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Startseite»Nachrichten»Putins Öl-Reich fehlt der Sprit: Russland sucht Benzin im Ausland
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Putins Öl-Reich fehlt der Sprit: Russland sucht Benzin im Ausland

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 3, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Putins Öl-Reich fehlt der SpritRussland sucht Benzin im Ausland

03.07.2026, 17:25 Uhr Von Artur Weigandt
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Von Noworossijsk geht ein großer Teil des russischen Öls in die Welt, doch die Bewohner können nicht einmal Benzin tanken. (Foto: picture alliance / Zoonar)

In der Schwarzmeerstadt Noworossijsk können Privatleute kein Benzin mehr kaufen. In mehr als 20 russischen Regionen wird der Sprit rationiert. Nun soll ausgerechnet Kasachstan mit „humanitärer Hilfe“ einspringen.

In der südrussischen Hafenstadt Noworossijsk ist am Freitag der freie Verkauf von Benzin vollständig zum Erliegen gekommen. Die Stadtverwaltung bestätigte offiziell, dass an den Tankstellen der Schwarzmeer-Stadt derzeit kein Benzin verfügbar ist und eine Betankung nur noch über betriebliche Tankkarten möglich sei. Diesel gibt es lediglich in begrenzten Mengen an acht Zapfstellen. Auf der von der Stadt eingerichteten Online-Karte, die die Treibstoffverfügbarkeit in Echtzeit anzeigt, war am 3. Juli an keiner einzigen erfassten Tankstelle vorhandenes Benzin verzeichnet. Dabei ist die Symbolik kaum zu übersehen: Noworossijsk ist einer der wichtigsten Ölhäfen des Landes. Ausgerechnet hier bleibt der Tank der Bewohner leer. Die Probleme hatten bereits am 10. Juni begonnen; zuletzt standen Bewohner viele Stunden vor den wenigen Tankstellen an, die noch Benzin führten. Selbst während eines nächtlichen Drohnenangriffs auf die Stadt verließen Autofahrer ihre Warteschlangen nicht.

Noworossijsk ist damit kein Einzelfall, sondern Symptom einer landesweiten Krise. Russland, einer der größten Öl- und Kraftstoffproduzenten der Welt, kämpft mit massiven Engpässen bei den Benzinsorten Ai-92 und Ai-95. Hauptursache sind die ukrainische Drohnen- und Raketenangriffe auf Raffinerien, die zu Stillständen und ungeplanten Reparaturen geführt haben. Von den zehn größten Raffinerien des Landes gelten nur noch zwei als unbeschädigt. Die Produktion liegt rund 25 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Etwa 90.000 Tonnen Benzin werden täglich hergestellt, während der Bedarf in der sommerlichen Reise- und Erntesaison bei mindestens 110.000 Tonnen liegt.

Die Krise rückt auf Moskau vor

Die Auswirkungen auf den Alltag sind unübersehbar: Warteschlangen von bis zu 18 Stunden in Irkutsk, fünf bis sechs Stunden in Krasnodar, spürbare Engpässe selbst im Moskauer Umland. Vielerorts gilt eine Rationierung von 20 Litern pro Fahrzeug, teils nur für Ai-92, teils nach Kennzeichen; das Abfüllen in Kanister ist verboten. Die Rationierung reicht mittlerweile bis nach Sibirien: In der Region Omsk begrenzten die Behörden die Abgabe auf 40 Liter Benzin pro Auto.

Die Spritpreise kletterten auf den höchsten Stand seit 20 Jahren. Betroffen sind Taxidienste, Busverkehr, Müllabfuhr und die Landwirtschaft – mitten in der Erntezeit. In der Region Krasnodar blieben zeitweise zehn Prozent der Taxifahrer mangels Benzin zu Hause. Inzwischen wurden aus mehr als 20 Regionen Engpässe gemeldet, mittlerweile auch aus Moskau und St. Petersburg. Treibstoffknappheit war in Russland bislang vor allem ein Problem entlegener Regionen. Nun erreicht sie mehr und mehr das politische und wirtschaftliche Zentrum des Landes.

