zu sein. Kossiwakis versteht ihre späte Karriere deshalb auch als Signal. Es sei inspirierend, mit Mitte 50 noch einmal durchzustarten. „Man muss sich nicht verstecken und sagen, ich bin jetzt ein graues Mäuschen“, sie lacht und zeigt auf ihre grauen Haare. „Gut, meine Haare sind jetzt grau, aber man kann ja auch mit Mitte 50 schick sein und man muss nicht unsichtbar werden.“

Ältere Frauen gehörten einfach stärker in die Mode, sagt sie. „Ich habe nichts machen lassen, ich schminke mich eigentlich fast nie und bin eigentlich immer noch so die Natürliche aus der DDR.“ Genau das überzeuge die Menschen.

Quelle: ntv.de, Lea Winkler und Boris Roessler, dpa

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