Ungewohnter Anblick für Einheimische und Touristen – oder besser gesagt ein Nicht-Anblick: Weil Ungarn Strom sparen muss, werden Wahrzeichen nachts nicht mehr angestrahlt. Wegen der Hitzewelle mangelt es an Kühlwasser für das AKW Paks.
In Ungarn werden Wahrzeichen wegen der Energiekrise derzeit nicht mehr beleuchtet. So liegen in Budapest etwa das neugotische Parlamentsgebäude, die Budaer Burg, und die berühmte Kettenbrücke nachts im Dunkeln. Der Grund: Das einzige Atomkraftwerk (AKW) des Landes wurde auf nur zwölf Prozent seiner eigentlichen Leistung gedrosselt, weil es in Folge der Trockenheit an Kühlwasser mangelt.
Das AKW Paks mit seinen vier Reaktorblöcken liegt etwa 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Budapest, produziert fast die Hälfte des in Ungarn benötigten Stroms und bezieht sein Kühlwasser aus der Donau. Deren Pegel befindet sich in Ungarn derzeit auf historischen Tiefständen. Hauptgrund sind die anhaltende Hitzewelle mit Temperaturen bis über 40 Grad und ausbleibender Regen.
Aufruf zum Energiesparen offenbar erfolgreich
Das AKW war nur knapp einer kompletten Abschaltung entgangen. Dazu hätten wenige Millimeter beim Wasserstand gefehlt, hatte Ministerpräsident Peter Magyar mitgeteilt. Nur weil sich der Pegelstand der Donau minimal um eineinhalb Zentimeter erhöhte, habe man den Minimalbetrieb fortführen können.
Ungarn zählt zu den Ländern Europas, bei denen die Hitzewelle zu erheblichen Lücken in der Stromproduktion geführt hat. Davon betroffen sind vor allem Länder, die auf Atomkraft setzen.
Ungarische Unternehmen versuchen, ihren Energieverbrauch zu senken, vor allem in den abendlichen Spitzenzeiten. Nach Angaben Magyars vom Montagabend verbraucht Ungarn derzeit mehr als 500 Megawatt weniger als es dies unter normalen Umständen an einem Sommertag tun würde.
Autoproduktion in Rumänien steht still
Auch Rumänien kämpft mit einer Energiekrise. Dort schaltete der Energiekonzern Nuclearelectrica einen der beiden Reaktoren seines AKW ab, weil nicht mehr genug Wasser für die Kühlung durch die Donau fließt. Nuclearelectrica produziert sonst rund ein Fünftel des nationalen Stromverbrauchs.
Auch die rumänische Regierung bat Unternehmen, freiwillig Energie zu sparen. Daraufhin kündigten die Autobauer Ford und Dacia an, ihre Produktion bis zum 19. August einzustellen, wie Ministerpräsident Ilie Bolojan mitteilte. Durch den Produktionsstopp des US-Konzerns Ford und der Renault-Tochter Dacia sei der landesweite Strombedarf am Montag bereits um 200 Megawatt gesunken. Bolojan fügte hinzu, dass weitere Firmen diesem Beispiel folgten und ihren Verbrauch ebenfalls drosseln würden.
Auch in der Hauptstadt Bukarest wurden Maßnahmen ergriffen: So wurde etwa die Straßenbeleuchtung gedimmt und die Beleuchtung von Wahrzeichen gestoppt.
