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Politik

Reederei-Verband: „Wir sind Krisen und Kriege gewohnt“

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 15, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Interview

Stand: 15.09.2026 • 19:05 Uhr

Siebenstellige Mehrkosten verursacht die Umrundung Afrikas. Am Ende bezahlen das die Kunden. Doch die Preiserhöhungen liegen im Cent-Bereich, sagt Reederei-Experte Kröger. Er blickt gelassen auf die Lage: Schiffe fänden fast immer einen Weg.

tagesschau.de: Wie überraschend war für die Reeder die Blockade von Bab al-Mandab?

Martin Kröger: Leider nicht wirklich überraschend. Wir leiden schon seit etwa drei Jahren an einer angespannten Sicherheitssituation rund um das Rote Meer. Es mag sogar etwas länger sein. In diesem Zeitraum hatten die Huthi damit begonnen, auf Handelsschiffe zu schießen. Und das sehr explizit und mit erheblichen Schäden. Das führte damals schon bei vielen Reedereien dazu, die Durchfahrt der Passage zu vermeiden.

Dr. Martin Kröger

Zur Person

Martin Kröger leitet als Hauptgeschäftsführer den Verband Deutscher Reeder (VDR), der als Arbeitgeberverband die Rechts- und Wirtschaftsinteressen deutscher Reedereien vertritt. Kröger hat Rechtswissenschaften an der Universität Hamburg studiert.

tagesschau.de: Wie gehen die Reeder mit der neuen Situation um?

Kröger: Die Lieferkette hat sich darauf eingestellt und wird nun wieder angepasst. Seit geraumer Zeit wird die Route durch den Suez-Kanal von vielen Reedereien nicht mehr genutzt. Stattdessen fährt man um den afrikanischen Kontinent herum. Das dauert je nach Schnelligkeit des Schiffes zehn bis vierzehn Tage länger. Es kommt also zu einer Verlängerung in der Lieferkette, die zu zeitlichen Verzögerungen und zu höheren Kosten führt.

tagesschau.de: Wie hoch sind diese Kosten?

Kröger: Sie liegen im mittleren bis hohen sechsstelligen Bereich für eine Fahrt. Sie müssen aber hin und zurück fahren. Für Hin- und Rückfahrt kostet die Umrundung des afrikanischen Kontinents damit eine siebenstellige Summe. Die setzt sich zusammen aus höheren Versicherungskosten, höheren Treibstoffkosten. Alles, was an Betriebsmitteln benötigt wird, erhöht sich entsprechend.

tagesschau.de: Welche Folgen hat das für die deutschen Reeder und die weltweite Schifffahrt?

Kröger: In der Schifffahrt sind wir Krisen und Kriege gewohnt. Wir fahren ständig durch Gebiete, wo die Lage angespannt ist. Wir machen das schon seit Jahrhunderten. Wir sind resilient, weil wir fast immer einen Weg finden können um das Krisengebiet herum. Weil wir in der Lage sind, mit großen Schiffen zu operieren und im Zweifel umzurouten. Dadurch können wir Verzögerungen und Verlängerungen der Routen ausgleichen.

tagesschau.de: Wie sehr belastet das die Reedereien?

Kröger: Die Mehrkosten sind erheblich bei den Reedereien. Aber sie bleiben nicht dort hängen. Sie werden in der Regel weitergegeben an den, der das Schiff bestellt, und dann am Ende an deren Kunden – also den Verbraucher oder die Unternehmen. Dort aber durchaus auf einem niedrigeren Niveau. Die Masse der Transportkapazität gleicht zugleich den Preisanstieg aus. Am Ende bleiben Preiserhöhungen im Cent-Bereich. Bei kurzfristigen Problemen fällt das erstmal nicht auf. Man merkt es erst deutlicher, wenn eine Strecke gar nicht mehr bedient werden kann.

tagesschau.de: Rüsten die Reeder jetzt auf, um sich vor den Gefahren zu schützen?

Kröger: Es gilt der Grundsatz: Handelsschiffe sind zivile Schiffe. Das heißt, wir sind unbewaffnet. Die einzige Ausnahme ist bisher die Bedrohung durch Piraten. Denn es hat sich herausgestellt, dass neben dem Schutz durch Marineschiffe auch private Sicherheitsleute an Bord helfen. Es reicht meist schon, wenn diese an der Reling sichtbar sind. Das funktioniert. Gegen Drohnen, Raketen und Unterseegeschosse können sie sich als ziviles Handelsschiff nicht schützen. Sie können auch keine Raketenabschuss-Einrichtungen an Bord haben. Dann kann man durch betroffene Gewässer nicht mehr durchfahren.

tagesschau.de: Überall auf der Welt nehmen die Spannungen zu. Wie ist Ihre Prognose – zum Beispiel, wenn man nach Taiwan blickt?

Kröger: Man kann am Ende nur hoffen, dass allen Ländern, die mit dem Spannungsverhältnis rund um die „Straße von Taiwan“ zu tun haben, ausreichend bewusst ist, dass sie auf eine freie und sichere Seeschifffahrt angewiesen sind. Das sollte bei allen dazu führen, den Seehandel nicht zu stören. Der Seehandel kann so gesehen auch ein ausgleichendes Element in der internationalen Geopolitik sein.

Das Gespräch führte Marcus Pfeiffer, tagesschau.de

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Dr. Heinrich Krämer
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