Marktbericht
Die Luftfahrtbranche leidet besonders unter der Energiekrise – denn Kerosin ist ein zentraler Kostenfaktor. Der Billigflieger Ryanair ist das jüngste Opfer. Aber die Probleme der Branche sind vielschichtiger.
Der irische Billigflieger Ryanair rechnet wegen der Energiekrise im bis März laufenden Geschäftsjahr 2027 mit weniger Passagieren und erwartet zudem die weniger Gewinn. Das Unternehmen geht jetzt nur noch von 214 Millionen Passagieren aus – bisher waren 216 Millionen angepeilt.
Zum Gewinn hieß es lediglich, dieser werde voraussichtlich unter dem Rekordwert des Vorjahres liegen. 2026 hatte Ryanair wegen hoher Kundennachfrage gut 2,2 Milliarden Euro verdient – so viel wie noch nie.
Kerosinpreis bei 140 Dollar
Hintergrund sind die durch den Iran-Krieg gestiegenen Ölpreise. Während Ryanair 80 Prozent seines Treibstoffbedarfs bis März 2027 zu einem Preis von rund 67 Dollar je Barrel (159 Liter) abgesichert hat, liegt der aktuelle Marktpreis bei etwa 140 Dollar. Der Preis für Rohöl steigt derzeit wegen der Verschärfung der Lage am Persischen Golf in Richtung der Marke von 100 Dollar je Fass.
Um die Belastung durch hohe Kerosinkosten im Winter zu begrenzen, soll die Kapazität in der kalten Jahreszeit im Vergleich zum Vorjahr stabil gehalten werden. Dies könne den saisonal üblichen Verlust um 70 bis 100 Millionen Euro verringern, hieß es von der Fluggesellschaft. Im Juli hatte Ryanair wegen der Kostenentwicklung fünf Flugzeuge von ihrer Basis im belgischen Charleroi abgezogen und das Angebot in Brüssel für den Winter 2026 und den Sommer 2027 um zwei Millionen Sitzplätze verringert.
Auch die Lufthansa hatte erst im Vormonat über Mehrkosten von 750 Millionen Euro im zweiten Quartal 2026 wegen hoher Kerosinkosten berichtet. Es gebe eine erhöhte Unsicherheit wegen der hohen Volatität dieses Kostenpunktes, so Europas größter Luftfahrtkonzern.
Flugbranche in der Defensive
Nicht nur der an sich hochprofitable Billigflieger Ryanair muss im Sog der geopolitischen Krisen zurückrudern. Kerosin ist zwar traditionell einer der größten Kostenblöcke in der Gewinn- und Verlustrechnung jeder Fluggesellschaft, es gibt aber noch weitere wichtige Faktoren, die zu berücksichtigen sind – und die oft eng zusammenhängen.
Geopolitische Risiken wie der Iran- oder Ukraine-Krieg können kurzfristig ganze Streckenrouten unattraktiv machen. Flüge nach Fernost etwa, die über russisches Territorium führten und kürzer waren, müssen umgeleitet werden. Das ist wegen der höheren Treibstoffkosten dann entsprechend teurer.
Zudem gibt es oft Lieferprobleme bei Flugzeugen und Triebwerken. Die Produktionskapazitäten der beiden großen Anbieter Airbus und Boeing sind begrenzt – ein weiterer Flaschenhals.
Die Herausforderungen durch den Klimawandel bedeuten unter anderem Investitionen in effizientere Flugzeuge und Triebwerke. „Spritschlucker“ werden aus der Flotte genommen und durch effizientere Modelle ersetzt. Australiens Fluglinie gab zuletzt bekannt, den Airbus A380, das derzeit größte Passagierflugzeug der Welt mit vier Triebwerken, schon 2028 aus der Flotte nehmen zu wollen – vier Jahre früher als geplant.
Es wird zu wenig verdient
Das Hauptproblem der Branche aber ist die geringe Produktivität. Denn der Wettbewerb wird oft durch Subventionen für „Staatsfluglinien“ verzerrt.
Wie der Weltluftfahrtverband IATA berichtete, verdienten die globalen Fluglinien im Gesamtjahr 2025 etwa 45 Milliarden Dollar, was einer Nettogewinnmarge von 4,2 Prozent entsprach. Das war zwar ein Rekordwert, andere Branchen aber sind deutlich profitabler. Die IATA bezeichnet die kollektive Marge als weiterhin sehr dünn im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen. Der Nettogewinn pro Passagier lag im Jahr 2025 bei 9,10 Dollar. Allerdings gibt es dabei regional große Unterschiede.
DAX bleibt unter 26.000 Punkten
Der Leitindex DAX bleibt am Mittag derweil unter der Marke von 26.000 Punkten und verliert leicht 0,3 Prozent. Bereits am Vortag hatte der Index bei 25.970 Punkten die runde Marke unterschritten. Die zunehmenden Inflations- und Zinssorgen trüben die Stimmung der Anleger.
Der Markt sei in einem Zangengriff aus Ölpreisschock und Zinsangst, fasste Frank Sohlleder, Analyst bei ActivTrades, die Stimmung zusammen.