Auf der besetzten ukrainischen Halbinsel Krim hatte Republikchef Sergej Aksjonow bereits am 21. Juni die Treibstoffabgabe an Tankstellen vorübergehend gestoppt. Seither weichen Krim-Bewohner zum Tanken in die Nachbarregion Krasnodar aus, wo von einem regelrechten „Tanktourismus“ die Rede ist.

Wie flächendeckend die Versorgung stockt, dokumentieren inzwischen auch Bürger selbst: Auf der interaktiven Karte „Gde Benzin“ („Wo ist Benzin“) markieren Autofahrer in Echtzeit, an welchen Tankstellen es noch Treibstoff gibt – rot eingefärbte Stationen ohne Benzin prägen dort das Bild ganzer Regionen. Ein vergleichbarer Onlinedienst verzeichnete binnen drei Tagen 1,8 Millionen Besucher und über 100.000 Nutzermeldungen – ein Indikator dafür, wie viele Regionen betroffen sind. Zugleich mehren sich Berichte, wonach Chats, in denen Russen Informationen über verfügbares Benzin austauschten, im staatlichen Messenger „Max“ blockiert wurden.

Der Exporteur muss einkaufen

Der Kreml reagiert mit einer für einen Energieriesen bemerkenswerten Maßnahme: Importen. Sprecher Dmitri Peskow bestätigte Gespräche mit mehreren Ländern über Lieferungen zu akzeptablen Preisen. Geplant sind rund 400.000 Tonnen Benzin monatlich, unter anderem mindestens 60.000 Tonnen per Tanker aus Indien sowie Lieferungen aus Belarus und Kasachstan. Zur Absicherung des Binnenmarkts gelten Exportverbote für Benzin und Kerosin; zudem sind Subventionen für Importe und Raffinerien vorgesehen. Präsident Wladimir Putin ordnete Ende Juni „systemische Maßnahmen“ zur Stabilisierung des Marktes an. Die Regierung erlaubte zudem bis Jahresende die Produktion und den Verkauf von Benzin des veralteten Umweltstandards „Euro-3“ mit erhöhtem Schwefelgehalt – ein Schritt, der zeigt, wie ernst die Lage ist.

Besonderes Aufsehen erregt der Deal mit Kasachstan: Seit Ende Juni verhandelt Moskau über rund 50.000 Tonnen Benzin aus den Raffinerien Pawlodar und Kondensat, zu liefern im Juli und August. Mehrere Branchenquellen sprechen von einer Lieferung „als humanitäre Hilfe“ – eine Formulierung mit erheblicher Symbolkraft. Kasachstans Energieminister Erlan Akkenschenow erklärte allerdings, bislang liege keine offizielle Anfrage aus Moskau für humanitäre Lieferungen vor. Möglich seien Lieferungen aus der Kondensat-Raffinerie, die ohnehin russisches Gaskondensat verarbeitet – abhängig von der Versorgungslage auf dem kasachischen Binnenmarkt.

Sanktionsrisiken könnten Lieferungen und Zahlungen zusätzlich verkomplizieren. Denkbar ist auch ein Tauschgeschäft: Kasachstan steht wegen der Wartung der Atyrau-Raffinerie selbst vor einem Kerosin-Engpass und könnte Benzin gegen russisches Flugbenzin tauschen.

Die Krise lösen wird das kaum. Kasachstan ist ein vergleichsweise kleiner Kraftstoffproduzent, die vereinbarten Mengen decken nur einen Bruchteil des Defizits – und eine Bestätigung des Lieferstarts steht weiter aus. Für die Autofahrer in Noworossijsk und vielen anderen Regionen bleibt damit vorerst nur der Blick auf die Karte: rot, so weit das Auge reicht.

Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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