Radikalisierung der Bevölkerung?Bericht: Deutschland lässt Rapper wegen Anti-Israel-Rufen nicht einreisen
„Death, Death to the IDF“ – mit diesem Sprechchor gegen das israelische Militär sorgt die Band Bob Vylan international für Schlagzeilen – und massive Kritik. Dem Frontmann wird nun die Einreise nach Deutschland verweigert – weil er eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen soll.
Die Bundespolizei hat dem Frontmann der britischen Punk-Rap-Band Bob Vylan offenbar wegen anti-israelischer Sprechchöre die Einreise verwehrt. Der Musiker sei im Juni am Berliner Flughafen BER von Polizeibeamten festgehalten und schließlich zurück nach Großbritannien abgeschoben worden, berichtet das Online-Magazin „The Intercept“.
Demnach begründete die Bundespolizei die Abschiebung mit dem Auftritt der Band beim berühmten Glastonbury-Festival in England im Sommer 2025, bei dem der Frontmann Sprechchöre mit den Worten „Tod, Tod, der IDF“ – also der israelischen Armee – anführte. Dem Bericht zufolge wurde das Einreiseverbot des Sängers später wieder aufgehoben, die deutschen Behörden sollen sich aber geweigert haben zu erklären, warum – oder wie die ursprüngliche Entscheidung zustande gekommen war.
Dem Online-Magazin liegt eine Polizeiakte vor, in der über den Künstler steht, er habe antisemitische Narrative und Hamas-Propaganda verbreitet, die „bestimmte Teile der [deutschen] Bevölkerung radikalisieren“ und als „ideologische Rechtfertigung“ für terroristische Gruppen oder Einzelpersonen dienen könnten. Außerdem stelle Pascal Robinson-Foster, wie der Frontmann mit bürgerlichem Namen heißt, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Deutschland dar.
Keine Anklage wegen Sprechchören
„Es ist offen gesagt absurd zu behaupten, ich sei eine Bedrohung für die nationale Sicherheit Deutschlands“, sagte Robinson-Foster dem Magazin. „Ebenso absurd ist die Behauptung, wir würden im Auftrag einer verbotenen Organisation Propaganda verbreiten.“ Der Auftritt der Band beim Glastonbury-Festival hatte im vergangenen Jahr international für viel Aufsehen gesorgt und wurde unter anderem vom damaligen britischen Regierungschef Keir Starmer massiv kritisiert.
Die Musiker stellten den kritisierten Slogan „Death to the IDF“, der von manchen als antisemitisch eingestuft wird, stets als legitime Kritik an der israelischen Kriegsführung im Gazastreifen dar. Eine UN-Untersuchungskommission wirft Israel einen Völkermord im Gazastreifen vor. Israel weist die Vorwürfe zurück.
Strafrechtliche Ermittlungen gegen die beiden Bandmitglieder wurden in England eingestellt. Allerdings wurden Robinson-Foster und seinem Bandkollegen Laurence George ihre US-Visa entzogen. Deutschland sei jedoch das erste Land, das einem Mitglied von Bob Vylan die Einreise verweigert und es abgeschoben habe, berichtet „The Intercept“.
Der deutsche Anwalt Alexander Gorski, der den Abgeschobenen vertritt, sagte dem Magazin, dass es aus rechtsstaatlicher Sicht höchst problematisch sei, dass „jemandem aufgrund einer politischen Äußerung, die keine Straftat darstellt, die Einreise verweigert werden kann“.
