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VIP VIP, Hurra!: Später steht in keinem Kalender

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuli 24, 2026Keine Kommentare5 Minuten Lesezeit
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VIP VIP, Hurra!Später steht in keinem Kalender

24.07.2026, 17:09 Uhr Die Promikolumne von Verena Maria Dittrich
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Krebsfrei: TV-Legende Thomas Gottschalk (Foto: picture alliance / dts-Agentur)

Chadwick Bosemans Familie streitet um sein Erbe, Thomas Gottschalk ist derzeit krebsfrei und Prinzessin Kate spricht über ihre Chemotherapie. Drei prominente Geschichten, die um dieselbe Frage kreisen: Wie gehen wir mit Endlichkeit um?

Vier große Aktenordner, der Terminkalender ist für Wochen durchgeplant: Der Mensch ist erstaunlich gewissenhaft, solange es um Dinge geht, die ihn nicht an sein Ende erinnern. Er verlängert Handyverträge, archiviert Steuerbescheide und bewahrt die Rechnung für den Staubsauger auf. Nur der Ordner mit Testament, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht bleibt gern dort liegen, wo auch die Erkenntnis lagert, dass das Leben einmal ohne einen weitergeht, nämlich möglichst weit hinten.

Eine Freundin von mir ist an Darmkrebs erkrankt, und auch bei ihr merke ich, wie schon zuvor bei meinen Eltern, wie widersinnig die Aufforderung klingen kann, mitten im Kampf ums Leben schon den eigenen Abgang zu organisieren. Wer morgens aufsteht, um weiterzumachen, möchte nachmittags nicht festlegen, wer später Zugriff auf das Konto bekommt. Also wird vertagt. Jaja, man wird sich um diese unangenehmen Dinge schon kümmern – wenn es einem besser geht. Oder, wie meine Mutter mir sagte, „die Zeit reif ist“. Die Zeit allerdings war nie reif, und vielleicht liegt es an meinen persönlichen Erfahrungen, geneigter Leser, aber ich muss nur einmal den PC hochfahren, um zu sehen, wie sehr in unserer Gesellschaft die eigene Endlichkeit ausgeblendet wird.

Höher, schneller, weiter. (Haha, ich habe gerade tatsächlich die Melodie des gleichnamigen Songs von Rödelheim Hartreim Projekt im Kopf. Auch schon wieder 30 Jahre her! 1996. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen; Insta, X und Facebook gab es noch nicht.) Ich scrolle also durch die unterschiedlichen Timelines, die neben sensationsheischenden Nichtigkeiten in dieser Woche – zumindest gefühlt – geflutet waren mit Meldungen über Promis, die entweder an Krebs erkrankt oder daran gestorben sind und deren Familien sich nun öffentlich um das Erbe zoffen.

Bosemans Familie streitet ums Erbe

Einer von ihnen war Chadwick Boseman. Der begnadete Schauspieler starb bereits 2020 mit nur 43 Jahren an Krebs. Sechs Jahre später ist sein Nachlass Thema in den Medien. Seine Brüder wollen die Witwe Taylor Simone Ledward als Verwalterin absetzen lassen; im Raum stehen mehr als 3,8 Millionen Dollar, Tantiemen, Bildrechte und der Vorwurf, eine gerichtlich festgelegte Verteilung sei nicht vollständig erfolgt. Hollywood machte Boseman zum König, aber das Erbrecht behandelt ihn wie jeden anderen, der ohne Testament stirbt. Und nun übernehmen Anwälte und verletzte Angehörige die Regie.

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Schauspieler Chadwick Boseman ist 2020 gestorben. (Foto: picture alliance / NurPhoto)

Vorsorge gilt uns gern als Angelegenheit für Leute, die mit dem Leben abgeschlossen haben; viele wollen aber auch nichts davon wissen oder hören. Regle deinen Scheiß, Mann, wenn du nicht willst, dass deine Familie sich nach deinem Tod an die Gurgel geht. Aber ich kann auch jene verstehen, die sich sagen: Nach mir die Sintflut. Ist das egoistisch? Mit Sicherheit.

