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Betrugsmaschen

Trump an Tollwut gestorben? Falsche Meldungen täuschen KI-Suchen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 23, 2026Keine Kommentare11 Minuten Lesezeit
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→Wie entstehen Fake-News mithilfe von KI? Antworten finden Sie im Leitfaden KI-Fake-News.

Kurz erklärt: Was ist hier passiert?

  • In einer Gruppe auf der Plattform Reddit erfanden Nutzer absichtlich eine falsche Geschichte: Donald Trump und JD Vance seien an Tollwut gestorben.
  • Eine Nachrichtenseite namens WKNA 49 übernahm diese Erzählung und veröffentlichte sie so, als wäre sie eine echte Meldung.
  • Die KI-Suchen von DuckDuckGo und Brave fanden diese Beiträge und gaben Teile davon als Tatsache aus.
  • DuckDuckGo verlinkte zusätzlich auf einen echten Artikel von ABC News. Dieser handelte zwar von einem Tollwutfall, hatte mit Trump und Vance aber überhaupt nichts zu tun.
  • So sah die Antwort glaubwürdig aus, obwohl die Geschichte frei erfunden war.
  • Der Fall zeigt: Eine KI kann Quellen nennen und trotzdem eine falsche Geschichte erzählen.

Was bedeutet das für Nutzer?

  • KI-Suchen wirken oft besonders glaubwürdig, weil sie fertige Antworten liefern und gleich mehrere Quellen nennen. Genau das kann täuschen.
  • Ein Link unter einer KI-Antwort beweist noch nicht, dass die Aussage stimmt. Die Quelle kann unseriös sein, nur einzelne passende Wörter enthalten oder mit der eigentlichen Behauptung gar nichts zu tun haben.
  • Für Nutzer bedeutet das: Überraschende Meldungen sollten nicht allein deshalb geglaubt werden, weil eine KI sie bestätigt. Das gilt besonders bei angeblichen Todesfällen, Krankheiten, politischen Ereignissen oder Katastrophen.
  • Wer sicher sein will, sollte wenigstens eine der genannten Quellen öffnen und prüfen, ob dort wirklich dieselbe Aussage steht. Bei großen Nachrichten hilft außerdem eine einfache Gegenprobe: Berichten auch bekannte und voneinander unabhängige Medien darüber?
  • Die wichtigste Lehre aus diesem Fall lautet: Eine KI kann sehr sicher klingen, obwohl ihre Antwort falsch ist.

Donald Trump sei am 7. Juni 2026 an Tollwut gestorben, nachdem ihn sein Vizepräsident JD Vance gebissen habe. So behauptete es zeitweise die KI-Suche von DuckDuckGo. Die Antwort enthielt ein genaues Todesdatum, eine angebliche Todesursache und mehrere Quellenlinks. Sie sah damit aus wie eine sauber recherchierte Auskunft.

DuckDuckGo-KI behauptet fälschlich, Donald Trump sei an Tollwut gestorben
Die KI-Suche von DuckDuckGo behauptete fälschlich, Donald Trump sei am 7. Juni 2026 an Tollwut gestorben. Als Quellen nannte das System eine fragwürdige Nachrichtenseite und einen echten, aber völlig unpassenden Bericht von ABC News. Screenshot: Futurism/DuckDuckGo

Die Geschichte war vollständig erfunden. Donald Trump und JD Vance waren nicht an Tollwut gestorben, und auch die angeblichen Umstände stammten aus keiner seriösen Nachricht. Der Fall, den das US-Technikmagazin Futurism ausführlich dokumentierte, zeigt allerdings sehr anschaulich, wie aus einem absurden Internet-Scherz eine glaubwürdig wirkende KI-Antwort werden kann.

Angefangen hat es mit dem angeblichen Tod von JD Vance

Der Ursprung der Geschichte liegt in der Reddit-Gruppe r/poisonAI. Reddit besteht aus zahlreichen Gruppen zu unterschiedlichen Themen. Nutzer können dort Beiträge veröffentlichen, kommentieren und bewerten. In r/poisonAI verbreiten Mitglieder absichtlich absurde Falschinformationen, um zu testen, ob Suchmaschinen und KI-Systeme sie übernehmen.

Manche Beiträge handeln von blauen Walen, die angeblich orange seien, andere davon, dass man einen Ziegelstein gießen müsse, damit daraus ein Haus wachse. Besonders oft wurde zuletzt behauptet, US-Vizepräsident JD Vance sei am 5. Juni 2026 an Tollwut gestorben.

