Zehn Monate nach der Sabotage an zwei Kabeln in der Ostsee sind ein russischer Kapitän und ein Besatzungsmitglied in Finnland zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Sie sollen die Unterseekabel vorsätzlich mit einem Anker beschädigt haben.
Nach der Beschädigung von Ostseekabeln hat ein Gericht in Finnland den russischen Kapitän des Frachters „Fitburg“ wegen Sabotage und Störung des Telekommunikationsverkehrs zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Ein Crewmitglied aus Aserbaidschan soll für zwei Jahre und zehn Monate hinter Gitter.
Die Verurteilten müssen darüber hinaus gemeinsam rund 1,9 Millionen Euro Schadenersatz zahlen. Der Kapitän des Frachtschiffs „Fitburg“ wurde zudem zu einer zusätzlichen Zahlung von rund 85.000 Euro verurteilt.
Anker über den Meeresboden schleifen lassen
Der unter der Flagge des Karibikstaats Sankt Vincent und Grenadinen fahrende Frachter „Fitburg“ hatte den Ermittlungen zufolge am 31. Dezember im finnischen Meerbusen seinen Anker mindestens 130 Kilometer weit über den Meeresboden schleifen lassen. Zwei Untersee-Telekommunikationskabel zwischen Finnland und Estland wurden dabei beschädigt, acht weitere sollten nach Überzeugung der Ermittler beschädigt werden.
Kapitän will Berufung einlegen
Die beiden Männer wiesen die Vorwürfe zurück und bestritten die Zuständigkeit der finnischen Justiz. Der Kapitän werde Berufung gegen das Urteil einlegen, das Besatzungsmitglied habe sich jedoch noch nicht entschieden, teilten ihre jeweiligen Anwälte mit.
Die „Fitburg“ war in den Fokus der Behörden geraten, nachdem ein Schaden an einem Datenkabel aufgefallen war, das die finnische Hauptstadt Helsinki mit Estlands Hauptstadt Tallinn verbindet. Als das Schiff von den Behörden gestoppt wurde, hatte es die Ankerkette heruntergelassen. Der Frachter war auf dem Weg vom russischen St. Petersburg in die israelische Hafenstadt Haifa gewesen.
Hybride Angriffe?
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 sind in der Ostsee immer wieder wichtige Telekommunikations- und Stromkabel beschädigt worden. Fachleute gehen davon aus, dass es sich um hybride Angriffe im Auftrag Russlands handelt. Als mutmaßlicher direkter Verursacher der Kabelschäden gilt die sogenannte Schattenflotte von oft veralteten und unter fremder Flagge fahrenden Schiffen, mit denen Russland die Sanktionen umgeht.
