Rathgeber Fine HotelsWenn Düsseldorf, dann dieses Hotel im Justizpalast
Im Herzen der Düsseldorfer Altstadt verbindet „The Wellem“ historische Eleganz mit modernem Luxus. Das denkmalgeschützte Gebäude beeindruckt mit Originalkunstwerken und erstklassigem Service. Doch wie viel Inszenierung verträgt ein Businesshotel?
Ein wirklich gutes Businesshotel erfüllt drei Anforderungen: Es funktioniert mit herzlichem Service reibungslos, liegt strategisch günstig und ist technisch auf der Höhe der Zeit. Für die meisten Geschäftsreisenden reicht das vollkommen aus. Umso spannender finde ich Häuser, die neben Funktionalität auch historische Substanz mitbringen und damit eine Atmosphäre mit spürbarer Geschichte erschaffen. Diese seltene Kombination vereint „The Wellem“ in der Düsseldorfer Altstadt – einst als Amts- und Landgericht erbaut und heute als Designhotel neu interpretiert. Der Name geht auf Kurfürst Jan Wellem (Johann Wilhelm II. von der Pfalz) zurück, eine der prägendsten Persönlichkeiten Düsseldorfs. „The Wellem“ versteht sich als moderne Hommage an die kulturelle Blütezeit, in der Jan Wellem wirkte. Inszeniert im historischen Rahmen eines denkmalgeschützten Gebäudes, verbindet es Vergangenheit und Gegenwart eindrucksvoll. Wie lassen sich kulturelles Erbe und Businessanspruch miteinander verbinden? Ich bin gespannt.
Historische Substanz modern interpretiert
Sonntagabend erreiche ich das Hotel in exzellenter Lage in der Düsseldorfer Altstadt. Es liegt nur 200 Meter vom Burgplatz und damit vom Rhein und nur wenige Gehminuten von der Königsallee entfernt. Der Portier begrüßt mich herzlich und fragt: „Herr Rath, schön, dass Sie da sind, darf ich Ihr Gepäck aufs Zimmer bringen?“ Er erklärt mir, dass alles für mich vorbereitet sei. Meine Ankunft verläuft angenehm und mühelos. Ich gehe durch eine wohnliche Halle mit frischen Blumen, Büchern und Live-Musik. Heute spielt jemand am Klavier. Die Einrichtung ist hochwertig und stilvoll – passend zur Premiummarke, unter der „The Wellem“ geführt wird. Das Hotel gehört (noch) zur Hyatt-Gruppe und damit zu einer der größten und renommiertesten Hotelketten der Welt. Zum Glück verliert sich diese Adresse jedoch nicht in uniformer Standardisierung, wie man es bei global agierenden Marken mitunter erlebt. Das liegt wohl auch an der faszinierenden Geschichte.
Der Gebäudekomplex, in dem sich das Hotel befindet, wurde 1913 als Düsseldorfer Amtsgericht errichtet. Vieles von der beeindruckenden Originalarchitektur ist erfreulicherweise erhalten geblieben. „The Wellem“ eröffnete nach einer umfangreichen Umgestaltung im November 2020. Die Lobby allein ist schon ein Hingucker für sich: Sie wurde aufwendig restauriert und wirkt mit ihren hohen Decken, Säulen und mehreren Treppenaufgängen majestätisch.
Komplettlösungen für jede Alltagssituation
In meinem Zimmer begrüßt mich eine aufmerksame Geste. Auf dem Tisch liegt eine handgeschriebene Karte, daneben steht eine Etagere mit Macarons, Früchten und Pralinen. Ein ausgesprochen gelungenes Willkommen. Ich staune über die umfangreiche Ausstattung meiner Suite: Es gibt eine vollständig eingerichtete Küche mit Töpfen, Herd, Mikrowelle und Nespresso-Maschine sowie Waschmaschine, Trockner, Bügeleisen mit Bügelbrett und ein Bluetooth-Lautsprechersystem. Ich fühle mich bestens gewappnet für alles, was eine Geschäftsreise üblicherweise verlangt – und fast schon luxuriös überversorgt.