Die Nutzer bauten diese erfundene Geschichte immer weiter aus. Sie veröffentlichten angebliche Nachrufe, erfundene Reaktionen und einen gefälschten Beitrag von Donald Trump, in dem dieser den vermeintlichen Tod seines Vizepräsidenten betrauerte.

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Weitere Informationen

In der Reddit-Gruppe r/poisonAI wurde die erfundene Geschichte gezielt weitergesponnen. Dieser Beitrag zeigt einen gefälschten Trump-Post zum angeblichen Tod von JD Vance.

Auch in den Kommentaren spielten die Beteiligten mit. Wenn eine KI erklärte, dass Vance lebte und die Tollwut-Geschichte eine Erfindung war, beschwerten sich Nutzer darüber, dass ein angeblich reales Ereignis als Satire abgetan werde. Ein Beispiel dafür ist dieser Beitrag auf Reddit.

Für Menschen, die den Zusammenhang kannten, war das ein absurder Scherz über die Schwächen künstlicher Intelligenz. Für eine Suchmaschine konnte es allerdings so aussehen, als würden viele Menschen über dasselbe reale Ereignis sprechen.

Reddit-Beitrag zur erfundenen Tollwut-Geschichte über JD Vance
Nutzer warfen KI-Systemen sogar vor, den erfundenen Tollwut-Tod von JD Vance fälschlich als Satire zu bezeichnen. Screenshot: Reddit/r/poisonAI

Aus dem Reddit-Scherz wurde eine angebliche Nachricht

Die erfundene Geschichte blieb nicht auf Reddit. Eine Website namens WKNA 49 griff die Behauptungen auf und veröffentlichte dazu eigene Artikel. Auf den ersten Blick sieht die Seite wie das Angebot eines lokalen US-Nachrichtensenders aus.

Futurism vermutet jedoch, dass es sich um eine sogenannte Pink-Slime-Seite handelt. So werden Internetseiten bezeichnet, die wie lokale Nachrichtenmedien auftreten, aber große Mengen fragwürdiger oder automatisch erzeugter Inhalte veröffentlichen. Eine erkennbare journalistische Prüfung findet dabei oft nicht statt.

WKNA baute aus den Reddit-Beiträgen eine ganze erfundene Nachrichtenwelt. Zunächst berichtete die Seite über den angeblichen Tollwut-Tod von JD Vance. Später wurde die Geschichte um Donald Trump erweitert. Vance habe Trump absichtlich gebissen, behauptete die Seite. Wenige Tage danach sei auch Trump an der Infektion gestorben.

Der entsprechende Artikel trug den Titel „Former President Donald Trump passes away following reported infection“. Für eine KI-Suchmaschine sah dieser Text offenbar wie eine gewöhnliche Nachricht aus.

DuckDuckGo vermischte die Falschmeldung mit einem echten Bericht

Auf die Frage, wann Trump an Tollwut gestorben sei, antwortete DuckDuckGo mit dem 7. Juni 2026. Als Quellen nannte die KI unter anderem WKNA und ABC News.

Der WKNA-Artikel enthielt die erfundene Geschichte. Der verlinkte Bericht von ABC News war hingegen echt. Er handelte von einem Mann, der nach einer Organtransplantation an Tollwut gestorben war.

Donald Trump, JD Vance und Robert F. Kennedy Jr. kamen in diesem Bericht überhaupt nicht vor. DuckDuckGo verband den realen Tollwutfall trotzdem mit der erfundenen Meldung über Trump. Ein echter Artikel eines bekannten Mediums wirkte dadurch wie die Bestätigung einer frei erfundenen politischen Todesnachricht.

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Genau darin liegt die Gefahr. Unter der KI-Antwort standen mehrere Links, darunter sogar ABC News. Wer nur auf den bekannten Namen achtete und den Artikel nicht öffnete, konnte leicht glauben, die Behauptung sei ordentlich belegt.

Auch Brave fiel auf die Geschichte herein

DuckDuckGo war nicht das einzige System, das die erfundene Meldung übernahm. Auch die KI-Suche von Brave behauptete, JD Vance sei an Tollwut gestorben, und ergänzte weitere Details, die ebenfalls nicht stimmten.

