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Pagani für den „kleinen Mann“?: Ausfahrt mit dem Spyker C8 LM85 – verrücktes Alu-Biest macht Laune

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 7, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Pagani für den „kleinen Mann“?Ausfahrt mit dem Spyker C8 LM85 – verrücktes Alu-Biest macht Laune

07.06.2026, 14:38 Uhr Von Patrick Broich
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Einen Spyker C8 bekommt man in freier Wildbahn wohl eher selten zu Gesicht. Und wenn doch, dann wird es spektakulär. (Foto: Patrick Broich)

An exotischen Sportwagen mangelt es nicht. Am Spyker besticht diese Mischung aus Exzentrik und Tradition. Und für kurze Zeit erhielt das Unternehmen ja auch mal zweifelhafte Bekanntheit. ntv.de war mit einem ultrararen C8 LM85 unterwegs.

Wenn man das Thema Spyker aufgreift, weiß man gar nicht recht, wo man überhaupt anfangen soll. Hängengeblieben im kollektiven Autofan-Gedächtnis ist jedenfalls die spektakuläre Pleite im Kontext mit der Saab-Übernahme vonseiten des niederländischen Unternehmens im Jahr 2010. Offenbar doch eine Nummer zu groß für die Möglichkeiten des findigen Autoenthusiasten Victor Muller, denn die Eignerschaft währte nicht lange.

Einen begehrenswerten Alusportwagen auf die Straße zu bringen, das vermochte er jedoch schon, und zwar in ziemlich beeindruckender Weise. Und nach jahrelanger Ruhe um die Autos sowie das Unternehmen ploppte Anfang dieses Jahres die Meldung auf, dass Spyker ein neues Modell in Pebble Beach lancieren werde. Die Nachrichten sind keineswegs aus der Luft gegriffen, auch die Spyker-Website informiert über den bevorstehenden Launch. Und so ganz nebenbei: Schon die Existenz des Webauftritts darf als Lebenszeichen der Marke begriffen werden.

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Mit 4,18 Metern ist der Spyker C8 ein knackig-kurzes Fahrzeug. Für die Stadt eignet er sich dennoch wenig in Ermangelung an Übersichtlichkeit. Das LM85-Badge verdeutlicht: Dieses Exemplar ist unfassbar selten. (Foto: Patrick Broich)

Da trifft es sich doch gut, dass die Gallery Aaldering in diesen Zeiten zufällig eines der besonderen Spyker-Sammlermodelle C8 LM85 im Bestand führt. Was Nico und Nick Aaldering hier aufgebaut haben, ist nicht nur ein schnöder Handel für automobile Klassiker, sondern vielmehr eine Institution in dem kleinen Ort Brummen, der eigentlich ziemlich beschaulich ist. Hier trifft man am Wochenende bei schönem Wetter Biker, die mal auf einen Kaffee vorbeikommen, ebenso wie ganze Familien im Ausflugsmodus: Erst werden Traumautos bestaunt (und davon gibt es auf drei Etagen verdammt viele), dann Bitterballen genascht und danach überlegt, ob es nicht doch ein Alltagsklassiker werden könnte für um die 20.000 Euro herum. Und dazwischen steht eben der rare Spyker C8 LM85 für stattliche 497.000 Euro und noch viele andere unerschwingliche Angebote.

Spyker C8 ist der Pagani für „sozial schwache“ Sammler

Hier und heute ist der Spyker das Objekt meiner Begierde, weil es sich lohnt, einmal zu erzählen, dass auch verschrobene Autos richtig Laune machen können und nicht in irgendwelchen Hallen verstauben sollten. Außerdem könnte der C8 etwas für Enthusiasten sein, die von einem Pagani träumen, aber denen die Mittel schlicht fehlen.

Denn Parallelen sind nicht wegzudiskutieren: Man lasse ein Chassis entwickeln, nehme einen bereits aus der Großserie bekannten Motor und setze ein Kunstwerk alias Karosserie auf das Ganze. Beim Multimillionen-Pagani ist es eher die Kombination aus Carbon und Mercedes-V12, während Spyker mit Alu sowie Audi-V8 hantiert – Manufaktursportwagen für sozial schwache Menschen, so könnte man mit einem Augenzwinkern sagen.

Parallelen gibt es auch innen – kunstvoll verspielte Armaturen, verrückte Bediendetails, polierte Metalloberflächen und Sitze gerne mit rautenförmiger Steppung sind Verbindung genug. Es würde kaum verwundern, wenn Victor Muller Pagani-Fan wäre.