Die Einrichtung ist durchdacht, fast wie in einem kleinen City-Apartment. Bemerkenswert ist, dass alle Zimmerkategorien, selbst die kleinste: das 33 Quadratmeter große Studio, dieselbe Ausstattung haben. In meiner „Terrace Art Suite“ steht mir jedoch rund dreimal so viel Raum zur Verfügung. Zusätzlich hat die Suite eine private Terrasse mit Gartenmöbeln und bietet einen direkten Blick auf den Andreas-Garten. An den Wänden hängen Originalkunstwerke, unter anderem von Julian Schnabel. Dank der großzügigen Ausstattung kann ich das Hotel besonders auch für längere Business-Trips empfehlen.
Ich bin rundum zufrieden: Das WLAN ist kostenlos und zuverlässig schnell, der Online-Check-in funktioniert reibungslos und erspart Wartezeit. Was sich mir nicht recht erschließt, ist allenfalls die Diskrepanz zwischen dem eher skandinavischen Design der Zimmer und der Opulenz der öffentlichen Bereiche.
Der schmale Grat zwischen Eleganz und Inszenierung
Die Möglichkeiten für Tagungen und Events sind vielseitig. Auf etwa 8500 Quadratmetern Veranstaltungsfläche bietet „The Wellem“ drei Tagungsräume, eine Galerie sowie fünf exklusive Eventlocations mit Catering- und Speiseangeboten. Die Liebe zum Detail zeigt sich in jedem Raum: von edlem Porzellan über glänzende Chromobjekte bis hin zu Skulpturen und Gemälden von Künstlern wie HA Schult, Jörg Immendorff, Jeff Koons oder Günther Uecker. Kaum eine Fläche bleibt ungenutzt, überall gibt es etwas zu entdecken.
Doch manchmal ist weniger mehr. Denn am nächsten Morgen auf dem Weg zum Frühstück frage ich mich, ob man es mit der Kunst nicht etwas übertrieben hat. Für meinen Geschmack ja – vor allem, wenn solche Dekoration eher platziert als kuratiert wirkt. Auch wenn das Interieur insgesamt sehr ästhetisch gestaltet ist, empfinde ich es stellenweise als überladen.
Im Frühstücksraum werde ich umgehend empfangen, doch die erste Frage gilt meiner Zimmernummer. Ich entgegne, dass es doch deutlich persönlicher (und ehrlich gesagt auch höflicher) wäre, einfach nach dem Namen zu fragen. Ein etwas ungewöhnlicher Start in den Tag. Doch zum Glück überzeugt, was danach folgt, denn das Frühstücksbuffet ist vielfältig. In einem eigenen Raum finde ich eine großzügige und hochwertig zusammengestellte Auswahl, darunter frisches Obst, Brot und weitere Köstlichkeiten. Besonders freue ich mich über den „Ronnefeldt“-Tee. Insgesamt ist das ein sehr solides Frühstück, vor allem für ein Businesshotel. Ich esse im Restaurant „Pitti“, das täglich geöffnet ist und abends modern interpretierte italienische Klassiker serviert. Der Wintergarten greift gestalterisch den berühmten Boboli-Garten der Medici-Familie in Florenz auf. Dazu muss man wissen, dass Anna Maria Luisa de Medici Jan Wellems Ehefrau war. Beide entwickelten als Förderer der Künste ihre Residenzstadt Düsseldorf zeitweise zu einer europäischen Kunstmetropole.
Als weitere Option steht mir am Abend das Restaurant „Mbassy by Franks“ zur Verfügung. Hier wird nach dem Konzept „Global Bistronomy“ gekocht. Die Atmosphäre gleicht einem eleganteren Bistro mit internationalen Einflüssen. Gehoben, aber nicht abgehoben. Montags und sonntags bleibt das „Mbassy by Franks“ zwar geschlossen, doch das „Pitti“ ist zum Glück eine verlässliche Alternative. Während meines Aufenthalts herrscht allerdings in keinem der beiden Restaurants besonders viel Betrieb. Mir gefällt die „The Wellem Bar“, in der ich kleines Finger-Food für den Hunger zwischendurch bestellen kann. Die Bar ist für mich das Highlight: Samtsessel, Livemusik und eine kleine Bücherecke schaffen eine elegante und angenehm ungezwungene Atmosphäre. Ideal für den Afterwork-Drink, allein oder im Team.
