Reform „ändert die Regeln“Charité-Chef: Sparpaket sorgt für „massiv mehr Bürokratie“
Mit dem Sparpaket will die Bundesregierung die Krankenkassen entlasten. Doch die Kosten verschieben sich anscheinend nur. Die Charité verliert nach eigenen Angaben 80 Millionen Euro an Einnahmen – und bekommt eine Menge Bürokratie dazu.
Der Chef der Charité wirft der Bundesregierung vor, die Verwaltungskosten in den Krankenhäusern zu erhöhen. „Das Sparpaket ändert die Regeln, nach denen unsere Leistungen bezahlt werden“, sagte Heyo Kroemer der „Süddeutschen Zeitung“. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen prüfe künftig noch wesentlich intensiver, ob die erbrachten Leistungen exakt den Vorschriften entsprächen, so Kroemer. „Das erzeugt massiv mehr Bürokratie, weil wir in noch mehr Fällen nachweisen müssen, dass wir uns an alle Regularien halten.“
Mit dem Sparpaket im Gesundheitssystem möchte die Bundesregierung die Krankenkassenbeiträge stabil halten. Die Kürzungen treffen auch die Krankenhäuser. Der Charité, Deutschlands größter Universitätsklinik, könnten im kommenden Jahr 80 Millionen Euro an Einnahmen wegbrechen. „Das ist bisher eine Prognose, wir wissen es noch nicht genau“, sagte Kroemer. Er setzt auf künstliche Intelligenz und neue IT-Systeme, um Kosten zu sparen und effizienter zu werden.
Wenn die Charité als Folge des Sparpakets Ausgaben kürzen müsste, könnte sie befristete Verträge von Ärzten auslaufen lassen. „Das träfe die Kollegen und unsere Leistungsfähigkeit“, sagte Kroemer. „Das wollen wir auf keinen Fall, wir brauchen die jungen Ärztinnen und Ärzte.“ Das Sparpaket sei „unbedingt notwendig“, so Kroemer. Allerdings folge es nicht einer strukturellen Überlegung, sondern spare in allen Krankenhäusern gleich – „unabhängig davon, wie wichtig sie für die Versorgung sind“.
Das schon beschlossene Sparpaket der Koalitionsfraktionen Union und SPD soll die Kassen von stark steigenden Ausgaben entlasten, um weitere Beitragserhöhungen zu verhindern. Schwarz-Rot plant aber noch einige Ergänzungen. Umgesetzt werden sollen unter anderem Zusagen an die Länder für eine Billigung des Spargesetzes im Sommer im Bundesrat. Die damalige Gesundheitsministerin Nina Warken hatte den Ländern dafür 550 Millionen Euro zusätzlich für die Kliniken in Aussicht gestellt. Die Koalition plant nun außerdem Regelungen zum Absichern der psychotherapeutischen Versorgung, die es nicht mehr ins Paket schafften.
