In den vergangenen Tagen sind mehrere Schiffe durch die Straße von Hormus gefahren. Unter welchen Bedingungen Iran sie passieren ließ, ist unklar. Fest steht: Eine Lösung des Konflikts mit den USA ist nicht absehbar.
Es gibt offenbar Schlupflöcher in der Straße von Hormus: In den vergangenen Tagen sollen mehrere Schiffe durch die Meerenge im Persischen Golf gefahren sein. Ein Reporter des iranischen Staatsfernsehens berichtete, allein seit Mittwochabend hätten 30 Schiffe die Straße von Hormus passiert. Ob die Reedereien dafür Geld bezahlen mussten, ist unklar. Japan, eines der begünstigten Länder, bestritt dies.
Generell könnten mehr und mehr Schiffe durch die Straße von Hormus fahren, sagte Irans Außenminister Abbas Araghtschi am Rande des Treffens der BRICS-Staaten in Indien: „In den vergangenen Tagen haben sehr, sehr viele Schiffe – mit Unterstützung unserer Seestreitkräfte – jene Meerenge passiert. Und dies wird auch weiterhin der Fall sein. Der Angriffskrieg muss vollständig beendet werden. Und dann werden wir sicherstellen, dass jedes Schiff sicher passieren kann.“
Blockade ist zusätzlicher Streitpunkt mit USA
Erneut erhebt Iran den Anspruch, allein und auch künftig die Macht über die Straße von Hormus innezuhaben. Das ist ein weiterer Streitpunkt mit den USA. Ursprünglich sei es um das iranische Atomprogramm gegangen, so US-Außenminister Marco Rubio bei NBC News. Doch nun geht es um mehr. „Als Reaktion darauf hat Iran beschlossen, eine internationale Wasserstraße in Besitz zu nehmen, als sein Eigentum zu beanspruchen und dafür Gebühren zu erheben. Dies werden wir nicht zulassen“, so Rubio weiter. In der Folge kündigte die US-Regierung eine eigene Blockade an – und zwar für Iran.
Araghtschi betonte weiter, eine Lösung werde es nur durch Diplomatie geben. Dabei hatte Iran immer wieder Antworten auf Vorschläge der USA hinausgezögert, sogar vom Vermittlerstaat Pakistan vorbereitete Verhandlungen platzen lassen. Schuld daran trügen allein die USA, behauptete Araghtschi: „Das größte Problem sind die widersprüchlichen Botschaften, die wir von Amerikanern erhalten – durch ihre Kommentare, Interviews und dergleichen.“
Iran sieht sich als Opfer
Iran wehre sich nur gegen einen aufgedrängten Krieg. Kein Wort von in den Jahren zuvor selbst abgefeuerten Raketensalven auf Israel und dem jahrelangen Stellvertreterkrieg über die Hisbollah, Hamas, Huthis und proiranische Milizen im Irak. Stattdessen malen das Regime und seine Helfer das Bild von den USA, Israel und Golfstaaten, die alle gegen Iran seien.
Wie zum Beleg verbreiteten der Revolutionsgarde nahestehende Kanäle im Internet eine Rede der republikanischen US-Senatorin Joni Ernst, in der sie unter anderem sagte, dass die USA Unterstützung aus Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Katar erhalten habe. Sollte es zu einer erneuten militärischen Eskalation kommen, dürften die genannten Staaten weiter an der Seite der USA stehen.
Gibt es bald neue Angriffe?
Einige Medien und Analysten spekulieren derweil schon über neue Angriffe. US-Präsident Donald Trump hatte vor seiner Chinareise damit gedroht, Iran in Grund und Boden zu bombardieren. Wehren werde sich Iran kaum mehr, zumindest nicht sehr lange, sagte Brad Cooper, Chef des US-Militärkommandos für den Nahen Osten, Centcom. Dass Iran noch einmal Hunderte Raketen abfeuere, sei unwahrscheinlich: „Heute kann Iran nicht mehr in diesem Ausmaß angreifen, und da zudem 90 Prozent seiner Verteidigungsindustrie zerstört sind, wird der Iran diese Waffen über Jahre hinweg nicht wiederherstellen können.“
Militärisch könnten die USA und Israel Iran demnach stark zusetzen – auf lange Sicht. Denn noch hat Iran nach Informationen von US-Medien unter Berufung auf einen Geheimdienstbericht erst rund 30 Prozent seiner Bestände verschossen. Am Problem mit der Straße von Hormus dürfte sich kurzfristig also wohl nichts ändern.

