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Startseite»Betrugsmaschen»Regierungsbank in Österreich: Foto mit KI gefälscht
Betrugsmaschen

Regierungsbank in Österreich: Foto mit KI gefälscht

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 17, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Auf Facebook wird gerade ein Bild geteilt. Es soll die Regierungsbank im österreichischen Parlament zeigen. Hinter der Bank sitzt eine zweite Reihe, zusammen sind es 30 Menschen. Darauf steht: „Die Regierungsbank platzt aus allen Nähten.“ Und: „Die teuerste und unfähigste Regierung aller Zeiten vereint auf einem Bild.“ Ein Beitrag mit diesem Bild vom 2. September 2026 wurde innerhalb von zwei Tagen 227-mal geteilt.

Das Bild ist gefälscht. Es beruht auf einem echten Foto vom 8. Juli 2026. Die zweite Reihe und die zusätzlichen Menschen wurden mit künstlicher Intelligenz (KI) dazugebaut. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat das Bild genau geprüft. Unser Artikel stützt sich zum großen Teil auf ihre Ergebnisse.

Gefälschtes Bild mit zwei voll besetzten Regierungsbänken im österreichischen Parlament und dem Text „Die Regierungsbank platzt aus allen Nähten“.
Das gefälschte Bild, wie es auf Facebook geteilt wird. Name und Profilbild haben wir unkenntlich gemacht. Screenshot: Mimikama

Im echten Foto sitzen zehn Menschen

Mit einer Bilder-Rückwärtssuche findet man das Original. Die FPÖ Burgenland hat es am 8. Juli 2026 auf Facebook gepostet. Man sieht denselben Saal, denselben Adler und dieselben Flaggen. Aber auf der Regierungsbank sitzen nur zehn Menschen, in einer einzigen Reihe. Das echte Foto ist also vom 8. Juli, der gesicherte Beitrag mit der Fälschung vom 2. September – fast zwei Monate später. Ob das gefälschte Bild schon früher im Umlauf war, wissen wir nicht. Wer das Foto verändert hat, konnten wir nicht herausfinden.

Wisch selbst: gefälscht oder echt?

Zieh den Regler nach links und rechts. So siehst du, was die KI dazugebaut hat.

Links das gefälschte Bild, rechts das echte Foto aus dem österreichischen Parlament vom 8. Juli 2026 (gepostet von der FPÖ Burgenland). Wir haben beide Bilder nur passend übereinandergelegt, nicht verändert. Im echten Foto gibt es keine zweite Reihe.

Eine Regierungsbank, zwei Versionen

Das gefälschte Bild und das echte Foto aus dem österreichischen Parlament (Nationalrat) vom 8. Juli 2026.

Das gefälschte Bild

30

Menschen auf zwei Bänken

  • Eine zweite Reihe hinter der Regierungsbank
  • Mit KI dazugebaut

Das echte Foto

10

Menschen auf einer Bank

  • Bundeskanzler, sechs Ministerinnen und Minister, drei Staatssekretärinnen und Staatssekretäre
  • Die anderen der 21 Regierungsmitglieder sitzen auf der anderen Seite des Rednerpults. Die sieht man auf dem Foto nicht.

Das echte Foto zeigt nur eine Seite. Wie groß die Regierung ist, kann man daraus nicht ablesen.

Diese Plätze gibt es nicht

Das Parlament stellt Fotos von der Sitzung am 8. Juli 2026 online. Die echten Menschen tragen dort dieselbe Kleidung wie im gefälschten Bild. Das Ausgangsfoto stammt also sehr wahrscheinlich aus dieser Sitzung. Die dpa hat beim Parlament nachgefragt. Eine Sprecherin antwortete: „Diese Sitzplätze sind im Saal nicht vorhanden.“ Man kenne weder die Menschen auf dem Bild noch einen Anlass, bei dem so ein Foto entstanden sein könnte.

Übrigens: Als die Regierung 2025 mit 21 Mitgliedern angelobt wurde, musste die Regierungsbank nicht umgebaut werden. Das hat das Parlament damals dem Magazin profil gesagt. Statt einer zweiten Reihe gab es schmalere Sessel.