Vance habe sich entweder bei einem Waschbären oder während einer Veranstaltung im Weißen Haus angesteckt, hieß es. Für den 4. Juli sei außerdem eine nationale Gedenkfeier in Philadelphia geplant gewesen. Ein Screenshot dieser falschen Antwort wurde auf Reddit veröffentlicht.

Brave-KI behauptet fälschlich, JD Vance sei an Tollwut gestorben
Auch Brave übernahm die erfundene Todesmeldung und ergänzte weitere falsche Einzelheiten – darunter eine angeblich geplante nationale Gedenkfeier. Screenshot: Futurism/Brave Search

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Weitere Informationen

Der Reddit-Beitrag dokumentiert, dass auch Brave die erfundene Geschichte übernahm.

Brave erklärte gegenüber Futurism, Suchmaschinen seien keine „Orakel der Wahrheit“. Nutzer sollten Angaben selbst prüfen und die verlinkten Quellen lesen. Der Hinweis ist grundsätzlich richtig, greift aber zu kurz. KI-Suchen präsentieren ihre Antworten meist in einem sicheren, sachlichen Ton und liefern fertige Zusammenfassungen. Genau deshalb erwarten viele Menschen, dass zumindest bei einer angeblichen Todesmeldung geprüft wird, ob bekannte und unabhängige Medien darüber berichten.

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DuckDuckGo räumte den Fehler ein

DuckDuckGo reagierte später über seinen offiziellen Reddit-Account und schrieb: „Ok, we got ducked on this one.“ Die Stellungnahme ist weiterhin auf Reddit abrufbar.

DuckDuckGo räumt den Fehler auf Reddit ein
DuckDuckGo räumte über seinen offiziellen Reddit-Account ein, dass Search Assist hereingelegt worden war. Screenshot: Reddit/DuckDuckGo

Später teilte das Unternehmen mit, die fehlerhafte Antwort sei inzwischen behoben worden. Search Assist sei in diesem Fall absichtlich getäuscht worden, und man wolle das System für vergleichbare Situationen verbessern. Auch diese zweite Reaktion veröffentlichte DuckDuckGo auf Reddit.

DuckDuckGo erklärt, die fehlerhafte KI-Antwort sei behoben worden
DuckDuckGo erklärte später, die fehlerhafte Antwort sei behoben worden. Außerdem wolle man Search Assist für ähnliche Fälle verbessern. Screenshot: Reddit/DuckDuckGo

Die erfundene Geschichte begann, sich selbst zu bestätigen

Besonders aufschlussreich ist, wie sich Wahrheit und Erfindung im weiteren Verlauf vermischten. Google erkannte die Meldung über den angeblichen Tod von JD Vance offenbar korrekt als Falschinformation. WKNA verwendete diese Richtigstellung anschließend für einen weiteren Artikel und behauptete, Googles KI würde ein reales Ereignis zu Unrecht als Satire einstufen.

Damit wurde sogar die Widerlegung Teil der erfundenen Geschichte. Der entsprechende WKNA-Artikel stellte die korrekte Einordnung durch Google als Fehler dar. Ein weiterer Beitrag behandelte den angeblichen Tod von Vance weiterhin wie eine echte Nachricht.

Der Ablauf war damit bemerkenswert: Nutzer erfanden eine Meldung auf Reddit. Eine fragwürdige Nachrichtenseite machte daraus Artikel. KI-Systeme fanden diese Artikel und übernahmen sie. Als eine andere KI widersprach, wurde auch dieser Widerspruch in die erfundene Erzählung eingebaut.

Je mehr Texte auf diese Weise entstehen, desto größer wirkt die Geschichte. Eine hohe Zahl an Suchtreffern beweist jedoch nichts, wenn die Seiten nur dieselbe Erfindung voneinander übernehmen.

Warum KI-Suchmaschinen darauf hereinfallen

Eine KI-Suchmaschine liest Nachrichten nicht wie ein Mensch. Sie sucht passende Texte, erkennt sprachliche Zusammenhänge und formuliert daraus eine Antwort. Dabei kann sie übersehen, dass eine Quelle Satire enthält, keine echte Redaktion besitzt oder bewusst falsche Angaben veröffentlicht.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Das System erkennt nicht immer, ob eine verlinkte Quelle die konkrete Behauptung tatsächlich bestätigt. Im Fall von Donald Trump fand DuckDuckGo einen echten Bericht über einen Tollwuttoten und einen erfundenen Bericht über Trump. Aus diesen beiden Fundstellen entstand eine gemeinsame, aber falsche Geschichte.

