Homosexuelle, Schwarze und Juden sind bei Return to the Land nicht willkommen. Etwa 40 Menschen leben in der Gemeinschaft im US-Bundesstaat Arkansas. Ihr Vorgehen löst Entsetzen aus – und beschäftigt bereits die Gerichte.
Vom Highway führt eine holprige Straße in den Wald. Nach ein paar Minuten folgt eine Art Lichtung. Hier in den Ozark Mountains im konservativen Arkansas ist die Community von Return to the Land – auf Deutsch: Rückkehr zum Land. Vom Weg aus sind kleine Häuschen zu sehen, Hühner laufen herum. Das Gelände ist durch einen Zaun abgesperrt, Kameras sind installiert.
Leben dürfen hier nur Weiße mit europäischen Wurzeln. Schwarze, Juden und Homosexuelle sind unerwünscht. Mitgründer Eric Orwoll erklärt, das Ziel der Community sei die Bewahrung des europäischen Erbes. Wer nicht in die Kategorie passe, werde nicht als Mitglied der Gemeinschaft begrüßt.
Eric Orwoll ist Mitbegründer der „Return to the Land“-Community im US-Bundesstaat Arkansas. Etwa 40 Familien leben derzeit dort – nur Weiße sind willkommen.
Herkunft wird überprüft
Orwoll, Mitte 30 mit kurzen blonden Haaren und Seitenscheitel, sitzt im nahegelegenen Örtchen Ravenden auf einer Bank. Die Bewohner seiner Community wollen keine Journalisten mehr auf dem Gelände. Nach Angaben von Orwoll leben dort etwa 40 Menschen. Aber Return to the Land möchte expandieren.
Orwoll sagt, es gebe Mitglieder in anderen Bundesstaaten, die auch eine Gemeinschaft nur für Weiße gründen wollten, zum Beispiel in Tennessee, West Virginia, Idaho. Die zentrale Leitung von Return to the Land sei nicht für die Organisation dieser lokalen Initiativen zuständig. „Aber wir würden auf jeden Fall versuchen, sie zu unterstützen“, so Orwoll. Wer Mitglied von Return to the Land werden möchte, muss sich online bewerben, dann gibt es ein Interview. Die Organisation überprüft Herkunft und Gesinnung.
Verstoß gegen Bürgerrechtsgesetz?
Auf Bundesebene läuft eine Klage gegen Return to the Land. Eine Frau, die Mitglied werden wollte, um ein Stück Land zu erhalten – auf dem sie nach eigenen Angaben nicht selbst wohnen wollte -, wurde abgewiesen. Sie hat einen schwarzen Ehemann und jüdische Vorfahren. Andere Bundesstaaten sind alarmiert.
In Pennsylvania laufen Bemühungen von demokratischer Seite, ein Gesetz zu verabschieden, das eine Ansiedlung von Return to the Land verhindern oder zumindest erschweren würde. Keine Schwarzen, keine Juden, keine Homosexuellen: Ein Gericht muss entscheiden, ob das rechtens ist oder gegen das Bürgerrechtsgesetz gegen Diskriminierung verstößt. Orwoll argumentiert, er könne auf Privatgelände machen, was er wolle. Vertreten wird seine Gruppe von einem jüdischen Anwalt.
„Keine Rassisten im Sinne von: Wir hassen andere“
Während der Fußball-WM im Sommer hat sich Orwoll in Sozialen Netzwerken über die Diversität europäischer Teams echauffiert. Die staatsbürgerliche Definition einer Nation lehnt er ab. Sein Verständnis von Nation sei, dass es sich dabei um eine ethnische Identität handele. Heutzutage verstünden die Menschen Nationalität als staatsbürgerliche Identität. Das sei für ihn nicht akzeptabel, so Orwoll.
Auf die Frage, ob er und seine Community rassistisch seien, antwortet er, das komme darauf an, wie man Rassismus definiere. „Meiner Meinung nach sind wir keine Rassisten im Sinne von: Wir hassen andere“, so Orwoll.
Orwoll beschreibt sich selbst als weißer Identitärer. Unter anderem auf seinem YouTube-Kanal übernimmt er eine rechtsextreme Verschwörungserzählung, verteidigt die so genannte „White Genocide“-Verschwörung. Demnach würden Weiße durch Einwanderung und kulturelle Indoktrination bedroht. Orwoll hostet unter anderem Diskussionen mit ultrarechten und radikalen Podcastern wie etwa Nick Fuentes.
Verwunderung und Entsetzen
Direkt an das Gelände von Return to the Land grenzt die kleine Farm von Teresa Galloway. Sie nennt Orwoll einen Nazi, der eine „arische Nation“ wolle. Vor mehr als 20 Jahren sei sie nach Arkansas gezogen. Nun überlege sie, ihre Farm zu verkaufen und wegzuziehen. Aufgrund ihrer Nachbarn.
Auch in Little Rock, der rund zwei Stunden entfernten Hauptstadt von Arkansas, haben viele von der Gemeinschaft gehört. Ein Mann erklärt, er lasse Gott darüber richten. Er werde sowohl für diejenigen beten, die ausgegrenzt würden, als auch für diejenigen, die diesen Ausschluss verursachten. Ein anderer ist entsetzt, er könne nicht glauben, dass es so etwas heutzutage gebe. Die Gerichte würden dem hoffentlich einen Riegel vorschieben.
Teresa Galloway ist eine Nachbarin der „Return to the Land“-Community. Sie bezeichnet Orwoll als Nazi, der eine „arische Nation“ wolle.
Besorgte Reaktionen
An der Klage beteiligt ist auch die Bürgerrechtsorganisation NAACP. Deren Vorsitzender in Arkansas ist Barry Jefferson. Der Afroamerikaner sitzt in einem Kaffee in Little Rock und schüttelt den Kopf, sagt, das Treiben der Organisation beunruhige ihn sehr. Er erhalte auch Anrufe von besorgten Afroamerikanerinnen und Afroamerikanern. Auch wenn dort im Moment nur 40 Leute lebten, erinnere ihn die Situation an die Jim-Crow-Ära, die Zeit der staatlichen Rassentrennung.
„Wenn man sich Jim-Crow ansieht – das begann mit einer kleinen Gruppe und weitete sich dann auf eine große Gruppe aus“, so Jefferson. Seine Warnung: „Wenn wir uns jetzt nicht wehren und dagegen kämpfen – egal, ob schwarz oder weiß – werden sie weitermachen.“
Barry Jefferson ist Vorsitzender der Bürgerrechtsoranisation NAACP und hat Zweifel, ob die Klage gegen Orwolls Organisation Erfolg haben wird.
Neue Ära unter US-Präsident Trump
Er ist auch besorgt, weil unter US-Präsident Donald Trump vieles anders geworden sei. Die Regierung auf Bundesebene und auch die im konservativen Arkansas hätten den Rechten von Minderheiten den Rücken gekehrt. „Es ist die Ära von Donald Trump und seinen Leuten. Sie wollen DEI loswerden.“ Die Abkürzung steht für: Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion. „Was sie den Leuten vermitteln, ist: Wir glauben nicht an Diversität, ihr braucht sie nicht.“
Jefferson ist überzeugt, das ebne den Weg für Organisationen wie Return to the Land. Ob die Klage gegen die Organisation Erfolg haben wird? Vor ein paar Jahren hätte Jefferson keinen Zweifel daran gehabt. Jetzt ist er sich nicht mehr sicher.

