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Startseite»Nachrichten»Notstand in Ungarn und Rumänien: Osteuropäische Atomkraftwerke versagen in der Hitze
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Notstand in Ungarn und Rumänien: Osteuropäische Atomkraftwerke versagen in der Hitze

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 2, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Notstand in Ungarn und RumänienOsteuropäische Atomkraftwerke versagen in der Hitze

Kein Wasser zum Kühlen: Das ungarische Atomkraftwerk Paks wird abgeschaltet. (Foto: REUTERS)

Atomkraftwerke liefern in der Regel rund um die Uhr zuverlässig Strom – auf die ungarischen und rumänischen Reaktoren trifft dies derzeit jedoch nicht mehr zu. Wegen anhaltender Trockenheit und Hitze müssen sie gedrosselt oder heruntergefahren werden. Neue Energiekrisen sind die Folge.

Ungarn muss sein einziges Atomkraftwerk Paks wegen niedriger Pegelstände der Donau erstmals seit einem halben Jahrhundert vollständig abschalten. Am Sonntag um 1.30 Uhr sei einer der letzten beiden Reaktoren des Atomkraftwerks gedrosselt worden, schreibt Ungarns Regierungschef Peter Magyar auf X. Die Stromerzeugung des Kraftwerks sei auf 240 Megawatt gesunken. Am Montag werde Paks das erste Mal seit 44 Jahren vollständig abgeschaltet. Der Betreiber der Anlage hatte diesen Schritt zuvor bereits als „unvermeidlich“ bezeichnet.

Das Atomkraftwerk ist auf Flusswasser aus der Donau für die Kühlung seiner vier Reaktoren angewiesen. Durch anhaltende Hitze und Trockenheit sind die Pegelstände vieler europäischer Flüsse in den vergangenen Wochen dramatisch gesunken. Der ungarische Wetterdienst Hungaromet sagt für die gesamte kommende Woche für Budapest erneut Temperaturen zwischen 34 und 42 Grad Celsius hervor.

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Das rumänische Atomkraftwerk Cernavoda sollte ursprünglich mit fünf Reaktoren ausgestattet werden. Nur Block 1 und 2 wurden fertiggestellt. (Foto: AP Photo/Andreea Alexandru)

In Ungarn führte dies bereits zu Einschränkungen bei Schifffahrt und Tourismus sowie zur Rationierung von Wasser in mehr als 100 Städten und Dörfern – jetzt muss das Land eine Energiekrise bewältigen: Paks deckt jedes Jahr etwa 45 Prozent des ungarischen Strombedarfs. Die wegbrechende Erzeugung des Atomkraftwerks muss nun durch Verbrauchseinsparungen oder zusätzliche Stromimporte gedeckt werden. Die Mehrkosten für Stromimporte könnten sich den Angaben zufolge auf 100 bis 200 Milliarden Forint belaufen. Dies entspricht 275 bis 550 Millionen Euro.

Die ungarische Regierung will große Stromverbraucher zu freiwilligen Einsparungen auffordern und bei Bedarf auch verbindliche Reduzierungen anordnen. „Die Haushalte werden als Letzte von den Beschränkungen betroffen sein“, sagt Magyar. Zudem soll der Güterverkehr auf der Schiene zu Spitzenzeiten eingestellt und die Beleuchtung öffentlicher Gebäude abgeschaltet werden.

Notstand in Rumänien

Ähnlich dramatisch ist die Lage östlich von Ungarn. Rumänien hat wegen eines massiven Rückgangs der Atomstromproduktion infolge niedriger Wasserstände der Donau für den gesamten August einen landesweiten Notstand ausgerufen. Ein Reaktor des einzigen Atomkraftwerks Cernavoda wurde bereits abgeschaltet. Um zu verhindern, dass auch der letzte Reaktor heruntergefahren werden muss, will die Regierung das Wasser aus dem direkt an das Atomkraftwerk angrenzenden Donau-Schwarzmeer-Kanals umleiten und die Kühlung von Block 2 sicherstellen.

Das staatliche Energieunternehmen Nuclearelectrica betreibt in Cernavoda zwei Reaktoren mit einer Leistung von jeweils 706 Megawatt. Sie decken normalerweise knapp ein Fünftel des rumänischen Strombedarfs. Der erste Meiler musste zu Wochenbeginn vom Netz genommen werden. Am Donnerstag wurde mitgeteilt, dass der zweite Block im Laufe des Tages folgen werde. Wenig später erklärte Nuclearelectrica, dass sich die Bedingungen überraschend gebessert hätten und der Betrieb vorerst aufrechterhalten werden könne.

In Rumänien war der Pegel der Donau zuletzt drastisch gesunken. An der rumänischen Grenze flossen der Wasserbehörde zufolge am Dienstag nur noch 1650 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Im Juli lag der Schnitt bei 4750 Kubikmetern. Bis zum 4. August wird ein weiterer Rückgang auf 1500 Kubikmeter erwartet. Damit nähert sich der Pegel dem historischen Tiefststand von 1400 Kubikmetern aus dem Jahr 1985.

Die rumänische Regierung führt deshalb Gespräche mit der Ukraine, Griechenland und Bulgarien, um in den abendlichen Spitzenzeiten zusätzlichen Strom zu importieren. Erschwerend kommt hinzu, dass der Wetterbericht auch für Bukarest für die kommenden zwei Wochen Temperaturen zwischen 30 und 40 Grad Celsius vorhergesagt werden. Daher treiben Klimaanlagen und Lüfter den täglichen Strombedarf spürbar in die Höhe: Der Spitzenverbrauch lag in dieser Woche bei 7,3 Gigawatt. Die heimische Stromproduktion sank derweil auf 4,3 Gigawatt.

In Frankreich wurde am Mittwochabend einer der zwei Reaktoren des Kraftwerks Golfech rund hundert Kilometer nördlich von Toulouse wegen der hohen Temperaturen abgeschaltet. Der Energiekonzern EDF hatte den Reaktor bereits zwischen dem 23. Juni und dem 3. Juli sowie vom 9. bis zum 27. Juli vom Netz genommen, um das Flusswasser der Garonne nicht zu sehr aufzuheizen.

Quelle: ntv.de, chr/rts

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