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Startseite»Nachrichten»Scherbenhaufen Außenpolitik: Trump vermasselt so ziemlich alles
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Scherbenhaufen Außenpolitik: Trump vermasselt so ziemlich alles

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 20, 2026Keine Kommentare6 Minuten Lesezeit
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Scherbenhaufen AußenpolitikTrump vermasselt so ziemlich alles

20.08.2026, 15:44 Uhr Ein Kommentar von Volker Petersen
WASHINGTON-DC-AUGUST-19-US-President-Donald-Trump-speaks-to-members-of-the-media-while-touring-the-White-House-helipad-construction-on-the-South-Lawn-of-the-White-House-in-Washington-DC-US-on-Wednesday-Aug-19-2026
Als US-Präsident hat Trump das reichste, mächtigste und einflussreichste Land unter sich. Er tut alles dafür, diesen Status zu untergraben. (Foto: picture alliance / Captital Pictures)

US-Präsident Trump ist angetreten, um Amerika wieder groß zu machen. Doch die Beispiele Iran, Gaza und Nordkorea zeigen: Er erreicht das Gegenteil. Wie lange können sich die Vereinigten Staaten diesen Präsidenten noch erlauben?

Bei Computerspielen wie dem Klassiker „Civilization“ gibt es verschiedene Schwierigkeitsgrade. Das Spiel besteht darin, aus einem primitiven Stamm im Jahr 4000 vor Christus eine florierende Weltmacht im 21. Jahrhundert zu machen. Im leichtesten Schwierigkeitsgrad gelingt das ziemlich leicht, man kann nicht allzu viel falsch machen. In der anspruchsvollsten Variante muss man aufpassen, nicht ruckzuck von mächtigen Gegnern überrollt und erobert zu werden.

Man kann sich Donald Trump wie einen Spieler vorstellen – und als US-Präsident spielt er im leichtesten Schwierigkeitsgrad. Alles ist für ihn bereitet: Er leitet die größte Militärmacht, die größte Wirtschaft und die kulturell einflussreichste Nation. Macht er Fehler, auch schwere, wagt es kaum jemand, ihn zu kritisieren. So ziemlich alles wird ihm verziehen, weil es sich kaum ein Land mit ihm verscherzen will.

Trump benutzt selbst die Sprache des Spiels. Ständig fabuliert er davon, dass andere Länder gegen die USA „gewinnen“ würden. Doch Trump spielt ein Spiel, das er selbst nicht versteht. Er drückt Knöpfe auf gut Glück, ohne zu überblicken, was er damit auslöst. Das geht mal gut, wie im Fall Venezuela. Mal schaffen es die Verbündeten, den Schaden zu begrenzen, wie im Fall Grönland. Mal führt es zu einem kopflosen Angriff wie beim Iran. Und mal verprellt er engste Verbündete wie Südkorea.

Doch nun, keine zwei Jahre nach Beginn seiner zweiten Amtszeit, liegt das Ansehen der USA in Ruinen. Für die Weltmacht wäre das nicht so dramatisch, solange ihr Einfluss bestehen bliebe. Doch Trump tut alles dafür, auch die Durchsetzungsfähigkeit der USA auf der Welt zu zerstören. Er steht vor dem Scherbenhaufen seiner Politik. Das zeigen drei Beispiele.

Der Fall Iran

Der Grundirrtum, dem Trump beim Angriff auf die Islamische Republik erlag, dürfte darin bestanden haben: Als größte Supermacht der Geschichte können die USA jeden Krieg gewinnen. Doch diese Annahme ist in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach widerlegt worden: in Vietnam, im Irak, in Afghanistan. Welch haarsträubende Ironie: Trump selbst gewann seine erste Wahl auch mit dem Versprechen: Keine dummen Kriege mehr. Den Konflikt mit dem Iran kann man als einen der dümmsten Kriege der USA bezeichnen. Trump hat sich verschätzt, obwohl er es hätte besser wissen müssen. Das Regime im Iran hat nun mit der Straße von Hormus ein Druckmittel in der Hand, gegen das Trump kein Mittel findet. Denn mit Bodentruppen, also Hunderttausenden US-Soldaten, im Iran einzumarschieren, ist keine Option. Bislang jedenfalls nicht. Sollte er sich für eine Invasion entscheiden, würde alles nur noch schlimmer.

