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Viele Bilder und Werbung: Jürgen Klopp bereitet seine ersten Überraschungen vor

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerSeptember 6, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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Es sind ungewöhnliche Bilder: Während man sich normalerweise fragt, was Bundestrainer zwischen den Fußball-Länderspielpausen machen, erübrigt sich die Frage bei Jürgen Klopp. Er ist auf der Reise.

Sicherlich, es gibt im Weltfußball bessere Vorbilder als Gianni Infantino. Doch selbst der, dem das Finanzielle wohl mehr als das Sportliche am Herzen liegt, hat eine Sache verstanden: Am Ende geht es vor allem um die Bilder. So reiste der FIFA-Präsident bei der XXL-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko beckenbauermäßig von Spiel zu Spiel – und schaffte es, sich bei immerhin bei 44 Partien innerhalb von 39 Tagen blicken.

Den Helikopter, den Franz Beckenbauer bei der WM 2006 nutzte, um quer durch Deutschland zu fliegen, hat offenbar auch jemand anderes entstaubt. Der neue Bundestrainer befindet sich derzeit medienwirksam auf Deutschlandtour – und erzeugt seinerseits viele Bilder: Jürgen Klopp besucht den Supercup zwischen Bayern und Dortmund. Jürgen Klopp sitzt auf der Tribüne bei Augsburg gegen Schalke 04. Jürgen Klopp steht auf dem Trainingsplatz von Mainz 05 und einen Tag später bei Eintracht Frankfurt.

Klopp hat überraschenden Stürmer im Visier

Für die jüngere deutsche Fußballgeschichte sind solche Bilder eher ungewöhnlich. Normalerweise startet ein Bundestrainer nicht mit einer Wanderschaft. Häufig fragte man sich, was ein Nationalcoach zwischen den Länderspielen eigentlich macht. Hansi Flick musste niemanden kennenlernen, schließlich kam er ursprünglich aus dem DFB-Umfeld. Und Julian Nagelsmann? Als er sein Amt antrat, im Herbst 2023, blieb nicht viel Zeit, die Heim-Europameisterschaft vorzubereiten. Und danach hatte er seine Nagelsmannschaft bekanntlich gefunden.

„Viel zu tun“

Aber Klopp, das betonte er selbst in den jüngsten ersten Bundestrainer-Wochen immer wieder, hatte Deutschland zumindest beruflich vor elf Jahren verlassen. Am 8. Oktober 2015 übernahm er die Geschicke beim FC Liverpool, brachte dem Klub die erste englische Meisterschaft seit 30 Jahren und den Champions-League-Titel. „Als ich dort anfing, war die Stimmung eine andere“, sagte er in einem Interview. „Ein paar Jahre später war die Stadt kaum wiederzuerkennen.“

Und nicht nur die englische Küstenstadt hat sich in der Zeit verändert, sondern auch Fußballdeutschland: Es gibt neue Talente, neue Trainer, neue Hauptcharaktere. „Ich war lange weg“, sagte Klopp am Rande des Supercups, „deshalb gibt es viel zu tun“. Mit Florian Wirtz hat er schon telefoniert, bei Jamal Musiala reichte es zunächst nur für Genesungswünsche per Sprachnachricht – schließlich hatte der Bayern-Star noch nicht die Telefonnummer des Bundestrainers.

Video poster

„Klopp kann sich trauen, sein Maul aufzureißen“

Auch sonst geht es vor allem erst einmal ums Kennenlernen. 57 Namen – ohne den zurückgetretenen Antonio Rüdiger sind es mutmaßlich nur noch 56 – stehen auf der Bundestrainer-Liste. Es sind also viele Hände zu schütteln, eine Menge Gespräche zu führen. Und ein netter Nebeneffekt: Ganz nebenbei bereitet Klopp seine Überraschungen für die erste Kadernominierung am 17. September vor.