Die Quellen waren sichtbar. Geprüft waren sie deshalb noch lange nicht.

Ist das Data Poisoning?

Der Vorfall wird häufig als Data Poisoning bezeichnet. Vereinfacht bedeutet das, dass absichtlich falsche Informationen verbreitet werden, damit ein KI-System sie übernimmt.

Der Begriff passt hier allerdings nur teilweise. Beim klassischen Data Poisoning werden manipulierte Inhalte in Daten eingeschleust, mit denen ein KI-Modell trainiert oder später angepasst wird. Bei DuckDuckGo und Brave wurden offenbar die öffentlich auffindbaren Suchergebnisse beeinflusst. Die falschen Texte standen im Netz und wurden von den KI-Systemen während der Suche gefunden.

Für Nutzer ändert dieser technische Unterschied wenig. Am Bildschirm erscheint eine falsche Antwort, die mit scheinbar passenden Quellen versehen ist.

Aus einem Scherz kann echte Desinformation werden

Die Mitglieder von r/poisonAI verstehen ihre Beiträge offenbar als Satire und als Kritik an der KI-Industrie. Sie wollen zeigen, wie leicht sich solche Systeme täuschen lassen. Der Fall belegt diese Schwäche tatsächlich ziemlich eindrucksvoll.

Harmlos ist das Experiment trotzdem nicht. Sobald die erfundene Meldung außerhalb der ursprünglichen Gruppe auftaucht, fehlt der erkennbare Scherz. Menschen teilen Screenshots, automatisch betriebene Seiten erstellen neue Artikel und weitere KI-Systeme verarbeiten diese Texte erneut.

Irgendwann lässt sich kaum noch erkennen, was ursprünglich auf Reddit erfunden wurde und welche Details später durch Webseiten oder KI-Systeme dazugekommen sind. Bei einer glaubwürdiger klingenden Behauptung über einen Rücktritt, einen militärischen Zwischenfall oder eine Erkrankung könnte derselbe Mechanismus weit ernster ausfallen.

So lassen sich KI-Antworten prüfen

Eine Quellenangabe allein macht eine KI-Antwort noch nicht zuverlässig. Entscheidend ist, ob die verlinkte Quelle die Behauptung tatsächlich enthält.

Beim ABC-News-Bericht hätte ein kurzer Blick in den Text gereicht. Dort ging es um einen Mann, der nach einer Organtransplantation an Tollwut gestorben war. Donald Trump und JD Vance wurden nicht erwähnt.

Auch die Quelle selbst sollte geprüft werden. Gibt es eine erkennbare Redaktion? Berichten mehrere bekannte Medien unabhängig voneinander über das Ereignis? Sind die genannten Namen, Daten und Aussagen in den Artikeln wirklich zu finden?

Bei angeblichen Todesmeldungen bekannter Politiker oder Prominenter ist die Prüfung besonders einfach: Wäre eine solche Nachricht wahr, würden zahlreiche seriöse Medien innerhalb kurzer Zeit darüber berichten. Eine einzelne unbekannte Website reicht dafür nicht.

Fazit

Donald Trump ist nicht an Tollwut gestorben. Auch JD Vance starb nicht an der Krankheit. Die Geschichte wurde von Reddit-Nutzern erfunden, anschließend von einer fragwürdigen Nachrichtenseite verarbeitet und schließlich von den KI-Suchsystemen von DuckDuckGo und Brave als vermeintliche Tatsache ausgegeben.

Besonders problematisch war, dass DuckDuckGo zusätzlich einen echten Bericht von ABC News verlinkte, obwohl dieser mit Trump oder Vance nichts zu tun hatte. Dadurch wirkte die falsche Antwort deutlich glaubwürdiger.

KI-Suchmaschinen können bei einer Recherche helfen. Ihre Antworten sind allerdings keine redaktionell geprüften Nachrichten. Ein Quellenlink hat nur dann einen Wert, wenn die verlinkte Quelle die Behauptung tatsächlich belegt.

Hinweis: Stand zum Veröffentlichungsdatum.
Verwendete Bilder, Screenshots und Medien dienen ausschließlich der sachlichen Auseinandersetzung im Sinne des Zitatrechts (§ 51 UrhG).
Teile dieses Beitrags können KI-gestützt erstellt und redaktionell geprüft worden sein.
(Mehr zur Arbeitsweise)

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Dr. Heinrich Krämer
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