Im Konflikt mit dem Iran wirken die USA wie ein Pitbull, dem der Gegner ein Stachelhalsband angelegt hat. Bewegt er sich zu sehr, wird es weh tun. Der Schmerz kommt in Form von höheren Benzinpreisen. Und darin, dass die Ukraine weniger oder keine Patriot-Raketen bekommt, die sie dringend gegen die mörderischen Luftangriffe Russlands benötigt. Das Gleiche gilt für die Verbündeten in der Region. Solche Zusammenhänge hat Trump offensichtlich nicht bedacht. So wie er meint, als Präsident dürfe er machen, was er will, glaubte er auch, er komme mit allem durch, was er tut. Das ist nichts anderes als Inkompetenz.

Der Fall Gaza

Auch hier hatte Trump die besten Chancen, einen positiven Einfluss auf den Krieg im Gazastreifen zu nehmen. Und diesmal schien er mit seinem begrenzten Repertoire Erfolg zu haben. Das besteht im Wesentlichen darin, zu drohen oder zu schmeicheln. Mit massiven Drohungen schaffte er es, dass Israels Premier Benjamin Netanjahu einer (brüchigen) Waffenruhe zustimmte.

Doch sein mit viel Pomp und Trara gegründeter „Friedensrat“ entpuppt sich als Papiertiger, als Lachnummer. Das Gremium ist in keiner Weise in der Lage, einen Friedensprozess zu managen. Hilflos wirkende Besuche von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner in der Region ändern daran nichts. Ein Abkommen für den Gazastreifen, ein Friedensplan, wäre tatsächlich „die Mutter aller Deals“. Doch nichts dergleichen ist in Sicht.

Stattdessen radikalisieren sich Teile der israelischen Regierung immer weiter. Gerade erst hat der Minister für öffentliche Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, Mordfantasien ausgesprochen. Israel sollte jede Nacht 30 bis 40 Palästinenser töten, schwadronierte der Rechtsextremist. Denn sie verdienten es nicht, zu leben. Von Trump kam dazu nichts. Er scheint vollkommen überfordert mit dem Konflikt. In dieser Lage noch auf einen baldigen, tragfähigen Frieden, auf Aussöhnung, ja auf die Zwei-Staaten-Lösung zu hoffen, ist ohnehin verwegen. Trump trägt nichts dazu bei, diese Hoffnung auch nur am Leben zu erhalten.

Der Fall Nordkorea

Das jüngste Beispiel ist typisch Trump. Südkoreas Präsident Lee Jae-myung lehnte nach den Worten des Amerikaners eine Bitte um Unterstützung im Irankrieg ab. Was ihm niemand verwehren kann, denn warum sollten andere Staaten Trumps Suppe auslöffeln? Auch wenn südkoreanische und übrigens auch europäische Interessen an der Straße von Hormus berührt werden, wäre das grotesk.

Nun wollte Trump sich offenbar rächen und das gemeinsame, jährlich stattfindende große Manöver absagen. Zugleich stimmte er Lobgesänge auf Nordkoreas Diktator Kim Jong Un an, mit dem er sich in seiner ersten Amtszeit dreimal traf, woraus offenbar eine Art Brieffreundschaft erwuchs. Kim unterstützt massiv Russland im Ukraine-Krieg und ist ein enger Verbündeter Chinas. Auf wessen Seite steht Trump eigentlich? Und falls sein Plan sein sollte, russischen Einfluss zu schwächen – wäre es nicht schlauer, das auf eine Weise zu tun, die die eigenen Verbündeten nicht komplett verprellt?

Denn das ist einer der zentralen Irrtümer Trumps, die dazu beitragen, den globalen Einfluss der USA zu untergraben. Er glaubt, Bündnisse hülfen nur den schwächeren Partnern und die USA wären allein stärker. Das Gegenteil ist der Fall. Dass die USA auf der ganzen Welt, in Europa, im Nahen Osten und in Ostasien starke Verbündete haben, war immer die Grundlage ihrer Macht, keine Schwäche. Doch Trump behandelt Partner wie Parasiten – so wie zuletzt die Europäer in der Grönland-Frage. Neulich drohte er, den Oman, ein wichtiger Verbündeter im Nahen Osten, in Grund und Boden zu bombardieren. Jetzt bekommt Südkorea eine Breitseite.

Ändern wird Trump sich nicht mehr. Aber er wird noch mindestens zwei Jahre so weiter machen. Wie lange können sich die Vereinigten Staaten das erlauben? Trump behauptete einst im Wahlkampf, das Ausland lache über die USA. Weltweit hetzen Rechtspopulisten auf diese Art gegen das, was sie „Mainstream“ und „Establishment“ nennen. Auch wenn sie gar nicht wissen können, wer im Ausland gerade lacht oder nicht. Aber wenn jetzt jemand über die USA lacht, dürften die Lachenden in Moskau und Peking sitzen.

Quelle: ntv.de

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