Dabei ist sie die letzte Form von Fürsorge für diejenigen, die bleiben, und Bosemans Fall taugt auch nicht zur nachträglichen Besserwisserei, denn niemand weiß, was dieser schwer kranke Mann hoffte, verdrängte oder schlicht nicht mehr schaffte. Er zeigt nur, wie durch Trauer und Liebe der nächste Riss durch die Familie gehen kann und sich die Hinterbliebenen plötzlich nicht mehr auf der nächsten Familienfeier, sondern vor Gericht wiedertreffen.

Gottschalk krebsfrei zurück ins Leben

Jemand, der gerade auch eine ganz eigene Art des Aufräumens betreibt, ist Thomas Gottschalk. Nach schwierigen Operationen, Bestrahlungen und einer Reha sagt die TV-Legende, sie sei derzeit krebsfrei und auf dem Weg zurück ins Leben. Gottschalk sagt aber auch, dass keine neuen Auftritte und schon gar kein Fernseh-Comeback geplant seien. Jahrzehntelang bestand Tommys Job darin, ganz Deutschland zu unterhalten. Kinder sind mit ihm erwachsen geworden. Wie kaum ein Zweiter brachte er ganze Generationen am Samstagabend vor dem Bildschirm zusammen.

Und natürlich wurde viel gemunkelt, geschimpft und sich noch mehr empört: Einer wie Gottschalk, der brauche das Rampenlicht wie die Luft zum Atmen und akzeptiere einfach nicht, dass seine Zeit vorbei und er alt geworden sei. Jeder Künstler, jeder Sportler, jeder von Erfolg Verwöhnte kennt das große schwarze Loch der Einsamkeit, wenn die Scheinwerfer aus sind. Das war auch Gottschalk anzumerken, aber er hat nicht darauf gewartet, dass das Publikum seinen Abschied übernimmt. Der Wunsch vieler großer Stars ist es, auf der Bühne abzutreten. Gottschalk sagt nun mit beeindruckender innerlicher Ausgeglichenheit, dass er das Rampenlicht nicht vermisse.

Einer, der ebenfalls TV-Geschichte geschrieben hat, ist William Shatner. Fast gleichzeitig erzählen in dieser Woche Captain Kirk und seine Tochter, dass beide zur selben Zeit gegen Krebs im vierten Stadium kämpften. Sie gegen metastasierten Brustkrebs, er gegen ein Melanom, das sich bis in Lunge und Gehirn ausgebreitet hatte. Beide gelten seit Ende 2024 als krebsfrei.

Am 29. Juli starten Vater und Tochter gemeinsam den wöchentlichen Podcast „No Time but Now“. Darin wollen sie mit Gesundheitsexperten und anderen Krebsüberlebenden darüber sprechen, wie man Krisen übersteht und das Leben nicht länger auf später vertagt.

Was bleibt?

Auch Prinzessin Kate sprach in dieser Woche von einer Erfahrung jenseits der üblichen Bilder ihres Kampfes gegen den Krebs. Während ihrer Behandlung konnte sie zeitweise weder lesen noch sich richtig konzentrieren. Also griff sie zu Malbüchern.

Geneigter Leser, ich hoffe, Sie haben bis zu dieser Stelle gelesen und denken nicht, Herrgott, die Dittrich pickt sich ja eine traurige Krankheitsmeldung nach der nächsten heraus. Ich möchte Sie keineswegs runterziehen, und in der kommenden Woche wird es wieder heiterer, versprochen.

Ich finde es bei all dem Lärm dieser Tage einfach wichtig, über die Frage nachzudenken, was bleibt? Und ich glaube, genau deshalb und aus Liebe zu jenen, die nach uns aufräumen müssen, sollten wir diesen lästigen Ordner doch einmal hervorholen, auch wenn es nervt. Denn „später“ ist ein erstaunlich beruhigendes Wort. Es hat nur den kleinen Nachteil, dass es nirgendwo im Kalender steht. Bis nächste Woche!

Quelle: ntv.de

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Dr. Heinrich Krämer
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