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Politik

Rabatt für Odysseus: Warum Griechenland Filmproduktionen anzieht

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 16, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 16.07.2026 • 04:53 Uhr

Christopher Nolans „Odyssee“ wurde zum Teil in Griechenland gedreht. Doch es sind nicht nur antike Stoffe, die Produktionen in das Land führen: Förderprogramme machen Griechenland zu einem gefragten Filmstandort.

Tilmann Kleinjung

Mit Christopher Nolans Verfilmung der „Odyssee“, die heute in die deutschen Kinos kommt, rückt Griechenland erneut als Drehort internationaler Filmproduktionen in den Fokus. Das liegt nahe, wenn man ein antikes griechisches Epos verfilmt.

Für Filmproduktionen ist Griechenland aber auch abseits solcher Stoffe ein wichtiger Standort: Für den Action-Thriller „Barracuda“ verwandelte sich Thessaloniki in Miami. Und die Apple-Serie „Teheran“ wurde in den Straßen von Athen gedreht.

Grund dafür ist die großzügige Förderung durch die griechische Regierung. Produktionsfirmen erhalten einen Teil ihrer Ausgaben in Griechenland zurückerstattet und profitieren von Steuervorteilen. Die Folge dieser Standortpolitik: Die griechische Filmindustrie boomt – auch dank Blockbustern wie der „Odyssee“.

„Eine wunderbare Zeit“

Frühjahr 2025 – Nebensaison in Pylos im Süden des Peleponnes. Die ersten Touristen reisen frühestens im April in die Region. Regisseur Christopher Nolan und seine Crew haben die Bucht ganz für sich. Mehrere Wochen haben sie hier gedreht – zum Beispiel die großen Flottenszenen des Blockbusters. „Wir hatten eine wunderbare Zeit hier“, sagt auch Hauptdarsteller Matt Damon.

Hollywood macht aus den Irrfahrten des Odysseus, aus mindestens zweieinhalbtausend Jahren altem Stoff, großes Kino. Auf 250 Millionen Euro werden die Produktionskosten insgesamt geschätzt. Ein kleiner Teil davon wurde in Griechenland, rund um Pylos, ausgegeben.

„Tatsächlich war es gar nicht so viel, etwa 25 Millionen Euro“, sagt Leonidas Christopoulos von der griechischen Filmagentur Ekkomed. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben: Ausländische Produktionen nach Griechenland locken. Und das insbesondere durch großzügige Förderung.

Matt Damon als Odysseus in einer Szene aus „Die Odyssee“ (Universal Pictures).

Griechenland erhofft sich Nebeneffekte

Griechenlands Steuerzahler beteiligten sich mit 6,5 Millionen Euro an der Produktion der Odyssee. Viel zu viel Geld, schimpft die rechtsextreme Partei Niki, denn Nolan unterwerfe griechische Geschichte und kulturelle Identität einer „woken Ideologie“.

Das bleibt eine Einzelmeinung in diesen Tagen. Besonders begeistert ist Panagiotis Karvelas, der Bürgermeister von Pylos, wo ein Teil des Epos verfilmt wurde: „Besondere Orte bei uns werden der ganzen Welt präsentiert“, schwärmt Karvelas. „Sie werden eine Neugierde bei all den Menschen wecken, die den Film sehen“.

Diese würden anschließend „in die Region kommen, sie besuchen und diese einzigartigen Orte, mit denen wir gesegnet sind, kennenlernen“, hofft Karvelas. Das ist der gewünschte Nebeneffekt der großzügigen griechischen Filmförderung.

Filmproduktion als Wirtschaftsmotor

Bis zu 40 Prozent der in Griechenland entstandenen Kosten erstattet der Staat bei Filmproduktionen im Land, egal ob Hollywood-Blockbuster oder deutsche Fernsehproduktion. Auch der ARD-Kreta-Krimi kam laut der Filmagentur Ekkomed in den Genuss der Förderung.

Zu den Kostenerstattungen addieren sich im Einzelfall auch Steuererleichterungen, was sich rechnerisch zu Einsparungen von bis zu 60 Prozent der Produktionskosten summieren kann. Laut Ekkomed-Chef Christopoulos profitiert davon vor allem die griechische Filmindustrie.

Eine Studie zeige, dass der Sektor für audio-visuelle Produktionen in den letzten zehn Jahren um 150 Prozent gewachsen sei, so Christopoulus. „Er wächst also sehr schnell. 150 Prozent, das ist viel. Dieser Bereich macht etwa 0,8 bis 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. „

Die staatliche Agentur bietet den Produzenten nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch Hilfe im Umgang mit der nicht immer ganz einfachen griechischen Bürokratie.

Wandelbare Landschaften

Location-Scouts helfen außerdem bei der Suche nach dem besten Spot. Griechenland hat viel zu bieten: hohe Berge, einsame Inseln, großartige Küsten und Städte, die mit etwas Nachhilfe aussehen wie etwa Teheran. Die gleichnamige Apple Serie wurde in Athen gedreht.

„Noch unglaublicher ist nur die Verwandlung von Thessaloniki“, sagt Leonidas Christopoulos. „Natürlich hat Griechenland viele Orte, die anderen Orten ähneln“, so der Ekkomed-Chef. „Aber als sie mir sagten, dass Thessaloniki wie Miami aussehen soll, hatte ich meine Zweifel.“

Für den US-Thriller „Enforcer“, auch bekannt als „Barracuda“, mit Antonio Banderas in der Hauptrolle, verwandelte sich Thessaloniki im Sommer 2021 in Miami. Für das typische Miami-Flair wurden extra Palmen in der Stadt aufgestellt.

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