Ein unsichtbares Zeichen im Bild

Es gibt noch einen Hinweis. Die Firma OpenAI hat ein Prüfwerkzeug, das versteckte Markierungen in Bildern findet. Laut dpa findet dieses Werkzeug im gefälschten Bild ein unsichtbares Wasserzeichen. Das spricht dafür, dass das Bild mit einem KI-Programm von OpenAI gemacht oder verändert wurde.

Umgekehrt gilt das aber nicht. Nicht jedes KI-Programm setzt so ein Zeichen. Fehlt es, ist ein Bild deshalb nicht automatisch echt.

Wer genau hinschaut, sieht Fehler

Auf den ersten Blick wirkt das Bild echt. Licht und Blickwinkel passen. Beim schnellen Scrollen fällt eine Reihe Anzüge mehr kaum auf. Wer länger hinschaut, entdeckt aber einiges.

Woran man die Fälschung erkennt

Fehler im Bild

  • Ein Mikrofon scheint durch den Kopf einer Person in der hinteren Reihe zu gehen.
  • Bei dieser Person passen Körper und Kopf nicht zusammen.
  • Den dazugebauten Menschen wachsen Mikrofone aus dem Hinterkopf.
  • Die Hand der Gebärdensprach-Dolmetscherin erinnert an einen Kochlöffel.

Unterschiede zum echten Foto

  • Die Tür hinter der Sitzungsleitung fehlt.
  • Das Wappen auf der Österreich-Flagge ist verzerrt.
  • Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) ist nicht mehr zu erkennen.
  • Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) hat keine Falten mehr im Gesicht.
  • Die Dolmetscherin sieht jünger aus, hat keine Brille mehr und eine Stupsnase.

Ist es die teuerste Regierung?

Bleibt der Text auf dem Bild. Das Magazin profil hat das im März 2025 geprüft. Die 21 Regierungsmitglieder bekommen zusammen rund 5,5 Millionen Euro im Jahr, vor Steuern. Diese Zahl stimmt. So viel hat noch keine Regierung bekommen – wenn man nur auf die Zahl schaut.

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Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Gehälter steigen mit den Preisen, und ein Euro war vor fast 20 Jahren mehr wert als heute. profil hat deshalb die Gehälter früherer Regierungen auf heutige Preise umgerechnet. Das Ergebnis: Die Regierung Gusenbauer (ab 2007) würde heute fast sieben Millionen Euro kosten. Auch die Regierung Faymann II (ab 2013) war umgerechnet etwas teurer – obwohl sie vier Mitglieder weniger hatte. Die Behauptung stimmt also nur, wenn man die Teuerung weglässt.

Und „unfähigste“? Das ist eine Meinung. Meinungen kann man nicht als richtig oder falsch prüfen. Darüber darf man streiten – nur nicht mit einem Foto, das es so nie gab.

Warum das Bild so gut ankommt

Über Größe und Kosten der Regierung wird in Österreich wirklich gestritten. Das Land muss sparen. Das gefälschte Bild greift genau dieses Thema auf und macht es größer, als es ist. Wer den Saal nicht kennt, hat kaum Grund, an der zweiten Reihe zu zweifeln. Im geteilten Beitrag steht auch nirgends, dass KI im Spiel war.

Ob das Bild als Übertreibung gemeint war oder täuschen sollte, wissen wir nicht. Für den Streit über die Regierung gibt es echte Zahlen. Das Foto gehört nicht dazu.

Zum Mitnehmen

Drei Fragen, bevor du ein Bild teilst

  • Was zeigt der Ausschnitt?Ein Foto zeigt oft nur einen Teil. Was außerhalb liegt, sieht man nicht.
  • Gibt es das Original?Mit der Rückwärtssuche findet man oft das echte Foto. Bei Politik helfen auch offizielle Seiten wie die des Parlaments.
  • Zeigt es genau, was ich erwartet habe?Bilder, die perfekt zur eigenen Meinung passen, glaubt man besonders schnell.

Quellen

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Dr. Heinrich Krämer
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