Ein kulinarisches Erlebnis in der Nähe
Trotz der guten Qualität der Restaurants im Hotel zieht es mich kulinarisch zu einer Adresse, die etwa zehn Autominuten entfernt liegt. Wenn Sie in Düsseldorf wohnen, einen besonderen Kunden beeindrucken möchten, etwas zu feiern haben oder sich einfach selbst etwas Außergewöhnliches gönnen wollen, sollten Sie unbedingt das neue Restaurant „La Vie“ von Thomas Bühner besuchen. Die Atmosphäre ist beeindruckend: großzügig, exklusiv, hohe Decken und edle Stoffe prägen den Raum. Doch all das rückt schnell in den Hintergrund, sobald das erste Gericht serviert wird. Denn das Erlebnis auf dem Teller ist die eigentliche Bühne. Thomas Bühner, der elf Jahre lang drei Michelin-Sterne führte, ist nach acht Jahren zurück nach Düsseldorf gekommen und hat bereits fünf Wochen nach der Eröffnung wieder einen Michelin-Stern erhalten. Hätte es kein Politikum gegeben, wäre der zweite oder sogar dritte ebenso gerechtfertigt gewesen. Denn bei der Sternevergabe spielen auch Faktoren mit hinein, die über die reine Küchenleistung hinausgehen, wie etwa die Konstanz der Leistung. Bemerkenswert ist jedenfalls das Preisniveau: Das große Menü kostet gerade einmal 240 Euro. Für diese Liga ist das beinahe ein Geschenk.
Zurück zu „The Wellem“. Das Haus im geschichtsträchtigen Gebäude ist eine attraktive Business-Alternative für alle, die im Preisniveau eines „Steigenbergers“ buchen, denn das ist der direkte Konkurrent. In dieser Kategorie ist das Hotel sehr gut positioniert. Es bietet ein eigenständiges Erlebnis, das sich von anderen Businesshotels abhebt – mit Geschichte, Charakter und einem hohen Anspruch an Wirkung. Was ich mir für „The Wellem“ wünschen würde, ist mehr Kontinuität auf Managementebene. In den vergangenen Jahren gab es mehrere Wechsel an der Spitze. Eine langfristige Führung könnte das Potenzial dieses besonderen Ortes noch stärker entfalten. Gerade ein historisch so bedeutsames Hotel in dieser Toplage und mit einem derart vielseitigen gastronomischen Konzept hätte das verdient.
Raths Reise-Ranking (aktuelle Wertung gefettet)
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Ganz großes Kino
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Wenn’s nur immer so wäre
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Meckern auf hohem Niveau
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So lala, nicht oh, là, là
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Besser als unter der Brücke
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Ausdrückliche Reisewarnung
| Name | The Wellem |
| Ort | Düsseldorf |
| Zimmerpreis pro Nacht (von – bis) | Ca. 240 Euro (Studio) bis ca. 1360 Euro (Wellem Suite mit zwei Schlafzimmern“) |
| Flughafen | Düsseldorf Airport (DUS) |
| Anreise | Zwei Kilometer vom Düsseldorfer Hauptbahnhof. Sieben Kilometer vom Flughafen (DUS) |
| Fitness & Wellness | Rund um die Uhr geöffnetes Fitnesscenter im Erdgeschoss |
| Konferenzbereich | Drei Tagungsräume, eine Galerie sowie fünf Eventlocations |
| Besondere Empfehlungen | Wer sich für Kunst interessiert, sollte den hauseigenen Kunst-Concierge in Anspruch nehmen. In Zusammenarbeit mit der internationalen Galerie „Geuer & Geuer“ ermöglicht das Hotel seinen Gästen ein individuell kuratiertes Kunsterlebnis. Auf Wunsch erhalten sie spannende Einblicke in Künstlerpersönlichkeiten und den internationalen Kunstmarkt, können sich zu Ankäufen beraten lassen oder sogar private Ausstellungen arrangieren. |
