Rätsel um fehlenden TrabantenHat die Venus ihren eigenen Mond verschluckt?
Der Erdmond entstand vor Milliarden Jahren, vermutlich durch eine gewaltige Kollision. Doch der Schwesterplanet Venus besitzt keinen Trabanten, was Astronomen seit Langem rätseln lässt. Eine neue Studie findet nun eine mögliche Erklärung dafür.
Die Venus ist der Erde in vielerlei Hinsicht ähnlich. Doch in einer nicht: Sie hat keinen Mond. Warum das so ist, beschäftigt Astronomen schon seit Langem. Eine neue Studie kommt zu einem nüchternen Schluss: Die Venus könnte einen Mond demnach nicht dauerhaft halten. Denn irgendwann würde dieser von der Venus verschluckt, heißt es in der im Fachmagazin „The Astrophysical Journal“ veröffentlichten Studie.
In der Vergangenheit hatten Forscher die Theorie aufgestellt, dass die Venus vielleicht einst einen Mond besaß, dieser aber von einem massereichen Objekt getroffen und zerstört wurde. Andere vermuten, dass die Venus nie in eine Kollision verwickelt war, durch die ein Mond hätte entstehen können. Forscher gehen nämlich davon aus, dass der Erdmond das Resultat einer gewaltigen Kollision der jungen Erde mit einem Planeten namens Theia vor 4,5 Milliarden Jahren ist.
Dass die Venus keinen Mond besitzt, könnte laut den Autoren an ihrer langsamen Rotation liegen. Die Erde rotiert relativ schnell und benötigt für eine Umdrehung etwa 24 Stunden. Das führt allerdings dazu, dass der Mond sich mit der Zeit immer weiter von der Erde entfernt. Die Venus hingegen dreht sich extrem langsam: Sie benötigt 243 Erdentage für eine vollständige Umdrehung. Dies würde zusammen mit der Schwerkraft des Planeten dazu führen, dass sich ein theoretischer Mond um die Venus spiralförmig nach innen bewegen – und schließlich mit ihr kollidieren würde, so die Studie.
„Ich war schockiert“
Das Forschungsteam hatte dies mit einem Computermodell ermittelt, das die Bewegung verschieden großer Monde um die Venus herum bei unterschiedlichen Rotationsperioden des Planeten simulierte. In den meisten Simulationen war das Ergebnis dasselbe: Der Mond stürzte am Ende auf die Venus. Und je massereicher er war, desto schneller kam es zum Absturz.
„Als ich diese Entdeckung machte, war ich schockiert“, sagte der Hauptautor der neuen Studie, Stephen Kane von der University of California, laut einer Mitteilung. „Ich dachte, die Vielzahl der Szenarien, die ich untersuchte, würde sicherlich zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Aber alles lief mehr oder weniger in die gleiche Richtung.“
Die Untersuchung trifft allerdings keine Aussage darüber, ob die Venus jemals einen Mond hatte. Sie zeigt nur, dass in diesem Fall der Mond sich nicht dauerhaft gehalten hätte. Wäre es in der Vergangenheit aber zu einem Absturz gekommen, hätte dies wohl massiven Einfluss auf Rotation, Geologie und Klima der Venus gehabt, so die Autoren. Allerdings dürfte es schwierig werden, heute noch physikalische Beweise für eine solche Kollision zu finden.
