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Startseite»Nachrichten»Von Kapstadt nach Goslar: Wie südafrikanische Busfahrer den Nahverkehr retten sollen
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Von Kapstadt nach Goslar: Wie südafrikanische Busfahrer den Nahverkehr retten sollen

Dr. Heinrich KrämerVon Dr. Heinrich KrämerJuni 7, 2026Keine Kommentare3 Minuten Lesezeit
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Von Kapstadt nach GoslarWie südafrikanische Busfahrer den Nahverkehr retten sollen

Fahrlehrer Jens Mehmecke (l) unterrichtet einen Busfahrer aus Südafrika. (Foto: picture alliance/dpa)

20.000 Busfahrer fehlen bundesweit. Einige Verkehrsbetriebe in Niedersachsen suchen deshalb Personal in Südafrika. Für die Fahrer ist es die Chance auf einen Neuanfang, für die Unternehmen ein Ausweg aus dem Fachkräftemangel. Doch der Wechsel bringt Herausforderungen mit sich.

Seit Jahren klagen Busunternehmen über Personalmangel. Einige niedersächsische Unternehmen sind bei der Suche nach neuen Fahrerinnen und Fahrer nun fündig geworden: in Südafrika. Sie sind Teil eines Pilotprojektes – in dem nicht nur Busunternehmen eine Chance sehen.

„Es ist ein lebensverändernder Karriereschritt für mich“, sagt auch Justice Sipahlanga. Bis vor kurzem war er Busfahrer in Kapstadt. Jetzt lernt er das Busfahren noch einmal neu in einer Fahrschule bei Goslar. Die Chance, in Deutschland zu arbeiten, sei für ihn die Möglichkeit, Neues zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig sei er froh zu zeigen, über welche Fertigkeiten Menschen in Südafrika verfügen.

Nach erfolgreichem Abschluss der deutschen Fahrausbildung soll er für Stadtbus Goslar fahren. Einen Arbeitsvertrag hat er bereits. Seine neue Chefin Anne Sagner freut’s: „Es fällt uns immer schwerer, Fachpersonal zu finden, was gut qualifiziert ist; was auch willig ist und Lust hat.“ Deshalb nehme ihr Unternehmen am Pilotprojekt teil. Zuvor sei vor allem auf Bewerbungen aus der eigenen Region gesetzt worden.

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Bisher zeigen sich die Verantwortlichen überzeugt von dem Projekt. „Die Fahrschüler sind mega motiviert“, sagt etwa Fahrlehrer Jens Mehmecke, der dem Projekt nach eigener Aussage anfangs skeptisch gegenüberstand. (Foto: picture alliance/dpa)

In Goslar führen die Probleme bei der Fachkräftegewinnung noch nicht zu Problemen. In Zukunft müssten aber vermutlich Fahrten gestrichen werden, wenn nicht genügend neue Busfahrer gefunden werden. Etwa ein Drittel der Belegschaft werde das Unternehmen in den kommen fünf bis acht Jahren verlassen. „Wirklich wahre Leistungsträger, die uns ganz schmerzlich fehlen werden“, sagte die Geschäftsführerin.

Bereits heute fehlen 20.000 Busfahrer in Deutschland, Tendenz steigend, heißt es in einem Positionspapier des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen. Betroffen vom Fahrermangel sind laut der aktuellen Konjunktur-Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmen drei Viertel aller Nahverkehrsbetriebe. Fast ein Viertel der Unternehmen gab demnach an, in diesem Jahr den Betrieb auszudünnen oder einzustellen. Fahrermangel sei dafür neben Personalkosten der Hauptgrund.

Gründe für den Fahrermangel ist laut Stadtbus-Goslar-Chefin Sagner aber nicht nur die alternde Gesellschaft. Busfahrer sei ein anstrengender Beruf mit Schichtarbeit und viel Kundenkontakt – kämpfe deshalb auch um Attraktivität. Die Anwerbung aus dem Ausland sei daher nur ein Baustein, um dem Mangel zu begegnen.

Bisher zeigen sich die Verantwortlichen überzeugt von dem Projekt. „Die Fahrschüler sind mega motiviert“, sagt etwa Fahrlehrer Jens Mehmecke, der dem Projekt nach eigener Aussage anfangs skeptisch gegenüberstand. In seiner Fahrschule werden derzeit 10 Männer und Frauen aus Südafrika geschult, damit sie künftig unter anderem in Verden (Aller), Hannover und Hildesheim unterwegs sein können.

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Insgesamt zehn Frauen und Männer aus Südafrika werden im Rahmen eines Pilotprojekts gegen Fachkräftemangel für den deutschen Straßenverkehr fit gemacht. (Foto: picture alliance/dpa)

Lernen müssen die neuen Busfahrer vor allem das Fahren auf der rechten Seite – in Südafrika herrscht Linksverkehr – und deutsche Verkehrsregeln wie Vorfahrtsstraßen. „Alle sind gestandene Busfahrer und ihre Lizenz wird auch anerkannt“, erklärt Mehmecke. Deshalb müssten sie nur eine beschleunigte Ausbildung mit 140 Theorie- und 10 Fahrstunden absolvieren.

Das ist übrigens einer der Gründe, warum auf Busfahrer aus Südafrika gesetzt wird, erklärt Carsten Gierga. Er ist Geschäftsführer von Frontseat, das sich um das Anwerben der Fahrer kümmert. Bis 2030 möchte er mit seinem Unternehmen 1.000 Fahrer nach Deutschland bringen. Die Menschen aus Südafrika seien dafür ideal. Neben ihrer Fahrerfahrung sei auch ihre Lernfähigkeit für eine neue Sprache sehr ausgeprägt.

Deutsch lernen die Fahrschüler parallel zur Fahrausbildung. Auch die Abschlussprüfung ist auf Deutsch. „Das ist herausfordernd, aber es ist schön, eine neue Sprache zu lernen“, sagt Fahrschüler Sipahlanga. Er freue sich bereits auf seinen neuen Arbeitsplatz. „Mir gefällt es sehr, mit Menschen zu arbeiten.“

Quelle: ntv.de, Maurice Dirker, dpa

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