Ukrainische Geheimdienste werben angeblich per Telegram Saboteure in Russland an. Aus Sicht des Kreml unternimmt der Messengerdienst zu wenig dagegen. Darum ist dessen Gründer jetzt als Terrorunterstützer auf die Fahndungsliste gekommen.
Russland hat den Gründer des Messengerdienstes Telegram, Pawel Durow, international zur Fahndung ausgeschrieben. Die Machthaber in Moskau werfen ihm vor, Terrorismus zu unterstützen. Telegram weigere sich, Chats und Bots zu schließen, mit denen in Russland Personal für Sabotageakte und Anschläge angeworben werde. Als Drahtzieher dahinter sehen die russischen Behörden ukrainische Geheimdienste und Terrororganisationen.
Als aktuelles Beispiel nannte der russische Geheimdienst FSB einen populären Chatbot zur Partnersuche für junge Leute. Über diesen Bot hätten ukrainische Dienste 46 junge Russen zwischen 12 und 22 Jahren zu Straftaten verleitet, die vom FSB als Terroranschlag eingestuft wurden, so die Darstellung des russischen Geheimdienstes.
Durow reagiert mit Stinkefinger
Durow reagierte, indem er auf der Plattform X ein Foto mit einem Stinkefinger veröffentlichte. Dass gegen ihn ermittelt wird, war bereits im Februar bekannt geworden. Damals hatte Durow geschrieben: „Jeden Tag erfinden die Behörden neue Vorwände, um den Zugang der Russen zu Telegram einzuschränken, weil sie das Recht auf Privatsphäre und freie Rede einschränken wollen.“
Weltweit hat der Messengerdienst Telegram nach Branchenangaben mehr als eine Milliarde Nutzer. Russland hat die Zensur im Internet seit Beginn seiner Invasion in die Ukraine 2022 massiv verschärft. Telefonate über Telegram werden schon lange blockiert, zuletzt wurde der Messenger gedrosselt. Allerdings nutzen selbst offizielle Stellen trotz Verbots Telegram weiter.
Vorwürfe gegen Telegram auch in anderen Staaten
Nach Angaben aus Kiew wirbt auch Russland für Sabotageakte Ukrainer vor allem über Telegram an.
Auch andere Staaten werfen Telegram vor, dass Extremisten oder Kriminelle die verschlüsselte Kommunikation nutzen. Durow wurde 2024 in Frankreich festgenommen, weil sein Messenger solchen Missbrauch nicht verhindere. Der Russe kam gegen Kaution frei, das Verfahren läuft weiter.
Durow wurde in Russland geboren, ist aber inzwischen Staatsbürger der Vereinigten Arabischen Emirate und Frankreichs. Wo er sich derzeit aufhält, ist nicht klar.
