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Startseite»Politik»Straßenfest „Hey Hillbrow! Let’s Dlala!“ belebt ein Problemviertel
Politik

Straßenfest „Hey Hillbrow! Let’s Dlala!“ belebt ein Problemviertel

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerAugust 9, 2026Keine Kommentare4 Minuten Lesezeit
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Stand: 09.08.2026 • 17:46 Uhr

Große Armut, hoher Migrantenanteil, viel Kriminalität – der Stadtteil Hillbrow im Zentrum von Johannesburg gilt als gefährlich. Aber einmal im Jahr verwandelt er sich in eine große Bühne. Die Menschen holen sich ihr Viertel zurück.

Stephan Ueberbach

Heruntergekommene Hochhäuser, verwahrloste Apartmentblocks, billige Geschäfte, auf den Bürgersteigen stapelt sich der Müll: Bei Hillbrow denken viele an Gewalt und Verfall. Etwa 100.000 Menschen leben hier auf engstem Raum. Die Polizeiwache zählt zu den korruptesten der Stadt. Aber einmal im Jahr verwandelt sich Hillbrow in eine große Bühne. Und dann herrscht in den Straßenschluchten des Problemviertels buntes Treiben.

Seit 2016 gibt es die Aktion „Hey Hillbrow! Let’s Dlala!“ – auf Zulu: „Lasst uns spielen!“, auf die Beine gestellt vom Windybrow Arts Centre, gemeinsam mit anderen lokalen Initiativen. Die Idee: Junge Menschen sollen sich den Stadtteil spielerisch zurückholen.

Junge Menschen sollen sich bei „Hey Hillbrow! Let’s Dlala!“ den Stadtteil spielerisch zurückholen.

„Spielerische Leichtigkeit nach einer Zeit von Gewalt“

Gerard Bester leitet das Kunstzentrum und hat die Veranstaltung organisiert. Die Kinder hätten in einem zweiwöchigen Ferienprogramm die Kostüme und Tänze gestaltet und die Lieder geschaffen, erzählt er. In denen gehe es darum, „was es bedeutet, ein Vogel zu sein, der Grenzen überquert und wandert“.

Das Festival solle „etwas Freude, Farben und Vergnügen“ bringen, erklärt Bester, „spielerische Leichtigkeit auf die Straßen von Hillbrow nach einer Zeit von Gewalt, Zeiten der Einschüchterung und der Angst. Und dies ist ein Weg, etwas Freude zurückzubringen.“

Schauplatz fremdenfeindlicher Proteste

Ein Klima der Gewalt, der Einschüchterung und der Angst hat Hillbrow erst vor kurzem erlebt. Das multikulturelle Viertel, in dem Menschen aus vielen Teilen Afrikas leben, war Schauplatz fremdenfeindlicher Proteste, die das gesamte Land wochenlang erschüttert haben. Das Kunstzentrum musste deshalb aus Sicherheitsgründen ein paar Tage schließen.

„Arise“ – sich erheben, das ist das Motto in diesem Jahr. Dafür steht als Symbol der Vogel, mit bunten Federkostümen und Vogelstimmen. „Es geht um Vögel und darum, sich in die Lüfte zu erheben, aber auch um Widerstand, um Mut, um ein Kollektiv, das auf die Straßen geht“, erzählt Sincle. Sie arbeitet im Kunstzentrum mit den Kindern aus der Gegend.

„Unter schwierigen Umständen gibt es hier viel Schönheit“

Für viele ist Hillbrow der Ort, an dem sie geboren wurden und ihr ganzes Leben verbracht haben. Die junge Frau weiß, wie hart der Alltag in Hillbrow oft ist – und wie wichtig solche Veranstaltungen sind. Sie bringen einen Moment der Ablenkung und der gemeinsamen Freude. „Denn selbst unter schwierigen Umständen gibt es hier so viel Schönheit, wie man sehen kann. Die Veranstaltung ist eine Erinnerung daran, was die Kinder leisten müssen, wenn sie in einem schwierigen Viertel aufwachsen“, erzählt Sincle.

Deshalb sei eine Veranstaltung wie diese eine wunderbare Gelegenheit, etwas Farbe hineinzubringen und ein wenig von dem sichtbar zu machen, was in Hillbrow immer noch vorhanden sei und weiterlebe.

Ein Moment der Ablenkung und der gemeinsamen Freude in Hillbrow

Besucher erobern öffentlichen Raum zurück

Bei der siebten Ausgabe der Parade wird aber auch an historische Momente des Widerstands gegen die Apartheid erinnert. Der Jugendaufstand von Soweto jährt sich zum 50. Mal, der Marsch der Frauen aus Protest gegen die Passgesetze des weißen Rassistenregimes zum 70. Mal.

Für die Besucherinnen und Besucher ist „Hey, Hillbrow“ eine Gelegenheit, ein Stück des öffentlichen Raums in der Innenstadt von Johannesburg anders zu erleben, ihn zumindest für eine kurze Zeit zurückzuerobern.

Callie trägt ein Vogelkostüm und ist von dem, was sie sieht, fasziniert. „Es sind viele Menschen von außerhalb des Viertels dabei. Die Kinder, die auftreten, und die Kinder, die nichts von der Parade wussten und ihr jetzt folgen, erleben dadurch einen Moment, der die Stadt wiederbelebt.“

Ein anderes Bild des berüchtigten Stadtteils: bunt, kreativ, freundlich und friedlich

Mehr ist als nur ein Problemviertel

Viele Kinder aus der Nachbarschaft und weit darüber hinaus sind gekommen, um bei diesem bunten, lauten, fröhlichen Moment dabei zu sein. Auch Lucas aus Hillbrow ist begeistert. Es sei wunderschön hier, sagt er, und ganz neu für ihn: „Solche Kostüme kenne ich nur aus dem Fernsehen. Ich habe sie noch nie in echt gesehen. Heute fühlt es sich so an, als würde alles für mich Wirklichkeit werden.“

„Hey Hillbrow“ zeigt: Wenn Hunderte Kinder auf den Straßen unterwegs sind, mit Kostümen, Gesang und Theater, dann entsteht ein anderes Bild des berüchtigten Stadtteils. Bunt und kreativ, freundlich und friedlich. Ein Bild, das deutlich macht, dass Hillbrow mehr ist als nur ein Problemviertel.

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