Bei Mainz war Klopp nicht nur als nostalgischer Ex-Trainer, sondern dort spielen auch die DFB-Kandidaten Nadiem Amiri und möglicherweise Phillip Tietz. Bekanntlich hat Klopp in Stuttgart nicht nur mit Deniz Undav gesprochen, sondern auch mit Dzenan Pejcinović. Der 21-jährige Mittelstürmer wechselte erst im Sommer für rund 25 Millionen Euro aus Wolfsburg zum VfB. Er könnte perspektivisch die offene Planstelle im DFB-Sturmzentrum füllen. Das soll ihm Klopp mitgeteilt haben.

Einen anderen Kandidaten traf er in Frankfurt. Mit Angreifer Younes Ebnoutalib unterhielt Klopp sich Berichten zufolge länger, weil er sehr von seiner Spielweise angetan sein soll. Die Bemühungen braucht es auch, denn der aufsehenerregende Neuzugang von der SV Elversberg könnte theoretisch auch für Marokko spielen. Und da ist auch Anton Kade, der mit Augsburg vor den Augen des Bundestrainers gegen Schalke groß aufspielte. Nicht zu vergessen: Innenverteidiger Noahkai Banks, dessen Talent auch den USA nicht entgangen sein soll.

Zeit für Red-Bull-Werbung

Ganz nebenbei sprach Klopp noch mit Marc-André ter Stegen, der wiederum von einem „wirklich tollen Gespräch“ berichtete. Denn auch im Tor wartet eine Baustelle. Es gibt keine klare Nummer eins, aber viele Kandidaten. Stellt Klopp erst einmal einen Routinier ins Tor: Oliver Baumann, ter Stegen oder vielleicht sogar Schalkes Loris Karius? Oder den 29-jährigen Alexander Nübel? Oder was ist mit den jungen Wilden, also Jonas Urbig und Noah Atubolu?

Nicht alle Fragen werden schon am 17. September beantwortet. Und auch nicht alle, die sich mit dem Bundestrainer länger unterhalten haben, landen später auch im DFB-Kader. Das Aufgebot wird er nicht vollständig auf Links krempeln. Klopp nutzt den Zeitvorteil, den Nagelsmann nicht hatte. Bis zum nächsten Turnier sind es noch zwei Jahre, dazwischen viele Länderspielphasen, um neue Protagonisten auszuprobieren.

Doch wichtig ist die Grundlage: Klopp will auch die Trainer seiner neuen DFB-Protagonisten kennenlernen. Immer wieder betont er, dass die Nationalelf einen Mehrwert für die Klubs schaffen solle. Nur: Vor elf Jahren hießen die Trainer von Frankfurt und Stuttgart noch Thomas Schaaf oder Huub Stevens. Das hat sich mittlerweile geändert. Immerhin: Viel Überzeugungsarbeit musste Klopp nicht leisten, so positiv wie sich Vincent Kompany, Sebastian Hoeneß und Co. nach den Gesprächen äußerten.

Video poster

Bundestrainer erklärt mysteriöse DFB-Rolle seines Beraters

Und doch, wie das so ist: Auch wenn gerade vieles überzeugend ist und Bayern-Boss Herbert Hainer vom idealen Bundestrainer schwärmt. Es ist nicht so, dass sich auch nicht Klopp aus den Mainz-Dortmund-Liverpool-Zeiten verändert hat. Seine Antrittsrede begann mit einer Medienschelte. Und während der Deutschlandreise blieb noch Zeit für ein Interview mit der „Sports Illustrated“, bei der er die „bequemen“ Sachen der Kleidungsmarke von Red Bull bewarb. Beides eher ungewöhnlich.

„Bisher macht alles Spaß. Ich habe den besten Job der Welt: Ich habe noch kein Spiel verloren“, sagte Klopp vor einigen Tagen. Es braucht keine Astrologie-Ausbildung, um zu prognostizieren, dass sich das noch ändern wird. Doch gerade geht es um das Fundament, damit Klopp auch bei der WM 2030 im Amt sein wird. Dann wahrscheinlich anders als FIFA-Präsident Gianni Infantino.

Verwendete Quelle: ntv.de

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