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Verspielter könnte ein Sportwagen nicht gestaltet sein, aber ein Hingucker ist der Spyker C8 in jedem Fall. (Foto: Patrick Broich)

Doch sei es drum, jetzt wird Spyker C8 gefahren. Es ist keineswegs einfach, umfangreiche Literatur über ein Auto zu finden, das so unfassbar exotisch ist. Bloß eine moderate dreistellige Anzahl soll gebaut worden sein. Um dem Ungetüm auf den Zahn zu fühlen, braucht es bloß noch einen Zugang zu einem Fahrzeug. Die Gallery Aaldering hat zwar keine Presseabteilung, aber einen coolen Chef, der ungewöhnlicherweise nicht eine Sekunde zögert, ntv.de zur Testfahrt einzuladen. Also geht es zügig hinter das Lenkrad des seltenen C8 Laviolette LM85, eine Straßenversion der C8-GT2-Rennsportvariante, über den das Fachmagazin „Auto Bild“ erzählt, es gebe davon bloß 24 Exemplare.

Ob das nun dokumentiert ist oder nicht – wer den C8 in Aktion erlebt und zufällig Autofan ist, kann nicht anders als Freude empfinden. So haben die Techniker den auf den ersten Blick unspektakulären Audi-V8 aus dem A8 mit 4,2 Litern Hubraum verbaut. Aber im richtigen Umfeld mit völlig anderer Abgasanlage wird aus dem sonor säuselnden Powerpaket ein klangstarker Sehnsuchtsmotor. Da schnellen die Daumen schon nach oben, als das orangefarbene Biest vorgefahren kommt.

Man sitzt ganz gut im C8

Doch kurz innehalten bitte, bevor man sich in den Sitz schraubt – was trotz der breiten Schweller gut funktioniert. Das passiert unweigerlich, denn man muss erst einmal den Weg finden, wie die Scherentüren überhaupt öffnen. Keine Spur von einem Griff. Aber dann entdeckt man einen kleinen Knopf im Bereich des Außenspiegels. Und zack, die Portale schwingen nach oben.

Anschließend hinein und kurz zurechtfinden, dann den ersten Gang einlegen mit einem metallenen Schalthebel, der an einer Stange befestigt ist, welche wiederum vertikal über die gesamte Mittelkonsole verläuft. Auch eine schöne künstlerische Alternative zur offenen Schaltkulisse.

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Geschmacklos oder stilvoll? Exzentrisch wirkt der C8-Innenraum definitiv. Und er bekundet einen Sinn für Handwerkskunst mit gebürstetem Alu, feinen Instrumenten sowie viel Leder mit interessanter Steppung. (Foto: Patrick Broich)

Doch auch wenn der Blick immer wieder auf die verspielten kleinen Instrumente wandert, er muss wirklich auf die Straße. Denn der ohne Fahrhilfen auskommende Spyker kann richtig böse werden mit seinen 405 Pferden auf gerade mal 1,3 Tonnen Leergewicht. Alu eben. Und die Sicht aus den seitlichen Guckluken ist eh nicht so prickelnd. Also Konzentration und Drehzahl. Um die kommt man nicht herum, denn der Sauger macht dann erst richtig Spaß, und ihn hochjubeln zu lassen, ist wie eine Sucht.

Wenngleich die Leistung im Zeitalter der eskalierenden Sportwagen-Elektrowelt moderat klingt – dieses Biest aus dem Jahr 2009 zieht dich trotzdem in seinen Bann: Wenn der bollernde Achtzylinder das Fliegengewicht anschiebt, muss man aufpassen, dass einen das Heck nicht überholt. Das ist Thrill pur. Also bloß schön gemach, jedoch ruhig den Druck genießen, mit dem die an sich kultivierte Maschine einen in die fein gesteppten Sportsessel drückt.

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Mechanik soll man im Spyker nicht nur fühlen, sondern auch sehen können. Darum gibt es eine sichtbare Stange komplett über die Mittelkonsole führend. So richtig knackig-präzise mutet der Schalthebel übrigens nicht an. (Foto: Patrick Broich)

Für wen könnte ein C8 überhaupt infrage kommen? Das Preisschild ist schon ziemlich heftig, aber es muss ja nicht unbedingt dieser rare LM85 sein. Ein günstiges Vergnügen dürfte das Kunstwerk Spyker C8 allerdings dennoch nicht werden, also satt sechsstellig immer.

Übrigens hat das Unternehmen Spyker schon etliche Brüche in seiner Geschichte erlebt, die bis in das Jahr 1880 zurückreicht, wie man auf der Firmen-Homepage lernen kann. Damals stellte der Hersteller Kutschen her, später auch Flugzeuge, was den Propeller im Logo erklärt.

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Bei einem richtigen Sportwagen muss man auch Öldruck und -Temperatur kennen. Dafür sind die Zusatzinstrumente. (Foto: Patrick Broich)

Inwieweit es weitergeht mit den exzentrischen Sportwagen, die so schön anachronistisch-ungefiltert fahren, wird man sehen. Auf der Monterey Car Week im kommenden August möchte Victor Muller jedenfalls das nächste Kapitel aufschlagen mit einem neuen Modell, das am Ende schwer nach einer Evolution des C8 riecht. Und zur Not wäre da ja auch noch der LM85 aus Brummen zu haben. Ein cooleres Stück in einer gut sortierten Autosammlung geht fast gar nicht.

Quelle: ntv.de

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